Neoehrlichiose

07. Juni 2014 19:33; Akt: 10.06.2014 09:06 Print

Von Zecken übertragen – und schwer erkennbar

Die Krankeit Neoehrlichiose ist weitgehend unbekannt. In der Schweiz sind sechs Fälle bekannt. Eine neue Studie zeigt, wer besonders gefährdet ist.

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Bis vor wenigen Jahren kannte man nur zwei Krankheiten, die von Zecken übertragen werden konnten: Die Borreliose und die virale Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Doch 2010 tauchten weltweit erstmals Patienten auf, die nach Zeckenbissen an wiederkehrendem hohem Fieber von bis zu 40 Grad, Gewichtsverlust und Unwohlsein litten. Das Team rund um Guido Bloemberg vom Institut für Medizinische Mikrobiologie (IMM) der Uni Zürich entdeckte schliesslich zusammen mit Kollegen aus dem Ausland eine neue Krankheit: die Neoehrlichiose.

Nun hat Bloemberg gemeinsam mit einem europäischen Medizinerteam eine neue Studie im Fachblatt «Clinical Infectious Diseases» veröffentlicht. Um mehr über die Neoehrlichiose herauszufinden, haben die Forscher aus Schweden, Deutschland, Tschechien und der Schweiz elf Fälle genauer unter die Lupe genommen. Gefährdet von der Krankheit sind demnach vor allem Menschen mit einem geschwächten Immunsystem.

Patienten können sich nicht an Zeckenbiss erinnern

«Bei dieser Studie ging es uns darum, ein genaueres klinisches Bild von der Patientengruppe zu erhalten, damit auch Ärzte die Krankheit besser erkennen können», so Bloemberg. Dies sei extrem schwierig, weil die Symptome nicht spezifisch eingeordnet werden könnten. Die Ursache für das Fieber zu finden, sei für den Arzt ein grosse Herausforderung. «Man spricht in diesem Zusammenhang von ‹fever of unknown origin›».

Eine richtige Diagnose zu erstellen, werde einerseits von der Tatsache erschwert, dass die Krankheit noch sehr unbekannt sei. In mindestens vier der elf in der Studie untersuchten Fälle ordneten Ärzte die Symptome irrtümlich einer Grunderkrankung zu. Dies könne zu falschen und potenziell gefährlichen Therapien führen, betonen die Autoren. Andererseits konnten sich mehr als die Hälfte der Patienten nicht an einen Zeckenstich erinnern, damit fehle für den Arzt der Kausalzusammenhang zwischen Zecken und Fieber.

Schlimm für die Betroffenen sei nebst den Symptomen auch die mentale Belastung. «Oft wissen sie nicht, was los ist, wieso das Fieber nicht weg geht und immer wieder zurückkehrt», sagt Bloemberg. Ob Menschen an dieser Krankheit schon gestorben seien oder sterben könnten, sei noch nicht klar. «Sicher ist, dass die Neoehrlichiose mit dem Antibiotikum Doxycyclin erfolgreich behandelt werden kann.» Wie verbreitet die Krankheit weltweit ist, muss ebenfalls noch erforscht werden.

«Fünf bis zehn Prozent der Zecken sind Träger»

Das Bundesamt für Gesundheit geht von rund 25 Fällen weltweit aus. «Die Disskussion darüber konzentriert sich aber bislang auf die Forschung», so Sprecherin Mona Neidhart.

In der Schweiz ist laut Bloemberg mindestens bei sechs Patienten das Bakterium Candidatus Neoehrlichia mikurensis im Blut nachgewiesen worden. Risikogebiete seien in der Schweiz alle Orte, an denen Zecken lebten. «Das allgemeine Bild in Europa und der Schweiz zeigt, dass fünf bis zehn Prozent der Zecken von dem Erreger befallen sind.» Ob die Krankheit nur von Zecken übertragen werden kann, wisse man nicht.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Stefan am 07.06.2014 19:47 Report Diesen Beitrag melden

    Zecken endlich ausrotten

    Der Mensch hätte die Mittel diesen Schädling z.b per Pilzfalle ein für alle mal aus unserer Welt zu tilgen. Das dies nicht gemacht wird ist höchst schändlich. Zecken sind eine Plage und die einzige Tierart die in der Natur keinen sinnvollen Zweck erfüllt. Der Bund soll endlich aktiv werden gegen diese moderne Pest!!

