Bedrohtes Urvolk

09. August 2012 15:32; Akt: 10.08.2012 16:16 Print

Mit dem Regenwald soll auch er sterben

Die Welt begeht den Tag der indigenen Völker – Völker wie die Awá, deren Zukunft düster aussieht, weil der Landhunger von Brasiliens Viehzüchtern und Sojabauern ihre Lebensgrundlagen auffrisst.

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Scheinbar unendlich erstreckt sich der grüne Teppich des Regenwaldes im brasilianischen Amazonasgebiet. Doch besonders im Osten klaffen immer mehr Lücken im Dschungel; es sind von Viehzüchtern und Sojaproduzenten
abgeholzte und brandgerodete Flächen.

Mit dem Wald verschwindet die Lebensgrundlage eines indigenen Volkes, das schon seit hundert Jahren von Holzfällern, Viehzüchtern und Siedlern hart bedrängt wird: Die Awá sind nach Angaben der Organisation Survival International «das bedrohteste Volk der Welt». Nur noch etwa 350 von ihnen leben in verschiedenen Gemeinden; daneben gibt es noch zwischen 60 und 100, die ohne Kontakt zur Aussenwelt die Wälder durchstreifen.

Massaker und Flucht

Doch ihr Rückzugsgebiet schwindet: Schon über 30 Prozent der Waldfläche ist einem Bericht der brasilianischen Behörde für indigene Angelegenheiten (Funai) zufolge abgeholzt worden. Ihre Heimat wurde 2009 stärker entwaldet als jedes andere indigene Gebiet im Amazonas.

Die nomadischen Awá, die in symbiotischer Einheit mit dem Wald leben (siehe Bildstrecke oben), sind aber nicht nur indirekt durch die Vernichtung ihres Lebensraumes bedroht – sie werden auch ganz direkt physisch verfolgt. Von Viehzüchtern angeheuerte Mörderbanden richten Massaker an, bewaffnete Trupps vertreiben sie. Während die illegalen Holzfäller in ihr Land vordringen, fliehen die Awá, um ihr Leben zu retten.

Kampagne für die Awá

Auf dem Papier schützt der brasilianische Staat das knapp 1200 Quadratkilometer grosse Territorium des Stammes. Doch vor Ort können oder wollen die Behörden dies nicht durchsetzen – das Schicksal der Awá bleibt ungewiss, die Aussichten sind düster. Survival International hat deshalb eine Kampagne gestartet, um auf das Los dieses indigenen Stammes aufmerksam zu machen. Auch der Schauspieler Colin Firth beteiligt sich daran; er ruft im untenstehenden Video dazu auf, dem brasilianischen Justizminister eine Botschaft zukommen zu lassen:


(Quelle: Survival International)

(dhr)