Weltraumforschung

21. September 2011 09:21; Akt: 21.09.2011 14:31 Print

Auf der Suche nach dem Ausserirdischen

von Felix Burch - Astrophysiker Willy Benz forscht mit seinem Team nach Leben im All. Ein Besuch in den Hightechlabors der Universität Bern.

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Am Ende eines dunklen Ganges im Untergeschoss des physikalischen Instituts Bern stehen Männer in einem Labor vor futuristischen Maschinen. Thermalvakuumkammern und eine Kometenanlage füllen den Raum. Überall Rohre, Kabel, Computer – ungemein viel feine Technik. Zuhinterst in einer engen Kammer vibriert ein winziges Teil auf einem mächtigen Simulator (siehe Bildstrecke).

Umfrage
Sind wir alleine oder gibt es ausserirdisches Leben?
93 %
7 %
Insgesamt 778 Teilnehmer

Astrophysiker Willy Benz beobachtet, wie sich das Versuchsobjekt wellenförmig biegt und fast zu bersten scheint. «Mit diesem Simulator können wir Raketenstarts nachahmen», sagt Benz. Jedes Teilchen, das mit einer Rakete ins All geschickt werde, müsse diesen Test bestehen. «Ist eines unserer Instrumente unterwegs ins All, können wir nichts mehr tun, es nicht mehr reparieren. Deshalb müssen sämtliche Materialien und Instrumente ultraharte Tests durchlaufen.» Es sei auch schon vorgekommen, dass sich bei Tests Schrauben aus Instrumenten lösten, an denen Forscher jahrelang gearbeitet hatten. «In solchen Fällen fliessen auch mal Tränen».

Auf der Suche nach ausserirdischem Leben

Insgesamt arbeiten 90 Personen in der Abteilung für Weltraumforschung des Physikalischen Instituts, in dem auch das am 1. Juli 2011 eröffnete Zentrum für Space und Habitability angesiedelt ist (siehe Box). Willy Benz ist der Geschäftsführende Direktor des Instituts und Präsident des wissenschaftlichen Ausschusses des Zentrums. Die Mitarbeiter sind vereinfacht gesagt alle auf der Suche nach Ausserirdischem. Dabei beschäftigen sie drei zentrale Fragen: Gibt es unter den Planeten einige, die sich für Leben eignen? Welche Bedingungen sind für die Entstehung von Leben nötig? Wie kann Leben überleben?

Antworten suchen Benz und seine Leute nicht nur im Sonnensystem, sie interessieren sich auch für sogenannte Exoplaneten. Exoplaneten sind viel weiter entfernt von der Erde und kreisen um ferne Sterne. Erst im Jahre 1995 entdeckte Michel Mayor von der Universität Genf – Benz doktorierte bei ihm – den ersten Exoplaneten. «Aktuell wissen wir von ungefähr 600 Exoplaneten, es gibt aber noch Tausende mehr. Unser Sonnensystem ist nur eines von sehr vielen», erklärt der Professor.

Antwort in 32 Jahren

Auf der Suche nach ausserirdischem Leben kommen nur Planeten in Frage, die der Erde in Sachen Grösse und Masse ähnlich sind. Im Sonnensystem kämen so nur Mars oder Venus und vielleicht ein oder zwei Monde von Jupiter in Frage. Exoplaneten dieser Grösse sind noch keine bekannt. «Um solche zu entdecken und zu studieren, brauchen wir zuerst entsprechende Instrumente.» Diese sehr komplizierten Geräte (z.B. Teleskope auf Satelliten) werden aktuell an der Uni Bern entwickelt. «Mit viel Glück werden wir innerhalb von zehn Jahren erdähnliche Exoplaneten nahe genug bei der Sonne nachweisen und sie damit nach Leben absuchen können. Die Menschheit werde aber nie ein Bild von Leben auf solchen Planeten haben, die Entfernung sei schlicht zu gross. «Wir wissen, dass Leben die Atmosphäre verändert und diese Veränderung kann man sehen, nicht aber die Lebewesen selber.»

Gespräche mit Ausserirdischen seien so gut wie unmöglich. «Nehmen wir mal an, wir fänden solche auf einem Exoplanenten, der 16 Lichtjahre entfernt ist (das ist die Distanz zum heute nächst bekannten Exoplanten) und begrüssten diese mit ‹Hallo›. Es würde, falls sie sofort antworteten, 32 Jahre dauern, bis wir ihr ‹Hallo› hören könnten. Kommunikation mit Ausserirdischen ist also sehr schwierig und nicht wirklich aufregend.»

