Kriminal-Biologe

09. Februar 2017 13:39; Akt: 03.05.2017 08:47 Print

Herr Benecke, kann man wirklich Blut weinen?

von F. Riebeling - Mark Benecke ist einer der berühmtesten Kriminalbiologen der Welt. Er ermittelt nicht nur im Auftrag, sondern auch auf eigene Faust.

Mithilfe von Schweineblut überführt Kriminalbiologe Mark Benecke Therese von Konnersreuth des Lügens. (Video: Murat Temel/Foto der Therese von Konnersreuth: Ferdinand Neumann)
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Mit Abgründen kennt sich Mark Benecke aus. Das bringt sein Job als Kriminalbiologe mit sich. Als solcher hat er schon den Schädel von Adolf Hitler untersucht, genauso wie den Fall des kolumbianischen Serienmörders Luis Alfredo Garavito Cubillos, der zwischen 1992 und 1999 bis zu 300 Jungen folterte, vergewaltigte und tötete (siehe Box 1).

Doch Benecke schenkt auch Fällen Aufmerksamkeit, in denen niemand zu Schaden gekommen ist. So wie dem Blutwunder um Therese von Konnersreuth, das sich Benecke freiwillig vorgeknöpft hat. Berühmt wurde die Deutsche unter anderem, weil sie angeblich Blut weinen konnte (siehe Box 2).

Herr Benecke, warum haben Sie das Blutwunder untersucht?

Das war kindliche Neugier. Mir macht es Spass, Dinge zu ergründen. Ganz so wie ein kleines Kind, das einen Kieselstein entdeckt, und dadurch, dass es ihn anguckt, anfasst und in den Mund steckt, versucht, mehr über ihn zu erfahren. Alle Menschen lösen gerne Rätsel. Der eine macht halt Sudokus, der andere löst Kreuzworträtsel, und ich mache eben so etwas. Bei mir hat das Ganze dann noch eine praktische Anwendung.

Wie kamen Sie auf Therese von Konnersreuth?
Im Jahr 2003 – und damit gut 40 Jahre nach Thereses Tod – haben sich Münchner Rechtsmediziner des Falls angenommen. Mithilfe von DNA-Analysen konnten sie nachweisen, dass es sich bei dem Blut auf den von damals erhaltenen Textilien tatsächlich um ihr Blut handelte. Darüber habe ich dann einen Artikel geschrieben. Danach passierte erst mal gar nichts – bis ich mich fragte, ob damit jetzt ein wissenschaftliches Wunder bewiesen sei.

Und: War es so?
Ich hatte natürlich meine Zweifel, schliesslich wusste ich aus Überlieferungen, dass Thereses Augen unverletzt waren. Ganz im Gegensatz zu ihren Händen, die gemäss Aufnahmen und Berichten von damals Wunden aufwiesen. Sie hätte darüber also problemlos Blut gewinnen können. Aber: Ich will nichts glauben, nichts denken, nichts meinen. Ich will nachweisen und belegen – und zwar experimentell, nicht nur in Gedanken.

Wie sind Sie vorgegangen?
Mir war wichtig zu zeigen, dass es noch andere Blickwinkel gibt, aus denen man den Fall betrachten kann. Zum Beispiel der rein spurenkundliche. Für diesen spielt es keine Rolle, ob das Blut echt gewesen ist. Da zählt nur, ob die Spuren stimmen. Und das habe ich dann mithilfe eines Experiments untersucht (siehe Video).

Mit welchem Ergebnis?
Therese von Konnersreuth glaubte vielleicht wirklich an ihre Version, denn anders als auf den Abbildungen von ihrem Gesicht lief das Blut im Experiment nicht in Sturzbächen die Wangen hinab, sondern in Form von mehreren Rinnsalen. Hinzu kommt, dass diese in unseren Experimenten ungefähr gleich breit blieben und nicht spitz zulaufen wie auf den Aufnahmen von damals. Damit ist der Fall auf der naturwissenschaftlichen Ebene grundsätzlich widerlegt.

Welchen Fehler hat Therese von Konnersreuth gemacht?
Sie hat an ihren Trick geglaubt, ihn aber nicht geprüft. Würde man nämlich statt Blut Wasser nehmen, würde ein bisschen verdunsten, ein bisschen kleben bleiben, und dann würde es beim Abrinnen tatsächlich nach unten hin weniger werden. Blut aber hat andere Klebeeigenschaften. Das wusste Therese nicht. Deshalb hat sie die blutigen Tränen wohl so aufgemalt, wie es logisch und lebensnah wäre.

Dass man besser alles genau checken sollte, passt zu Ihrem Mantra «Glauben Sie nichts, prüfen Sie alles»!
Absolut. Das klingt zwar immer nach mehr Arbeit, aber am Ende des Tages macht es vieles leichter. Dabei sollte man immer sachlich vorgehen und schauen, ob man etwas be- oder widerlegen kann.

Gibt es denn Situationen, in denen selbst Sie sagen: «Das liegt eigentlich auf der Hand.»?
Ich habe noch nie erlebt, dass etwas wirklich auf der Hand lag. Wenn etwas mal den Anschein gemacht hat, auf der Hand zu liegen, dann war es garantiert nicht so. Auch das findet man nur durch Überprüfen heraus.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dornröschen am 09.02.2017 14:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Könnte ihm stundenlang zuhören!

