Holland

24. Oktober 2017 10:39; Akt: 24.10.2017 10:39 Print

Krähen sollen Zigaretten-Stummel einsammeln

Die Städte sollen sauberer werden – auch in den Niederlanden. Deshalb haben sich Ruben van der Vleuten und Bob Spikman etwas ganz Besonderes ausgedacht.

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Die Vorliebe von Krähen, sich über Hinterlassenschaften des Menschen herzumachen, brachte Ruben van der Vleuten und Bob Spikman von Crowded Cities auf eine Idee: Die Vögel könnten helfen, die Innenstädte sauberer zu machen. Dafür sollen die Krähen trainiert werden, Zigarettenstummel zu sammeln und in einen speziellen Behälter zu werfen. An dieser Apparatur ist eine Kamera installiert. Wann immer sie einen Zigarettenfilter im Schnabel des Vogels erkennt, spuckt der Behälter Futter aus. Van der Vleuten und Spikman sind derzeit noch mit der Entwicklung der einzelnen Komponenten beschäftigt. Bevor sie durchstarten können, muss zudem noch geklärt werden, ob das Sammeln und Transportieren der Stummel für die Krähen gesundheitsgefährdend ist. Doch es gibt noch weit mehr Gründe, Krähen nicht mit Ablehnung, sondern mit Bewunderung zu begegnen. Denn die dunklen Vögel haben einiges auf dem Kasten. So haben neuseeländische Forscher , dass die Rabenvögel verstehen, wie sie mit Steinen den Wasserspiegel in einem Glas erhöhen. Auf diese Weise schafften es die Vögel, an ein Korkstück mit Futter heranzukommen. Zudem können sich Krähen in andere hineinversetzen. So wissen sie unter anderem, dass ein Futterversteck nur dann sicher ist, wenn sie beim Verstecken nicht beobachtet werden. Ausserdem stellen sie sich beim Verstecken von Futter gewieft an. Wenn es darum geht, für den Winter Hunderte von Nüssen zu bunkern, können sie diese auch noch Monate später wiederfinden – sogar dann, wenn sie von Eis oder Schnee bedeckt sind. Krähen können spontan abstrakte Zusammenhänge erkennen. In Tests sollten die Tiere aus jeweils drei Karten, auf denen diverse Symbole abgebildet waren, die beiden zusammengehörigen auswählen – und lagen mit ihrer Entscheidung meist richtig, wie es im Journal <a href="http://www.cell.com/current-biology/abstract/S0960-9822%2814%2901557-7" target="_blank">«Current Biology»</a> heisst. Ein internationales Forscherteam zeigte, dass die cleveren Tiere auch in der Lage sind, . Demnach besitzen sie die Fähigkeit, zu überlegen, warum sich ein unbelebtes Objekt bewegt. Um Nüsse zu knacken, setzten Krähen auf fahrende Autos. Dafür werfen sie die Nüsse auf die Strasse und warten ab, bis diese darüber gefahren sind. In Japan gehen sie sogar so weit, dass sie die Nüsse vor Ampeln abwarfen, um den Inhalt bei der nächsten Rotphase gefahrlos aufsammeln zu können. Krähen sind auch äusserst begabte Handwerker, die aus Blättern, Dornen und Stöckchen immer wieder Werkzeuge basteln, mit deren Hilfe sie beispielsweise versteckte Leckereien aus Ritzen holen. Krähen sind lernfähig. In Japan wurden Exemplare beobachtet, deren Nester von Wasserwerfern zerstört worden waren und die ihre Neubauten anschliessend mit Kleiderbügeln aus Draht verstärkten. So wie Menschen Rechts- oder Linkshänder sind, haben auch Krähen eine «bessere Seite». Ob die Tiere Rechts- oder Linksschnäbler sind, hängt von ihrem Sehvermögen ab, wie herausfanden. Krähen besitzen ein sogenanntes Nidopallium, was der Grosshirnrinde bei Säugetieren entspricht, der Zone des Denkens. Das erlaubt es ihnen, sich selbst im Spiegel wiederzuerkennen – eine Fertigkeit, die sonst nur Delfine und Menschenaffen haben. Weil das Äussere wenig Möglichkeiten gibt, andere zu erkennen, greifen Vögel auf Stimme und Verhaltensweisen zurück. An Ersterem erkennen Krähen ihresgleichen, andere Tiere und auch Menschen, die sie sich vertraut gemacht haben – und das während mindestens fünf Jahren. Forscher der University of Washington haben gezeigt, dass Krähen in der Lage sind, sich . Und dieses Wissen um die Gefahr geben sie auch an ihre Nachkommen weiter. Die Rabenvögel kommunizieren nicht nur über Laute, sondern auch über Gesten, wie Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie 2014 berichteten. Dabei heben oder senken sie Schultern und Federn, öffnen ihre Flügel oder wedeln sogar mit dem Schwanz. Krähen können sich laut Forschern der Universität Strassburg bis zu fünf Minuten gedulden, wenn es darum geht, besseres Futter zu bekommen. So wundert es nicht, dass das hier abgebildete Exemplar ein Stück Brot erst einmal aufweicht, bevor es dieses frisst. In seinem Buch «Rabenschwarze Intelligenz. Was wir von Krähen lernen können» berichtet der Evolutionsbiologe Josef Reichholf von einem Raben, der sich ein Vergnügen daraus machte, seinen Hund mit diversen Täuschungsmanövern zum Narren zu halten.

