Epileptische Anfälle

04. März 2017 17:40; Akt: 04.03.2017 17:40 Print

Diese Antibiotika haben heftige Nebenwirkungen

von F. Riebeling - Halluzinationen, Panikattacken, Depressionen: Solche Nebenwirkungen können einige Antibiotika haben. Dennoch werden sie weiterhin verschrieben.

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Wer Antibiotika nimmt, hofft darauf, gesund zu werden. Doch manche von den zur Auswahl stehenden Präparaten haben so schwere Nebenwirkungen, dass auch die schlimmste Harnwegsentzündung ein Klacks dagegen ist. Die Beschwerden der Fluorchinolone, früher Gyrasehemmer, reichen von Sehnenentzündungen und -rissen über Gelenk-, Muskel- und Hautschmerzen ... ... Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen, Verwirrung und epileptischen Anfällen ... ... bis hin zu schlimmen Durchfällen, Depressionen und Suizidgedanken. Die Nebenwirkungen sind teils so heftig, dass die amerikanische Zulassungsbehörde FDA 2016 eine Warnung herausgab, laut der die Einnahme von Antibiotika der Fluorchinolon-Familie «zur Behinderung führen und potenziell dauerhaft sein» kann. Kürzlich hat auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein europaweites Risikobewertungsverfahren eingeleitet. Auch Swissmedic ist aktiv: Das Institut setzt sich laut eigenen Angaben für eine bessere Information von Ärzten und Patienten ein. In einem ersten Schritt «sollen die Warnhinweise in Fach- und Patienteninformationen überprüft und vereinheitlicht werden. Es soll zudem verstärkt auf den kritischen Einsatz hingewiesen werden.» Danach sieht Swissmedic vor, «gleich wie die FDA, Öffentlichkeit und Fachleute auf ihrer Homepage zu informieren. Die Fachleute sollen zusätzlich in ihren Standesorganen wie der Ärztezeitung und dem pharma Journal und voraussichtlich durch ein separates Rundschreiben orientiert werden.»

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Wenn die Blase zwickt, helfen Antibiotika meist weiter. Doch manche von den zur Auswahl stehenden Präparaten haben so schwere Nebenwirkungen, dass auch die schlimmste Harnwegsentzündung ein Klacks dagegen ist.

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Die Beschwerden der Fluorchinolone (früher Gyrasehemmer) reichen von Sehnenentzündungen und -rissen über Gelenk-, Muskel- und Hautschmerzen, Herzrhythmusstörungen, Halluzinationen, Verwirrung und epileptischen Anfällen bis hin zu schlimmem Durchfall, Depressionen und Suizidgedanken.

Die Nebenwirkungen sind teils so heftig, dass die amerikanische Zulassungsbehörde FDA 2016 eine Warnung herausgab, wonach die Einnahme von Antibiotika der Fluorchinolon-Familie «zur Behinderung führen und potenziell dauerhaft sein» kann, wie Spiegel.de zitiert. Kürzlich hat auch das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte ein europaweites Risikobewertungsverfahren eingeleitet.

Wirksam, wenn andere Mittel versagen

Auch in der Schweiz sind die schweren Nebenwirkungen bekannt. Trotzdem werden die entsprechenden Präparate weiterhin verschrieben. «Fluorchinolone haben ein breites Wirkungsspektrum», erklärt Stephan Krähenbühl, Chef der Abteilung für Klinische Pharmakologie am Universitätsspital Basel. Bei Erkrankungen der Lunge würden sie beispielsweise auch solche Bakterien erreichen, gegen die Penicillin nichts ausrichten könne.

Der Experte hält die Antibiotika für sehr gute Medikamente, bei denen der Nutzen überwiege – vorausgesetzt, Verschreibung und Gebrauch erfolgen gemäss den Richtlinien. Zudem verweist er darauf, dass die Nebenwirkungen immer von der Dosis abhängig seien und nach dem Absetzen wieder verschwänden.

Betroffene leiden oft ein Leben lang

Dieser Meinung sind jedoch nicht alle: Viele ehemalige Fluorchinolon-Konsumenten berichten, dass während oder nach der Behandlung ihrer eigentlich harmlosen Infektionen das Leiden erst richtig anfing.

In speziellen Foren und Facebook-Gruppen tauschen sie sich über ihre langwierigen und zum Teil irreparablen Gesundheitsbeschwerden aus – und darüber, dass sie im Vorfeld gar nicht oder zu wenig über die möglichen Nebenwirkungen informiert worden seien.