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  • Markus am 07.06.2014 19:56 Report Diesen Beitrag melden

    UZH Student

    Da habe ich Teils mitgemacht :) Kann nur jedem wünschen dass derjenige sowas niemals bekommt.Mir persönlich reicht es schon nach dem Mikroskopieren........

  • Red Dep am 07.06.2014 19:51 Report Diesen Beitrag melden

    " ... besonders gefährdet"

    und wer ist jetzt " ... besonders gefährdet"?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • George am 08.06.2014 19:11 Report Diesen Beitrag melden

    Waldbeweidung die Loesung?

    Nachdem Waldbeweidung verboten wurde stieg die Durchseuchung mit Borreliose bei Zecken an. Sticht eine mit Borreliose infizierte Zecke eine Kuh oder Ziege so stirbt der Lyme-Borreliose Erreger. Der Kreislauf kann so endlich durchbrochen werden. Fehlen Wiederkäuer in der Nahrungskette, geht die Zecke an Mäuse und Vögel und steckt sich an. Deshalb ist ab 1500mu.M. keine Borreliose mehr, Alpwirtschaft statt (reine) Forstwirtschaft.

  • Maxx am 08.06.2014 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Menschheit

    Bevor man die Zecken ausrottet sollte man die Menschen ausrotten. Die sind noch zu viel weniger zu gebrauchen und zerstören ausserdem den ganzen Planeten.

  • ilq uietus am 08.06.2014 12:26 Report Diesen Beitrag melden

    wer war zuerst....?

    an alle die "ausrotten" rufen... Zecken waren zuerst auf der Erde, schon lange vor es "Menschen" gab, was kommt als nächste dran: Wale, Tauben, Rehe?... zieht doch einfach auf dem Mond, dort hat es keine Zecken...

  • Ueli am 08.06.2014 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    kaum vorstellbar

    Als Kind war ich täglich im Wald. In der Jugend mit dem Hund ebenfalls. ich hatte schon unzählige Zeckenbisse aber noch nie ein Problem. Also wenn 10 % der Zecken gefährlich sind, wäre ich schon zigmal im Spital gewesen oder sogar gestorben. Ich glaube, die Statistik übertreibt.

    • Roman M. am 08.06.2014 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Keine Übertreibung

      Tatsache ist eben, dass die gefährlichen Erreger sich vom Osten Europas kommend immer weiter ausgebreitet haben. Deshalb ist die Ostschweiz auch am stärksten betroffen. Vor 20 oder 30 Jahren war die Gefährdung noch deutlich tiefer da eben auch die Ausbreitung noch nicht so gross war wie heute.

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  • Ton Ton am 08.06.2014 11:07 Report Diesen Beitrag melden

    Natur wie gewünscht

    Zecken als einzige Tiere ohne Nutzen? Das könnte man auch vom Fuchsbandwurm sagen, dem Schmetterling (gut, er sieht wenigstens schön aus und ist ungefährlich, darum darf er leben), dem Ebola-virus und noch tausend anderem, von dem wir nicht so genau wissen, wie sie sich positiv in die Welt des Lebens einfügen. Und wenn WIR das nicht wissen können, dann kann das wirklich nicht gut sein. Lasst uns die Natur so umbauen, wie wir es für richtig halten. Darum: Bäume weg (Amazonas), täglich eine Tierart ausrotten (geht doch), etc.

    • roman am 08.06.2014 12:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      futter

      sie war das futter der grossen waldameisen die sind leider fast ausgerottet

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