Ölpreis

23. Januar 2016 06:43; Akt: 23.01.2016 07:41 Print

Besiegelt Rekord-Tief das Ende der Erdölvorräte?

von Fee Riebeling - Früher wurde gewarnt, das Erdöl gehe zur Neige. Doch nun wird der Markt damit überschwemmt. 20 Minuten klärt, wie das zusammenpasst.

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Vor 40 Jahren rief der damalige US-Präsident Jimmy Carter dazu auf, angesichts der schwindenden Erdölreserven den Energieverbrauch einzuschränken. Rückendeckung bekam er unter anderem von den Mitgliedern der Denkfabrik Club of Rome. Diese warnte: «In spätestens 30 bis 40 Jahren gibt es kein Erdöl mehr.» Doch das schwarze Gold sprudelt bis heute. Der Geologe Werner Leu erklärt 20 Minuten, wie es tatsächlich um die Erdölreserven steht.

Herr Leu, jahrelang wiesen Experten auf die Endlichkeit des Erdöls hin. Haben sie sich getäuscht?
Die Prognosen sind nicht grundsätzlich falsch. Allerdings stimmen sie nur in Teilen. Denn für bestimmte Regionen wie beispielsweise die Nordsee ist das Produktionsmaximum bereits eingetroffen. Global gesehen hat man sich aber – zumindest bisher – getäuscht.

Wann werden die weltweiten Erdölvorräte erschöpft sein?
Das lässt sich nicht definitiv vorhersagen. Jede Prognose wäre nicht mehr als eine vage Vermutung, da die gesellschaftlichen und technologischen Entwicklungen der Zukunft unbekannt sind. Fest steht nur, dass sie irgendwann aufgebraucht sein werden. Denn der Mensch gewinnt und verwendet mehr, als durch die geologischen Prozesse gebildet wird.

Wie wahrscheinlich ist es, dass das Erdöl nicht ganz aufgebraucht, sondern vorher durch andere, umweltfreundlichere Alternativen ersetzt wird?
Natürlich wäre es vernünftig, die Energieversorgung auf nicht-fossile Arten umzustellen (siehe Box 1). Doch ganz auf Erdöl zu verzichten, ist unrealistisch, denn in der Petrochemie wird es immer verwendet werden, beispielsweise als Rohstoff für Kunststoffe oder Farben.

Welche Rolle spielen alternative Ölförderungsmassnahmen wie Fracking in Bezug auf die globalen Erdölreserven?
Dank technologischer Entwicklung wie dem Fracking und langen, präzisen horizontalen Bohrungen sowie einem neuen Verständnis der Kohlenwasserstoff-Lagerstätten im Untergrund haben sich in den letzten zehn Jahren die gewinnbaren Öl- und Gasreserven mehr als verdoppelt. Waren die konventionellen Förderländer bisher auf wenige Regionen beschränkt, so sind die neuen unkonventionellen Ressourcen viel gleichmässiger über den Globus verteilt, und das hat geopolitische Auswirkungen.

Werden diese aufwendigeren und teureren Varianten nun wegen des tiefen Ölpreises eingestellt?
Bedingt durch den abstürzenden Erdölpreis werden viele unkonventionelle Projekte schubladisiert. Sicher ist jedoch, dass diese Schubladen in Zukunft wieder geöffnet werden. Die technologische Entwicklung geht in dieser Situation sogar verstärkt weiter, womit sich die Fördermethoden weiter verbilligen werden, was die Rentabilität vieler Projekte positiv beeinflussen wird.

Welcher Art von Förderung gehört die Zukunft?
Alle Arten von Lagerstätten werden in Zukunft eine Rolle spielen. Kohle und Erdöl werden dabei für die Energiegewinnung vermehrt durch Erdgas ersetzt, die sauberste der fossilen Energiequellen (siehe Box 2).

