Tödlicher Feind

20. April 2017 21:47; Akt: 20.04.2017 21:47 Print

Asien-Pilz rafft Salamander dahin

Ein eingeschleppter Pilz bedroht die Salamander in Europa. Sind die Amphibien einmal erkrankt, sterben sie innerhalb kürzester Zeit.

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Die Situation sei alarmierend, schreibt die Universität Zürich in einer Mitteilung. In den Niederlanden, in Belgien und Deutschland habe der invasive Pilz Batrachochytrium salamandrivorans oder «Salamanderfresser» zu einem Massensterben der Feuersalamander geführt. Nur kleine Bestände der schwarz-gelben Amphibie hätten überlebt.

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Der aggressive Pilz ist vermutlich über den Handel mit Amphibien nach Europa gelangt. Er befällt die Haut der Tiere. Dabei bilden sich Hautnekrosen, die unweigerlich zum Tod der Salamander führen.

Innert Tagen tot

Laut dem Forschungsgruppenleiter am Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften der Universität Zürich, Benedikt Schmidt, ist die Sterberate «extrem hoch». «Unsere Fang-Wiederfang-Daten zeigen, dass nur 13 Prozent der erkrankten Salamander einen 10-Tage-Intervall überleben.»

Zudem habe sich im gleichen Zeitraum ein Drittel der gesunden Salamander mit der Pilzkrankheit angesteckt. An Martel, Leiterin der Studie und Professorin an der Universität Gent (Belgien), überrascht es deshalb nicht, dass eine befallene Population innert weniger Wochen um mehr als 90 Prozent geschrumpft und dann eingegangen ist.

In der Schweiz noch nicht nachgewiesen

In der Schweiz wurde der aggressive Pilz aus Asien bisher nicht nachgewiesen. Es müsse alles daran gesetzt werden, dass dies so bleibe und sich die Krankheit nicht weiter ausbreite, mahnt der Biologe Benedikt Schmidt. «Denn ist der Salamanderfresser einmal da, machen ihn seine epidemiologischen Eigenschaften zum tödlichen Feind.»

Infektionsexperimente zeigten, dass Salamander keine Resistenz gegen den Krankheitserreger aufbauen können. Zudem reiche bereits der Kontakt mit wenigen Pilzsporen für eine Ansteckung. Der Pilz verfüge ausserdem über resistente Sporen, die witterungsbeständig seien und lange in der Umwelt überdauern könnten.

Weniger empfindlich auf den Pilz reagiert laut Schmidt der Bergmolch. Dafür bestehe eine andere Gefahr: Robustere Arten könnten als Reservoire wirken. So bleibe der Pilz erhalten, auch wenn empfindlichere Tiere wie der Feuersalamander schon lange weggestorben seien.

Importverbot seit 2015

All diese Faktoren machten es fast unmöglich, eine Salamander-Population im natürlichen Umfeld zu retten, wenn sie einmal befallen ist. Auch eine Wiederansiedlung sei wenig erfolgversprechend, weil die Sporen lange in der Natur überleben könnten.

Exotische Salamander und Molche werden laut Schmidt oft als Haustiere gehalten und in grosser Zahl eingeführt. Die Schweiz hat deshalb 2015 präventiv den Import von Salamandern und Molchen verboten. Laut Schmidt ist dies im Falle von invasiven Krankheiten eine «unumgängliche Massnahme».

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Maria Blumer am 20.04.2017 22:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bürger erwacht

    Auch unsere Fauna wird von Einwanderern erfasst. Auch hier schweigt der Bundesrat.

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  • mark am 20.04.2017 22:42 Report Diesen Beitrag melden

    "Billiger ist geiler Konsument"

    Die Marktwirtschaft soll ja frei sein! Letztlich ist es nicht der Bundesrat der im Ausland bestellt, sondern der "immer billiger ist geiler" Konsument Ach ja, und schon bald könnt ihr mit den Enkelkinder welche bei Zalando eine Verpackungslehre absolvieren in den Zoo, arterhaltene Tiere bestaunen.

