Great Barrier Reef

07. November 2012 16:27; Akt: 07.11.2012 16:27 Print

Schon erste Siedler liessen Korallenriff schwinden

Erst kurz vor dem Jahrtausendwechsel wurde die Zerstörung des australischen Great Barrier Reef ein Medienthema. Tatsächlich begann sie aber bereits mit den europäischen Siedlern im 19. Jahrhundert.

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Grösstes Korallenriff der Welt in Gefahr: Im Verlauf von 27 Jahren hat sich der Korallenbestand im 2300 Kilometer langen Barrier Reef halbiert, wie eine Langzeitstudie des Australischen Instituts für Meereskunde belegt. Ursachen des Rückgangs: Ein Grossteil der Zerstörungen rührt von schweren Stürme (48 Prozent) und Befall mit Dornenkronen-Seesternen (42 Prozent) her. Nicht hausgemachte Schäden: Infolge der globalen Erwärmung war das Great Barrier Reef in den Jahren 1998 und 2002 stark vom Massenkorallenbleichen betroffen. Im Jahr 2002 waren 60 bis 95 Prozent des Riffs geschädigt. Einzigartiges Ökosystem: Das Great Barrier Reef ist die grösste von Lebewesen geschaffene Struktur der Erde. Beeindruckende Dimensionen: Die Fläche des Great Barrier Reef beträgt etwa Quadratkilometer. Grosse Vielfalt: Im Great Barrier finden sich 359 Steinkorallenarten, 80 Arten von Weichkorallen und Seefedern. Heimat Millionen von Lebewesen: Über 1500 Fischarten, 1500 Schwammarten, 4000 Arten von Weichtieren, 800 Arten von Stachelhäutern wie zum Beispiel Seesternen sowie 500 verschiedene Arten von Seetang leben im Riff. Sechs von insgesamt sieben weltweit vorkommenden Arten von Meeresschildkröten leben vor der australischen Küste. Darunter sind auch die vom Aussterben bedrohten unechten Karettschildkröten und die pazifischen Suppenschildkröten, die das Riff zur Eiablage nutzen. Inselhüter gesucht: 2009 vergab Australien befristet einen Job als Pfleger das Great Barrier Reef, nicht zuletzt um auf die Problematiken aufmerksam zu machen.

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Alarmierende Berichte über den Zustand des Great Barrier Reef häufen sich. So meldeten Wissenschaftler Ende Oktober 2012, die Hälfte der Korallen dieses grössten Korallenriffs der Erde sei bereits verschwunden. Doch der Korallenschwund begann viel früher als bisher angenommen: mit der Ankunft der europäischen Siedler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Das berichten Forscher um George Roff von der australischen Universität von Queensland. Infolge der Landwirtschaft seien über die Zuflüsse mehr Sedimente und Nährstoffe ins Meer gelangt, schreiben die Wissenschaftler in den «Proceedings B» der britischen Royal Society.

Dies habe die Korallen geschädigt und sie anfälliger für Stürme und andere schädliche Umwelteinflüsse gemacht. Die Siedler hatten sich um 1870 an der Küste des australischen Queensland niedergelassen.

Tausendjähriges «Korallenarchiv»

Roff und seine Kollegen begutachteten an einigen Stellen die küstennahen Riffe um Pelorus Island und entnahmen dort Proben. Die Insel befindet sich im Zentrum des Great Barrier Reef und in der Nähe des australischen Festlands.

Die Forscher bestimmten die Artenzusammensetzung sowie das Alter der abgestorbenen und der noch lebenden Korallen. Das «Korallenarchiv» reichte bis ins 3. Jahrhundert zurück.

Die Auswertung zeigte, das die Riffe bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem von Steinkorallen der Gattung Acropora aufgebaut wurden. An den abgestorbenen Korallen zeigte sich, dass sie früher dick und stark verzweigt waren.