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Dass Krähen Müll mögen, ahnt jeder, der schon einmal die von ihnen aufgerissenen Abfallsäcke gesehen hat. Zwei findige Niederländer wollen sich die Begeisterung der Tiere für menschliche Hinterlassenschaften nun zunutze machen.

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Falls der Plan von «Crowded Cities» aufgeht: Sollte es die Abfall sammelnden Krähen auch hier geben?

Die Idee von Ruben van der Vleuten und Bob Spikman: Die Tiere sollen helfen, die Innenstädte sauberer zu machen. Dies, indem sie Zigarettenstummel einsammeln und in den Müll bringen. Um den Plan in die Tat umzusetzen, haben die beiden Männer das Start-up Crowded Cities gegründet.

Fliegende Zigarettenstummel-Jäger

Van der Vleuten und Spikman setzen dabei auf die Intelligenz der Tiere, von denen bekannt ist, dass sie Zusammenhänge erkennen können und in der Lage sind, Werkzeuge einzusetzen, um ans Ziel zu gelangen (siehe Bildstrecke).

Für das Reinemachen in den Städten sollen die Krähen trainiert werden, Stummel zu sammeln und in einen speziellen Behälter zu werfen. An diesem ist eine Kamera installiert. Wann immer sie einen Zigarettenfilter im Schnabel des Vogels erkennt, spuckt der Behälter Futter aus.

Offene Fragen

Was im ersten Moment ziemlich irre klingt, ist durchaus ernst gemeint – und gar nicht mal so unrealistisch. Denn dass so etwas möglich ist, hat bereits das US-Start-up Crow Box gezeigt. Es bietet einen Kasten an, in den Krähen vom Boden aufgelesene Münzen im Tausch gegen Futter abliefern können.

Van der Vleuten und Spikman sind derzeit noch mit der Entwicklung der einzelnen Komponenten beschäftigt. Bevor sie durchstarten können, muss zudem noch geklärt werden, ob das Sammeln und Transportieren der Stummel für die Krähen gesundheitsgefährdend ist.

(fee)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marie B. am 24.10.2017 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Attacke auf Raucher folgt ;)

    Lustig wäre es ja, sobald die erste Krähe einer rauchenden Person bereits den Filter wegschnappen würde. Der Aufschrei wäre dann wohl gross und eine Umkehr schlecht möglich, da Krähen kaum was vergessen ;)

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  • Trudy Ehrlich am 24.10.2017 11:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verursacherprinzip?

    Warum nicht nach dem Verursacherprinzip?Die Raucher welche meinen der Zigi-Abfall wäre nicht so schlimm, dürfen sich gerne im einsammeln üben,warum nicht so?

  • Der Ironiker am 24.10.2017 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Banknoten einsammeln

    Kann man so eine Krähe auch auf Banknoten dressieren? Das wäre eine neue Geschäftsidee. Ich werde gleich ein CrowFunding erstellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Klärer am 29.10.2017 08:28 Report Diesen Beitrag melden

    Aber chli plötzli

    Nur noch biologisch abbaubare filter (zb.zellulose) erlauben, dasselbe bei produktverpackungen. Dazu zuerst die öl-und chemoindustrie aus den parlamenten/palästen wählen/werfen, dann die meere säubern. Allez hop

  • S.Müller am 25.10.2017 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht zufassen!

    Ist ja nicht zufassen. Sowas ist doch absurt. Warum müssen Tiere den Dreck von den Menschen übernehmen? Also nur um Geld zusparen? Um himmelswillen. Wo sind wir schon abgekommen? Sowas geht ja gar nicht!!!

  • Noelle Robert am 25.10.2017 20:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wie bitte?

    sind wir schon soweit, Tiere zu missbrauchen unseren Abfall zu entsorgen?

    • Tierfreund am 25.10.2017 23:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Noelle Robert

      Die Tiere werden für vieeeel schlimmeres missbraucht. Hier entsteht eine Winwin-Situation, die Krähe bekommt ein Leckerli. Sie macht es freiwillig im Gegensatz zu Massentierhaltung, Tierversuchen und reinen Tierquälern.

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  • Nico am 25.10.2017 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krähen und Nikotin?

    Ich wüsste gerne wie sich das mit den Krähen und den in den Stummeln vorhandenen Schadstoffen verhält. Werden sie nicht vielleicht abhängig vom Nikotin? Wenn ja, attackieren sie Menschen die Zigaretten im Mund haben. Anstatt die Krähen dafür zu dressieren sollte man die Menschen, die die Zigarettenstummel auf den Boden schmeissen dafür strafen oder die Stummel beseitigen lassen!

  • P.Burri am 25.10.2017 17:23 Report Diesen Beitrag melden

    Material von Zigi-Filtern

    Es sollte doch mittlerwiese möglich sein Zigrettenfilter aus einem Material herzustellen welches sich nach einem Regenschauer auflöst... ohne dieUmwelt zu schädigen.

    • Malsogehört Machtabersinn am 27.10.2017 19:55 Report Diesen Beitrag melden

      Schadstoffe aus den Filtern sind das Problem!

      Wäre eventuell schon möglich. Aber einerseits vielleicht ökonomisch einfach uninteressant und andererseits wäre das eigentliche Hauptproblem von diesen Stümmeln - nämlich dass die herausgefilterten Schadstoffe in die Natur gelangen und somit das Grundwasser verschmutzen/vergiften - trotzdem nicht gelöst.

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