Versäumnis mit Folgen

03. Oktober 2012 08:00; Akt: 03.10.2012 10:38 Print

Australien liess das Great Barrier Reef verkommen

Eine Langzeitstudie deckte einen dramatischen Rückgang der Korallen im Great Barrier Reef auf. Jetzt räumt die australische Regierung ein, dass sie das Riff jahrelang vernachlässigt hat.

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Grösstes Korallenriff der Welt in Gefahr: Im Verlauf von 27 Jahren hat sich der Korallenbestand im 2300 Kilometer langen Barrier Reef halbiert, wie eine Langzeitstudie des Australischen Instituts für Meereskunde belegt. Ursachen des Rückgangs: Ein Grossteil der Zerstörungen rührt von schweren Stürme (48 Prozent) und Befall mit Dornenkronen-Seesternen (42 Prozent) her. Nicht hausgemachte Schäden: Infolge der globalen Erwärmung war das Great Barrier Reef in den Jahren 1998 und 2002 stark vom Massenkorallenbleichen betroffen. Im Jahr 2002 waren 60 bis 95 Prozent des Riffs geschädigt. Einzigartiges Ökosystem: Das Great Barrier Reef ist die grösste von Lebewesen geschaffene Struktur der Erde. Beeindruckende Dimensionen: Die Fläche des Great Barrier Reef beträgt etwa Quadratkilometer. Grosse Vielfalt: Im Great Barrier finden sich 359 Steinkorallenarten, 80 Arten von Weichkorallen und Seefedern. Heimat Millionen von Lebewesen: Über 1500 Fischarten, 1500 Schwammarten, 4000 Arten von Weichtieren, 800 Arten von Stachelhäutern wie zum Beispiel Seesternen sowie 500 verschiedene Arten von Seetang leben im Riff. Sechs von insgesamt sieben weltweit vorkommenden Arten von Meeresschildkröten leben vor der australischen Küste. Darunter sind auch die vom Aussterben bedrohten unechten Karettschildkröten und die pazifischen Suppenschildkröten, die das Riff zur Eiablage nutzen. Inselhüter gesucht: 2009 vergab Australien befristet einen Job als Pfleger das Great Barrier Reef, nicht zuletzt um auf die Problematiken aufmerksam zu machen.

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«Ich vermute, die Studie hat Schockwellen durch viele Haushalte geschickt», sagte Umweltminister Tony Burke am Dienstagabend im Fernsehsender ABC. Die Rede ist von einer Langzeitbeobachtung des Great Barrier Reef. Diese zeigte, dass die Quantität der Korallen im einzigartigen Ökosystem in dramatischem Umfang abgenommen hat. In 27 Jahren gingen mehr als die Hälfte seiner Korallen verloren. Das habe alle Befürchtungen übertroffen.

Die Staatsführung gab zu, diesem wertvollen und wichtigen Riff nicht die notwendige Pflege zukommen gelassen zu haben. Im Gegenteil: Seitens der Regierungen habe es über Jahrzehnte ein hohes Mass an Vernachlässigung gegeben, sagte Burke.

Kampf den Seesternen

Burke sprach sich für ein konsequentes Vorgehen gegen die Dornenkronen-Seesterne aus, die sich von Korallen ernähren und die von den Forschern nach den Tropenstürmen als zweitwichtigste Ursache für den Verlust der Korallen ausgemacht wurden. Die gezielte Tötung der Seesterne durch Taucher, die ihnen einzeln Natriumhydrogensulfat spritzten, sei «mühsam», aber «die wirksamste Methode, die wir je hatten».

Gründe für den Rückgang: Die Befunde der Studie werden in dem Video erklärt (Quelle: Youtube)

Der Studie zufolge würde eine Verbesserung der Wasserqualität des Great Barrier Reef dazu führen, dass die Dornenkronen-Seesterne zurückgehen. Burke sagte, die jetzige australische Regierung habe mit ihrem Rettungsprogramm für das Riff in den vergangenen fünf Jahren hunderte Millionen Dollar investiert, etwa in Projekte für die Vermeidung der Schäden durch Abwässer und die Landwirtschaft.

Weitere Halbierung der Korallen befürchtet

Die umfassende Studie wurde von Forschern des Australischen Instituts für Meereskunde (AIMS) und der Universität von Wollongong erstellt. In die Untersuchung flossen 2258 Erhebungen aus den vergangenen 27 Jahren ein. Den Wissenschaftlern zufolge könnte sich die Zahl der Korallen im Great Barrier Reef bis zum Jahr 2022 erneut halbieren, wenn sich der Trend fortsetze.

Die weltberühmten Korallen am Great Barrier Reef erstrecken sich vor der Küste des Bundesstaats Queensland im Nordosten Australiens über 345 000 Quadratkilometer.

Das Riff gilt als der grösste lebende Organismus der Welt. Es besteht aus 400 unterschiedlichen Korallenarten und beherbergt 1500 Fischarten sowie 4000 Arten von Weichtieren. Zudem leben dort viele gefährdete Tiere wie der Dugong (Seeschwein) oder die Grosse Grüne Meeresschildkröte.