Meeres-Grufti

12. August 2016 12:32; Akt: 12.08.2016 13:00 Print

400 Jahre alter Hai entdeckt – und er lebt

Er war bereits ein Zeitgenosse Galileo Galileis: Bei der Altersbestimmung von Grönlandhaien stiessen die Forscher auf ein fast 400 Jahre altes Exemplar.

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Der Grönlandhai oder Eishai (Somniosus microcephalus) lebt im Nordatlantik und im Nordpolarmeer und erreicht eine Grösse von weit über fünf Metern. Da er sehr langsam wächst – vermutlich nur etwa einen Zentimeter pro Jahr –, glaubten Forscher schon lange, dass er sehr alt werden kann.

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Eine konventionelle Altersbestimmung dieser Knorpelfische sei wegen ihres Mangels an verkalktem Gewebe nicht möglich, schreibt eine internationale Forschergruppe um Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen in der Fachzeitschrift «Science». Sie datierten das Alter stattdessen per Radiokarbonmethode anhand von Proteinen in der Augenlinse, die schon im Mutterleib gebildet werden.

Die Forscher untersuchten insgesamt 28 weibliche Haie, die bei mehreren Expeditionen gefangen worden waren. Die Tiere massen zwischen 80 Zentimetern und gut fünf Metern. Ihr durchschnittliches Alter betrug der Messung zufolge 272 Jahre. Das grösste untersuchte Exemplar war etwa 392 Jahre alt, bei einer Messunsicherheit von 120 Jahren.

Vor 392 Jahren drehte sich für viele Menschen die Sonne noch um die Erde: Es war die Zeit, als der Italiener Galileo Galilei dafür eingekerkert wurde, dass er dieses Weltbild angezweifelt hatte.

Rekordhalter Islandmuschel

Ein hohes Alter erreicht unter den Wirbeltieren auch der Grönlandwal, der älter als 200 Jahre werden kann. Die Langlebigkeit des Grönlandhais werde aber von der – auch in der Ostsee vorkommenden – Islandmuschel (Arctica islandica) noch übertroffen, schreiben die Autoren. Diese könne sogar über 500 Jahre alt werden.

Nach aktuellen Forschungen werden Grönlandhaie ab einer Länge von vier Metern geschlechtsreif. Mit der nun vorliegenden Altersbestimmung würde das bedeuten, dass die Tiere erst 150 Jahre alt werden müssen, ehe sie sich fortpflanzen können.

Überraschte Forscher

«Es war zu erwarten, dass Grönlandhaie langlebig sind», sagt Jürgen Kriwet vom Institut für Paläontologie der Universität Wien, der nicht an der Studie beteiligt war. «Aber dass sie so alt werden, ist doch überraschend. Nun wäre interessant zu ergründen, warum diese Haie so lange leben.»

Langlebigkeit werde oft mit Körpergrösse in Verbindung gesetzt. «Aber Grönlandhaie sind nicht die grössten Haie, und auch nicht die einzigen, die in so kalten Gewässern leben», so Kriwet. Ihre erstaunliche Langlebigkeit müsse also eine andere Ursache haben.

Potenziell gefährdet

Auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) wird der Grönlandhai als «potenziell gefährdet» eingestuft. Die neuen Ergebnisse unterstreichen, so Nielsen und seine Kollegen, dass der Hai vorsorglichen Schutzes bedürfe.

Denn Grönlandhaie sind ein häufiger Beifang der Fischerei nach Grundfischen und geraten durch deren kommerzielle Nutzung unter Druck. Dem pflichtet Kriwet bei: «Besonders ihre späte Geschlechtsreife macht die Grönlandhaie sehr anfällig.»

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Eidgenosse 1977 am 12.08.2016 12:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Faszinierend!!!!

    Unglaublich, was in unseren Ozeanen alles lebt, von dem wir nichts wissen. Ein Grund mehr, diese faszinierenden Tiere zu schützen, da jedes Jahr unverständlicherweise Millionen dieser Tiere sinnlos abgeschlachtet werden. Haie sind für das Oekosystem unentbehrlich, nur haben das ein paar Länder noch nicht verstanden.

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  • whyww am 12.08.2016 12:49 Report Diesen Beitrag melden

    sad...

    Krass, irgendwann wird es solch schönes Wesen (könnte Weinen) evtl. nicht mehr geben, da es WIR Menschen zerstören. Echt traurig

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  • BeSoHeat am 12.08.2016 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gespannt

    Werden immer wie mehr spannende Dinge an das Tageslicht kommen. Ich meinte, dass etwa 80% der Ozeane noch gar nicht erforscht sind.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudius am 13.08.2016 16:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... "Kind bleib' keusch..."

    bei einem Grossteil der Menschen wäre es nicht verkehrt, wenn sie erst mit 150 Jahren geschlechtsreif würden. So hätte das Gehirn doch etwas mehr Zeit sich zu entwickeln

  • Zeus am 13.08.2016 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schande

    Heute kann ja kein tierisches Lebewesen mehr alt werden. Es wird ja allem radikal nachgestellt und wenn es nicht zu verkaufen ist kommt es auf den Müll

  • Jane38 am 13.08.2016 09:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    seufz

    und nun werden wohl wieder tausende taucher sich aufmachen um diese haie zu "erleben" und somit stress für die tiere bringen. wir sollten lernen mit den tieren zu leben und sie zu respektieren ehe es keine mehr gibt. das heisst no whale watching oder tauchen mit haien

  • rene w am 12.08.2016 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    erstaunlich

    Erstaunlich dass der nach 400 Jahren immer noch seine Geburtsurkunde dabei hatte.

  • Sami am 12.08.2016 19:01 Report Diesen Beitrag melden

    Genial

    Was für schöne und majestätische Tiere. Leider wird der Mensch sie wohl auch zerstören und ausrotten, wie alles, was er anfasst.