Molekularer Schalter

06. Februar 2014 16:34; Akt: 07.02.2014 11:11 Print

Forscher lüften Rätsel um Chlorakne

Der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Juschtschenko litt nach einer Dioxinvergiftung an Chlorakne. Zürcher Forscher haben nun entdeckt, wie die Krankheit entsteht.

storybild

Gezeichnet von der Krankheit: Wiktor Juschtschenko, von 2005 bis 2010 Präsident der Ukraine. (Bild: Keystone/Herbert P. Oczeret)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Zürcher Forscher haben zufällig einen Mechanismus entdeckt, der das Entstehen von Chlorakne erklärt. Chlorakne ist eine Hautkrankheit, die nach Vergiftungen zum Beispiel mit Dioxin entsteht – bekanntestes Opfer ist der ehemalige Präsident der Ukraine, Wiktor Juschtschenko, der 2004 Ziel eines Dioxinanschlags wurde.

Das Team um Sabine Werner von der ETH Zürich hat nun entdeckt, dass ein molekularer Schalter nach längerer und verstärkter Aktivierung bei Mäusen ein vergleichbares Hautbild verursacht wie Chlorakne beim Menschen. Sie berichten darüber im Fachjournal «Embo Molecular Medicine».

Einsatz bei Krebsvorbeugung möglich

Das betreffende Molekül heisst Nrf2. Es wird unter anderem vom Zürcher Team in Verbindung mit verschiedenen Erkrankungen der Haut erforscht. Eine moderate Aktivierung von Nrf2 schützt die Haut vor UV-Schäden, indem es sie vor aggressiven freien Radikalen schützt, wie die ETH Zürich am Donnerstag in einer Mitteilung schrieb.

Nrf2 wäre deshalb ein interessanter Kandidat für den Einsatz bei der Krebsvorbeugung. Allerdings bewirkt eine zu starke Aktivierung das Gegenteil: Die Haut wird schuppig und erleidet Schäden. Also schauten die Forschenden, was bei genetisch veränderten Mäusen geschieht, deren Hautzellen Nrf2 dauerhaft aktivieren.

Zysten wie bei Dioxinopfern

Es zeigte sich, dass die Tiere Hautveränderungen entwickelten, die denjenigen von Dioxinopfern frappant ähnelten, wenn auch mit schwächerer Ausprägung. Die Talgdrüsen sonderten übermässig viel Talg ab, die Haarfollikel verdickten und verhornten. Das führte schliesslich zur Bildung von Zysten.

In einem weiteren Schritt überprüften die Wissenschaftler Gewebeproben von Chlorakne-Patienten. Dabei zeigte sich, dass auch bei ihnen die gleichen Proteine verstärkt gebildet werden und die Vorgänge demnach beim Menschen ähnlich ablaufen wie bei den Mäusen.

Nicht für Therapie geeignet

Als Ansatz für eine künftige Therapie der Chlorakne eigne sich das Molekül allerdings nicht, betonen die Forscher. Es wird als Entgiftungsmechanismus benötigt und sollte vermutlich nicht abgeschaltet werden.

Wiktor Juschtschenko dürfte das bekannteste Dioxinopfer sein. Der Politiker überlebte damals zwar den Anschlag, war aber von der durch die Vergiftung entstandene Chlorakne schwer entstellt: Sein Gesicht war übersät mit zahlreichen Zysten, die tiefe Narben zurückliessen.

(lmm/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • interessierter am 06.02.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Frage falls das jemand der ETH liest

    ich kenne eine Frau die äusserlich das selbe Erscheinungsbild des Gesichtes hat. Ihr wurde anfangs auch Akne diagnostiziert. Ausgebrochen nach Haare schwarz färbe, sie hat sie immer gefärbt. Als die Diagnose nicht mehr haltbare war und weiter Schwierigkeiten dazukamen wurde eine subkutaner Lupus, serologisch ehr eine Mischkollagenose daraus. Ein Autoimmungeschehen ist sicher. Ich frage mich jetzt ob vielleicht Autoantikörper bei der Aktivierung/Expression oder dem Mechanismus um Nrf2 stören.

    einklappen einklappen
  • Ivan R. am 07.02.2014 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Anschlag Vorwurf

    Schön und recht über diese Aufklärung. Es wurde schliesslich 2005 bestätigt, dass es kein Anschlag war auf Juschtschenko. So wie's aussieht ist er laut der ETH Zürich dem Narzismus zum Opfer gefallen. Oder offiziell, er hat immer so ausgesehen, sonst hätten wir ein Foto, vorher und danach. Mir egal ob sie das veröffentlichen. Ich weiss die ETH Zürich zahlt viel und man kann sich als Integrierte Zeitung Präsentieren gegenüber dem Kapitalismus.

    einklappen einklappen
  • chipsy am 06.02.2014 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mäusequäler

    auch mäuse sind lebewesen mit gefühlen, wer gibt euch das recht, mäuse zu quälen, ihnen solche giftige supstanzen zu spritzen!!!! ihr seit mörder der tiere und viel zeugs was in den handel kam, wo man an mäusen und ratten getestet hatte, waren für den menschen höchst gefährlich, nur ein beispiel, contergan- babys!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ivan R. am 07.02.2014 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    Anschlag Vorwurf

    Schön und recht über diese Aufklärung. Es wurde schliesslich 2005 bestätigt, dass es kein Anschlag war auf Juschtschenko. So wie's aussieht ist er laut der ETH Zürich dem Narzismus zum Opfer gefallen. Oder offiziell, er hat immer so ausgesehen, sonst hätten wir ein Foto, vorher und danach. Mir egal ob sie das veröffentlichen. Ich weiss die ETH Zürich zahlt viel und man kann sich als Integrierte Zeitung Präsentieren gegenüber dem Kapitalismus.