Die jüngeren und noch lebenden Exemplare waren dünner und weniger verzweigt, so wie es für die frühen Entwicklungsstadien nach einer Störung am Riff typisch ist. Insgesamt waren die Acropora-Korallen jedoch seltener geworden und andere Arten wuchsen am Riff, wie die Forscher schreiben.

Düngemittel als Stressfaktor

Die Analyse zeigte weiter, dass ein Grossteil der Acropora-Korallen zwischen 1920 und 1955 abgestorben war. Im gleichen Zeitraum habe es eine Reihe von Temperaturanomalien und einige starke Tropenstürme gegeben.

Die Forscher glauben, dass der vermehrte Eintrag von Nährstoffen, Sedimenten und auch von Düngemitteln aus Landwirtschaft und Viehhaltung wie ein chronischer Stressfaktor gewirkt und die Korallen geschwächt habe. Eine Erholung von Fluten oder Sturmschäden sei dann nicht wie sonst möglich gewesen.

Schon vor der schweren Korallenbleiche 1998 und 2002 und vor Beginn des kontinuierlichen Monitorings der Riffe seit den 1980er Jahren hätten sich diese erheblich verändert, folgern die Forscher. Dies müsse berücksichtigt werden, wenn heute Veränderungen der Riffe oder die Entwicklung der Korallen untersucht werden.

Video: Australien - Great Barrier Reef / Part 1

(Quelle: Youtube/DokuWeltweit)

Australien - Great Barrier Reef / Part 2

(Quelle: Youtube/DokuWeltweit)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NL am 08.11.2012 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übrigens

    Bild Nummer 6 zeigt übrigens die King Crowns, welche Weltweit die Korallenriffe bedrohen! Soviel zur Bildunterschrift und der Artenvielfalt...

  • El Homo am 07.11.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch und Natur?

    Scheint nicht zu funktionieren! Das streben nach mehr lässt Natur und Seele schwinden. Prozesse werden optimiert, die Margen angepasst, der Profit gesteigert und alles damit die Illusion des einzelnen zum Reichtum weniger führt.

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  • baba am 08.11.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Korallen sehr heikel

    Jeder der Abfall ins Meer/Fluss oder Strasse wirft (Wind weht ihn ins Wasser) und jeder der beim Baden oder Tauchen an auf die Korellenriffe steht oder drankommt ist an der Zerstörung mitbeteiligt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • baba am 08.11.2012 08:19 Report Diesen Beitrag melden

    Korallen sehr heikel

    Jeder der Abfall ins Meer/Fluss oder Strasse wirft (Wind weht ihn ins Wasser) und jeder der beim Baden oder Tauchen an auf die Korellenriffe steht oder drankommt ist an der Zerstörung mitbeteiligt.

  • NL am 08.11.2012 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Übrigens

    Bild Nummer 6 zeigt übrigens die King Crowns, welche Weltweit die Korallenriffe bedrohen! Soviel zur Bildunterschrift und der Artenvielfalt...

  • El Homo am 07.11.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch und Natur?

    Scheint nicht zu funktionieren! Das streben nach mehr lässt Natur und Seele schwinden. Prozesse werden optimiert, die Margen angepasst, der Profit gesteigert und alles damit die Illusion des einzelnen zum Reichtum weniger führt.

    • iceage am 07.11.2012 18:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      eiszeit

      wenn das so weitergeht, kann ich nur hoffen, dass eine eiszeit irgendwann der natur zeit gibt um zu erholen

    • Mona Depieldi am 07.11.2012 20:11 Report Diesen Beitrag melden

      Lauter Fragen

      Braucht die Erde das Korallenrif ? Braucht die Erde den Menschen ? Was braucht die Erde ? Oder was will die Erde ? Diese Frage ist genauso wenig geklärt. Oder ist der Auftrag des Menschen, alles auf der Erde zu verändern ? Vielleicht verändert sich alles sowieso, mit oder ohne des Menschen.

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