Swissmedic ist am Thema dran

Für eine bessere Information von Ärzten und Patienten setzt sich derweil Swissmedic ein: In einem ersten Schritt «sollen die Warnhinweise in Fach- und Patienteninformationen überprüft und vereinheitlicht werden. Es soll zudem verstärkt auf den kritischen Einsatz hingewiesen werden», teilt das Heilmittelinstitut auf Anfrage von 20 Minuten mit.

Danach sieht Swissmedic vor, «gleich wie die FDA, Öffentlichkeit und Fachleute auf ihrer Website zu informieren. Die Fachleute sollen zusätzlich in ihren Standesorganen wie der ‹Ärztezeitung› und dem ‹Pharma Journal› und voraussichtlich durch ein separates Rundschreiben orientiert werden.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Ironiker am 04.03.2017 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Medikamente

    Medikamente sind Krankheitsursache Nr. 1. Aber zum Glück gibt es gegen diese Krankheiten Medikamente.

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  • Dk10 am 04.03.2017 17:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Antibiotika

    Alle antibiotika haben nebenwirkungen. Das "flickt" zwar die infektion aber will nicht wissen was sie alles auch kaputt macht.

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  • g.m. am 04.03.2017 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Danke 2omin!

    Wir sind alle auf medizinische Forschung und die Entwicklung neuer Medikamente angewiesen. In diesem Bereich hat die Menschheit auch so einige erfreuliche Fortschritte gemacht. Aber wie überall, gibt es auch hier eine Schattenseite und diese sollte in den Medien vermehrt angesprochen werden. Viele neuere Medikamente sind NICHT aufgrund ihres Nutzens für die Patienten auf dem Markt. Wie andere Berichte (z.B. über Novartis) zeigen, leidet die Branche zurzeit unter groben Verirrungen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabio am 06.03.2017 17:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmere

    Es gibt noch viel üblere Antibiotika. Das Tuberkulose-Antibiotika Bedaquiline, dass als letzte Möglichkeit bei resistenten Bakterien verwendet wird, kann taub machen. Ist schlussendlich ein abwägen: sterben oder behindert überleben.

  • Iva am 05.03.2017 09:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Angstmacherei

    Hatte in früheren Jahren oft sehr schmerzliche Blasenentzündungen und die Antibiotika waren für mich das einzige was wirklich half! Hatte jedoch zum Glück nie Nebenwirkungen. Bei pflanzlichen, natürlichen Tbl. litt ich aber unter Herzrasen und Panikatacken. Bei korrekter Einnahme kann man die Antibiotika nicht nur verteufeln!

  • Fran am 05.03.2017 03:24 Report Diesen Beitrag melden

    schuppig!

    Ich kämpfe seit November gegen Schuppenflechte, die von einem Antibiotika gegen Angina ausgelöst wurde, welches ich zwei(!) Monate zuvor für eine Woche eingenommen hab.. Gar nicht mal so schön, sowas.

    • Steinwerfer am 06.03.2017 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Fran

      Wieso sind Sie so sicher, dass das Antibiotika (AB) die Schuppenflechte (Psoriasis) ausgelöst hat? Es ist allgemein bekannt, dass bakteriologische Infektionen wie z.B. Angina oder auch virale wie z.B. Grippe einen sehr negativen Einfluss auf eine latente Psoriasis haben können. Bei den Medikamenten sind Beta-Blocker sehr kritisch. AB neigen eher dazu andere Ausschläge wie z.B. Nesselsucht oder Erytheme zu fördern. BTW: Ich selbst leide unter Psoriasis und habe so meine Erfahrungen mit verschiedenen Medikamenten.

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  • Chris am 05.03.2017 01:08 Report Diesen Beitrag melden

    Freiheit

    Alle die sich hier über Medikamente so negativ äussern, können gern auf die Einnahme verzichten. Niemand wird gezwungen irgendetwas zu schlucken.

  • Thomas W am 04.03.2017 23:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wo Licht ist, da ist auch Schatten

    Tja andere nehmen kein Antibiotika und sterben an der Infektion. Stellt sich die Frage ob man dafür bereit ist die Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen.. Es gibt halt, auch in dieser Hinsicht nie den 5er unds Weggli wie sich manche in ihrer ideologischen Blase das vorstellen.