US Space Force

18. Juni 2012 18:52; Akt: 18.06.2012 18:52 Print

Welt rätselt über All-Experiment

Eigentlich sollte das unbemannte Mini-Space-Shuttle nur 270 Tage im Orbit bleiben, doch die X-37B landete nun erst nach 468 Tagen im All. Was sie dort gemacht hat, ist streng geheim.

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Als die X-37B am 5. März 2011 von einer Atlas-Trägerrakete ins All befördert wurde, rechnete die US Air Force mit einer Rückkehr nach 270 Tagen. Doch die geheime Mission von OTV-2, wie das Orbital Test Vehicle auch heisst, wurde verlängert: Das ferngesteuerte Mini-Shuttle landete erst am 16. Juni 2012 auf dem US-Luftwaffenstützpunkt in Vandenberg. 468 Tage war das Fahrzeug des Rüstungsriesens «Boeing» unterwegs.

Was es dabei gemacht hat, wird die Welt vorerst allerdings nicht erfahren. Wie schon beim Flug von OTV-1 vom 22. April 2010 bis zum 3. Dezember 2010 hüllen sich die Behörden über die Agenda ihres Weltraumgleiters in Schweigen. Im März 2012 hatte die Air Force durch Oberstleutnant Tom McIntyre bloss verkünden lassen. «Wir sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen der laufenden Experimente der X-37B», zitiert MSNBC den Militär. «Das X-37-Programm setzt einen Standard für Mehrweg-Raumschiffe und hat dank Investitionen wertvolle Erkenntnisse gewonnen.»

Als orbitaler Bomber zu klein

Im April hatte sich Air-Force-General William Shelton auf einer Weltraum-Tagung im US-Bundesstaat Colorado über das Projekt geäussert. «Unser zweites X-37-Testvehikel war jetzt seit 409 Tagen im Orbit. Weil ich nicht über die Einzelheiten seiner Mission sprechen kann, reicht es zu sagen, dass diese Mission ein spektakulärer Erfolg war.» Diese Geheimhaltung sorgt seit jeher für jede Menge wilde Spekulationen über Sinn und Zweck der Space-Shuttle-Nachfolger.

Das Magazin «Wired» hatte nachgefragt, ob OTV-1 und OTV-2 Prototypen eines orbitalen Bombers sein könnten. Der frühere Air-Force-Angestellte Brian Weeden hält das jedoch für unrealistisch. «Waffen, die vom Frachtraum abgeworfen werden, bräuchten Düsen mit einem starken Ausstoss», gab es zu bedenken. Dafür sei der Frachtraum des nur knapp neun Meter langen Raumschiffs jedoch zu klein. Auch etwaige Satelliten würden darin kaum Platz finden.

Spionageeinsatz gegen Chinas Raumstation unwahrscheinlich

Ein anderer möglicher Grund für den Start des Geheim-Gleiters könnte der Bau der chinesischen Raumstation Tiangong sein, so ein weiteres Gerücht. Brian Weeden entkräftete es jedoch, schrieb die «International Business Times»: «Die Vereinigten Staaten haben ein ganzes Netzwerk von Teleskopen und Radaranlagen am Boden. Einige davon arbeiten bildgebend und wären besser für so was geeignet.» Ausserdem fliege die X-37B für derlei Spionagetätigkeiten zu schnell.

Die Air Force scheint solche Spekulationen mit Genuss zu beobachten. «Ich muss den Einfallsreichtum und die Innovation einiger Berichte loben», witzelte Richard McKinney im Dezember 2011 bei einer Pressekonferenz. Die X-37B stehe vielmehr für die «Möglichkeiten für eine ferngesteuerte und effektivere Art, Technologien im All zu testen und sie wieder zurück zur Erde zu bringen. Es ist ein schlicht und einfach ein Testvehikel.»


Videomaterial der X-37B. Quelle: Boeing/Brightcove


Eindrucksvoller Riese: Die Atlas-V-Rakete startet mit OTV-1 an Bord am 22. April 2010 ins All. Quelle: YouTube

(phi)