    Seit Jahren fasziniert mich Mark Benecke mit seinen Analysen und Kriminaltechnischen Vorträgen! Er ist auch sehr sympathisch und spricht angenehm. Cooler Typ!

  • Kayla am 09.02.2017 13:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Aber doch...

    Mein Vater hat auch einmal Blut "geweint"! Aus dem nichts ist ihm plötzlich Blut aus den Augen gelaufen, er hat es selber nicht einmal bemerkt. Erst als die Leute um ihn ihn ganz erschrocken ansahen, merkte er was los war. Nach mehreren Untersuchungen und dem Besuch in einer Spezialklinik kam dann aus, dass es eigentlich etwas Ähnliches ist, wie Nasenbluten. Es ist also ein Äderchen im Auge geplatzt und dadurch ist Blut ausgelaufen. Gefährlich ist es nicht weiter, einfach viel seltener als Nasenbluten und daher auch nicht so bekannt. :-)

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  • Claudia S am 09.02.2017 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    Danke Herr Benecke...

    war ein super Samstag!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tanj am 09.02.2017 18:04 Report Diesen Beitrag melden

    Marky Mark spitze

    Marky Mark du bist suuuuper. War auch am samstag in zürich und hoffe sehr das ihr mal wieder nach bern reist . Bin seit jahren ein grosser fan von dir und interessiere mich dank dir am beruf des gerichtsmediziner.

  • Thomas am 09.02.2017 16:46 Report Diesen Beitrag melden

    ach ja erfunden...

    Eine Regel von Sherlock Homes. Genau. Da kommt ein Typ der noch sagt, dass die Frau streng überwacht worden ist und das die DNA stimmt und sagt es kann nicht sein weil die Blutverläufe bei der Moderatorin nach gerade einmal bluten nicht die gleichen sind wie die von Therese von Konnersreuth. Bei seinen Nachforschungen hätte er als "Wissenschaftler" wissen sollen dass sie über längere Zeit blutete... d.h. Blut gerinnt und man wischt sich vielleicht mal über die Wange - Schwups nimmt das Blut einen anderen Weg. Denkt mal darüber nach Nur weil du es nicht verstehst muss es nicht erlogen sein.

    • der Vogtläender am 10.02.2017 09:34 Report Diesen Beitrag melden

      Widerlegung dieses Berichtes.....

      ...beim genaueren lesen des Artikels wird nichts von Wischspuren erwähnt, die hätten einen andere Verlauf der Blutspur begründet. Es geht auch hier um den Verlauf nach unten. Dieser ist hier wissenschaftlich, sehr genau überprüft und vorgenommen wurden. Machen sie doch einfach mal selber einen Versuch. Sie werden dann selber feststellen, welchen unqualifizierten Beitrag sie hier hinterlassen haben

    • Klaus07 am 10.02.2017 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Thomas

      Wollen Sie einen anderen Beweis? Zur Zeit Jesu, wurden die Menschen nicht gekreuzigt und mit Nägel befestigt! Dies ist eine modernere Erfindung! Die Römer haben gepfählt! Ein einzelner Pfahl oder ein X, die Hingerichteten wurden dann mit über dem Rücken zusammengebundenen Händen am Pfahl aufgehängt! Die Male an Händen und Füssen gab es so daher nie! Somit ist klar, das die Frau eine Scharlatanin war!

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  • Deana Winchester am 09.02.2017 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Haarspray damit das Poulet glänzt

    Als jemand der regelmässig vor der Kamera steht, sollte Herr Benecke doch wissen, dass die Möglichkeit besteht dass dieses Foto (auf welches er sich hier bezieht, ich weiss ja nicht ob es noch mehr davon gibt) genausogut gestellt sein kann.

    • Klaus07 am 10.02.2017 12:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Deana Winchester

      Herzlichen dank, Sie sind der Aufheller des Tages! Genau um das geht es doch in diesem Experiment! Der Beweis, dass die Szene auf diesem Bild inszeniert wurde und nicht echt ist!

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  • Sandro am 09.02.2017 16:34 Report Diesen Beitrag melden

    04.02.17

    Samstag Abend war suuuuuper!!! Wir werden noch mehr zuhören kommen:) War sogar witziger als einige Komiker und viel intressanter:)))

  • Crigs am 09.02.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    FORENSIC SCIENCE

    Mit diesem Vorwissen rate ich jedem Leser die Serien "Deadly Women" und "Forensic Files" zu studieren. Sie werden lernen, die Forensic Science zu würdigen, denn sie ist die einzige Institution, die den Menschen Würde verleiht. Alle anderen schwatzen bloss. Ich verfolge mit grossem Interesse, wie sich diese angewandte Wissenschaft weiter entwickelt. Wussten Sie, dass das Scherrer Institut erstklassige Arbeit leistet, im Restaurieren von wertvollen Gemälden, Gebäuden, Denkmälern ? Hier sind Physiker, Mathematiker, Chemiker, Biologen, Mediziner, .... am Forschen.