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  • Andy Müller am 21.04.2017 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht nur der Pilz

    Ich züchte seit einigen jahren erfolreich, Feuersalanander. Es ist nicht nur der bd/bda Pilz. In der Schweiz verschwindet der putzige Salamander auch wegen der rodung der Laubbäume und die folgende bepflanzung mit Nadelbäumen. Schlimmer noch im schwarzwasser in Freiburg gab es eine Kolonie ca. 25-30 Tieren. Sogar wenige Orange gab es. Nun sind alle weg.. ev sogar tot. Weil man dort den Wasserfall im Sandstein mit x kleinen Höhlen dem Erboden gleich gemacht hat. Zudem den kleinen Tümpel mit gefählten Bäumen auch dem Erboden gleich gemacht hat. Wasserfall und tümpel gab es seit meiner Kindheit.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rroklaro7 am 21.04.2017 13:42 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar sofort genügend einsammeln,

    und ab in die grossen Zoos, und wenn die Erkrankung vorüber ist, wieder aussetzen. Geht doch

  • John Kipkoech am 21.04.2017 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kalter Kaffee

    Die Geschichte ist kalter Kaffee. Man kennt dieses Problem schon seit mehr als 6 Jahren.

  • M.G. am 21.04.2017 10:53 Report Diesen Beitrag melden

    Man musste sich mit Exoten schmücken

    damit konnte man angeben. Genauso war es einmal schick einen Riesenbärenklau als Zierpflanze im Garten zu haben. Jetzt werden wie diese unsere Umwelt schädigenden Exoten nicht mehr los. Ein weiteres Beispiel sind Nilgänse, sie wurden als Ziervögel ausgesetzt weil so aussergewöhnlich aussehen. Bloss sind diese Vögel extrem aggressiv gegenüber heimischen Wasservögeln und vertreiben diese aus den Brutgebieten. In Deutschland hat der Vogel eine jährliche Zuwachsrate von 10% und sich bis zur Schweizer Grenze verbreitet. Es dauert nicht mehr lang bis die Vögel das Hochrhein-und Aaretal besetzen.

  • Andy Müller am 21.04.2017 08:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nicht nur der Pilz

    Ich züchte seit einigen jahren erfolreich, Feuersalanander. Es ist nicht nur der bd/bda Pilz. In der Schweiz verschwindet der putzige Salamander auch wegen der rodung der Laubbäume und die folgende bepflanzung mit Nadelbäumen. Schlimmer noch im schwarzwasser in Freiburg gab es eine Kolonie ca. 25-30 Tieren. Sogar wenige Orange gab es. Nun sind alle weg.. ev sogar tot. Weil man dort den Wasserfall im Sandstein mit x kleinen Höhlen dem Erboden gleich gemacht hat. Zudem den kleinen Tümpel mit gefählten Bäumen auch dem Erboden gleich gemacht hat. Wasserfall und tümpel gab es seit meiner Kindheit.

    • Jürg am 21.04.2017 11:33 Report Diesen Beitrag melden

      Im Keller

      Mein Mutter hat mir soeben berichtet das sie 4 stück im Keller/Hölle hat. Die sind schon immer da gewesen und das ist schön so. Grüsse

    • rbuechch am 21.04.2017 13:46 Report Diesen Beitrag melden

      genau wie Hirschkäfer

      wären sehr nützlich, beginne die zu züchten und wieder auszusetzen. Sie brauchen alte modrige Bäume zum überleben, aber die werden in unseren Gegenden sofort wieder gefällt, wegen Borkenkäfer. Also bei uns geht ja einiges schief.

    • setino am 21.04.2017 19:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Andy Müller

      Ich habe noch nie einen in freier Wildbahn gesehen. Können Sie mir einen Tipp geben wo ich diese bezaubernden Tiere beobachten könnte?

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  • SumoSulsi am 21.04.2017 06:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich denke

    Naja, der Import des Pilzes wird kaum ein Problem darstellen. Eher das illegale freilassen der Tiere wenn man keinen Bock mehr hat...