    • Dr. Calculon am 08.02.2014 06:29 Report Diesen Beitrag melden

      Dr. Google beweist den Giftanschlag

      Einfach mal Juschtschenko bei Gogel eingeben, die Bilder die dann zu sehen sind anschauen. Hat auch Bilder die Ihn vor der Vergiftung zeigen, wo er eine ganz normale gesichtshaut hat. Und schon ist deine plumpe Verschwöhrungsbehauptung wiederlegt.

    einklappen einklappen
  • chipsy am 06.02.2014 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    mäusequäler

    auch mäuse sind lebewesen mit gefühlen, wer gibt euch das recht, mäuse zu quälen, ihnen solche giftige supstanzen zu spritzen!!!! ihr seit mörder der tiere und viel zeugs was in den handel kam, wo man an mäusen und ratten getestet hatte, waren für den menschen höchst gefährlich, nur ein beispiel, contergan- babys!

    • Mr. T am 06.02.2014 22:52 Report Diesen Beitrag melden

      freiwillige vor...

      melden sie sich doch freiwillig wenn sie die tiere schützen möchten, dafür gleich lieber alles am menschen ausprobieren oder wie? wissen sie wieviele leben, nicht nur menschen auch haus- und nutztiere, durch labormäuse- und ratten gerettet wurden? ignoranz lässt grüssen

    • nicole am 07.02.2014 04:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      realität

      mann kann sich aich eifach alles schön reden - das nenn ich ignoranz!!!

    • Fanny am 07.02.2014 11:17 Report Diesen Beitrag melden

      Ich hoffe Sie sind vegetarisch

      Denn weitaus mehr Tiere leiden ihr kurzes Leben lang in Qualzuchten in der Billigfleischproduktion. Wer Fleisch aus der Migros isst und gegen Tierversuche ist, ist heuchlerisch. Diese Tiere leiden ebenso sehr stark. Ich selber bin gegen unnötige Tierversuche (z.B. Kosmetik-Inustrie) und für mehr Mittel in der Forschung, um die Tierversuche auf ein Minimum reduzieren. Da wird viel zu wenig investiert, aber ganz ohne wird es wohl leider nie gehen.

    • Pit Rorschach am 07.02.2014 11:52 Report Diesen Beitrag melden

      Altmodisch

      Tiere sind auch Lebewesen und haben es nicht verdient, vom Menschen zu Forshaungszwecken missbraucht zu werden. Es geht auch ohne Tierversuche, das wurde schon vielfach bewiesen.

    • Wulline am 07.02.2014 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      Herrgott nochmal!

      chipsy, sie haben völlig recht, ich bin ihrer Meinung. Es ist doch ein Unterschied, liebe Fanny, ob man Tiere isst oder quält.

    • petr wigg am 08.02.2014 04:17 Report Diesen Beitrag melden

      jeder!

      jeder auf der welt hat seine bestimmung.

    einklappen einklappen
  • interessierter am 06.02.2014 19:13 Report Diesen Beitrag melden

    Frage falls das jemand der ETH liest

    ich kenne eine Frau die äusserlich das selbe Erscheinungsbild des Gesichtes hat. Ihr wurde anfangs auch Akne diagnostiziert. Ausgebrochen nach Haare schwarz färbe, sie hat sie immer gefärbt. Als die Diagnose nicht mehr haltbare war und weiter Schwierigkeiten dazukamen wurde eine subkutaner Lupus, serologisch ehr eine Mischkollagenose daraus. Ein Autoimmungeschehen ist sicher. Ich frage mich jetzt ob vielleicht Autoantikörper bei der Aktivierung/Expression oder dem Mechanismus um Nrf2 stören.

    • Irene Hellersdorf am 07.02.2014 08:19 Report Diesen Beitrag melden

      Bei mir nach Strähnen

      Bei mir fing es an, nachdem ich mir in Palm Beach in Florida 3 (!!!) blonde Strähnen habe machen lassen. Abends schon fielen mir Haarbüschel aus, die Haut wurde fürchterlich. Seither sind Jahre vergangen, ich habe 2/3 meiner Haarfülle verloren, meine Haut ist seitdem problematisch. Es hat sich über die Zeit hinweg eine Autoimmunkrankheit gebildet, dazu noch Pseudopelade broc. Das fing alles nach dem Färben dieser drei Strähnen an. Da war sicher ein Bestandteil drin, der das alles auslöste. - @john smith: wer einen Kommentar nicht versteht, sollte sich nicht so exponieren.

    einklappen einklappen