Was bedeutet das für die Entwicklung umweltfreundlicherer Methoden für die Energieerzeugung?
Heute ist die weltweite Energieversorgung zu 85 Prozent (in der Schweiz 65 Prozent) von Erdöl, Erdgas und Kohle abhängig. Die notwendige Umstellung auf einen viel grösseren Anteil umweltfreundlicher Energiequellen wird noch Jahrzehnte dauern. Der aktuelle Vorwurf, dass durch die ungebremste Verwendung fossiler Energieressourcen grosse Investitionen für die Entwicklung alternativer Energien entzogen werden, ist kurzsichtig: Erst eine sichere und funktionierende Wirtschaft, die in den nächsten Jahrzehnten nicht von Energie-Engpässen bedroht ist, kann die notwendigen finanziellen Mittel für die Umstellung erzeugen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Timo am 23.01.2016 07:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Paradox

    Eine Wirtschaft die nicht von Energie-Engpässen bedroht sein will, sollte doch erst recht auf nachhaltige Quellen umsteigen. Man kann nur hoffen, dass die Erdöl-Knappheit uns zur Umstellung zwingt bevor wir im CO2 ersticken bzw. verbrutzeln. Lachhaft, dass die Mittel dazu fehlen sollen. Was fehlt ist der Wille der geldgierigen Konzerne.

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  • abc am 23.01.2016 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Staatenbankrott

    Diese Tiefpreisphase wird auch nicht lange dauern, denn wichtige Förderstaaten haben zu hohe Staatsausgaben, und eine einseitige Wirtschaft.

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  • Hokipa am 23.01.2016 07:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ölpreis

    Der beste Indikator, ob das Erdöl zu Ende geht, ist der Ölpreis selbst. Wie im Artikel erwähnt haben sich sie gewinnbaren Reserven in den letzten Jahren dank Technologie verdoppelt, und so wird das wohl weitergehen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jonas am 24.01.2016 10:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Seitenhieb

    Die USA schliesst Verträge mit anderen Öl-Staaten, die die Ölpreise absichtlich niedrig halten, um Russland zu schaden.

    • Realist am 24.01.2016 21:57 Report Diesen Beitrag melden

      So so

      Man kann ja jeden Unsinn behaupten.

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  • andi 75 am 23.01.2016 21:19 Report Diesen Beitrag melden

    erdöl endlich?

    ob erdöl endlich ist weiss eigentlich niemand, es besteht durchaus die möglichkeit das erdöl abiotisch ist, bewiesen ist weder das eine noch das andere.

  • Leed am 23.01.2016 20:45 Report Diesen Beitrag melden

    Verkehrte Kosten

    -Wir zahlen zu tiefe Preise für limitierte ressourcen -Wir zahlen hohe Preise für regenerierende Energie Nur logisch, dass Alternativen nicht gefördert werden. Fossile Brennstoffe sollten stärker besteuert werden. Die Einnahmen sollten zur förderung erneuerbarer Energien reserviert sein. Die Wirtschaft als Ausrede für das heutige Verhalten ist nur kurzsichtig gedacht. Wenn nach ein paar Jahren die erneurbaren Energien ausgereift sind, kommt die Energie kostenlos daher und es bleiben nur ein paar wenige Wartungskosten.

  • Erno Borz am 23.01.2016 20:44 Report Diesen Beitrag melden

    Hört nicht auf die Stars

    Wie so vieles was gross verkündet wird war wohl auch das Ende der Erdölreserven wohl mehr Wunschdenken als Wahrheit. Der einzige, der wirklich Bescheid weiss ist doch vermutlich Bono. Sean Penn kann ja ein Interview dazu machen.

  • mapenski am 23.01.2016 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Freudentag

    Ich warte sehnlichst auf den Tag X wo es kein Erdöl ergo kein Benzin, kein Plastik,kein Stau, kein Gestank, kein Lärm mehr geben wird. Das wird (m)ein Freudentag und jeder darf mitfeiern der will!!

    • Steven Reynard am 24.01.2016 10:30 Report Diesen Beitrag melden

      Mitfeiern

      Nachdem ich mir den Rest der Liste durchdachte kam ich zum Schluss, dass ich sie dann an ihrem Freudentag mit einer Keule verfolgen werde damit ich ein Mittagessen habe.

    • Dave am 24.01.2016 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @mapenski

      Jupi, keine Medizin, fast kein Strom mehr, keine Verbrauchsutensilien uvm.!

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