Der schlafende Satellit

Selbstverständlich wird am Zentrum für Space und Habitability auch innerhalb des Sonnensystems geforscht. Hierfür arbeitet die Uni Bern mit der ESA, der NASA und den Russen zusammen. So ist aktuell beispielsweise der von Bern entwickelte Satellit Rosetta zu einem Kometen unterwegs. «Seit 2004 ist er auf der Fahrt, 2014 wird er den Kometen erreichen», sagt Benz. Rosetta flog ein paar Mal um die Erde, um den Mars und vorbei an zwei Meteoriten. Der Satellit lieferte bereits wichtige Daten. «Jetzt schläft Rosetta und fliegt bis 2014 Richtung Komet; wir hoffen, dass sie dann erwacht», so Benz schmunzelnd in seinem charmanten Westschweizer Akzent.

Ein zweites wichtiges Projekt ist HiRISE. Die Kamera an Bord der NASA-Raumsonde Mars Reconnaissance Orbiter lieferte unter anderem Bilder von dunklen Fliessspuren auf dem Mars, die auf fliessendes Wasser hindeuten. Die Forscher glauben, es handle sich um Salzwasser.

«...dann wissen wir auch, woher wir kommen»

Für Benz sind solche Erkenntnisse ebenso wichtig wie die Jagd nach ausserirdischem Leben. Denn: «Ich will nicht nur entdecken, sondern die Entdeckungen verstehen.» Und dazu müsse er das «Gesamte» begreifen. Das ist ein Grund, warum Benz, der verheiratet und Vater von drei Töchtern ist, die Weltraumforschung so liebt. Der andere ist, dass der Job einen ständigen Nervenkitzel und permanenten Stress bedeute. «Als ich zum Beispiel beim Start einer Ariane mit dabei war, die Kraft der Rakete spürte und daran dachte, dass Instrumente an der Spitze der Maschine dies und noch viel mehr aushalten müssen, war das sehr aufregend.» Weltraumforschung sei schlicht furchtbar spannend.

«Wir haben das Privileg, uns mit grundlegenden Fragen befassen zu dürfen», sagt Benz. «Wenn wir mehr über die Entstehung, Entwicklung und das Überleben von Leben wissen, erfahren wir auch mehr über uns.» Und so komme man den Fragen, woher wir kommen und warum wir hier sind, näher. «Dass ich in einer Zeit lebe, in der wir dank modernster Technologie in der Lage sind, uns Antworten auf solche Fragen anzunähern und die Möglichkeit haben, hier mitzumachen, ist doch einfach phantastisch», gibt Benz zu Protokoll und verabschiedet sich. Es stehen weitere Termine an, in seinem Büro wartet noch viel Arbeit. Irgendwann wird er nach Neuenburg fahren, wo er wohnt. Wahrscheinlich setzt er sich dort spät am Abend noch einmal an einen Bürotisch, um zu forschen. Denn: «Zuhause geht das am besten, nur dort habe ich wirklich Ruhe.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Manuel am 21.09.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Die Beweise sind da!

    Ich bin genau der gleichen Meinung wie Erold Isis. Beweise sind genügend vorhanden. Und man kann sie auch sehen. Nur wurden wir von den Medien und der Politik Blind gemacht! Leider ist es so, dass die Menschheit, die Mehrheit auf jeden Fall, einfach zu naiv ist um so etwas zu verstehen oder zu sehen. Man kann auch sagen zu engstirnig. "Wir" sind noch lange nich bereit dazu um mit einer anderen Spezies klar zu kommen. Unser Land ist das beste Beispiel. Wir schaffen es nicht einmal unseren Nachbarn klar zu kommen, also geschweige denn mit Aliens.

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  • alien am 21.09.2011 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja es gibt sie

    es muss sie geben!

  • Hans Maulwurf am 22.09.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Astronomie könnte unsere Zukunft sein...

    Ein hoch auf die Astronomie!!!! Zum Glück gilt die Astrologie heute nicht mehr als anerkannte Wisschenschaft.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hans Maulwurf am 22.09.2011 11:54 Report Diesen Beitrag melden

    Astronomie könnte unsere Zukunft sein...

    Ein hoch auf die Astronomie!!!! Zum Glück gilt die Astrologie heute nicht mehr als anerkannte Wisschenschaft.....

  • Manuel am 21.09.2011 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Die Beweise sind da!

    Ich bin genau der gleichen Meinung wie Erold Isis. Beweise sind genügend vorhanden. Und man kann sie auch sehen. Nur wurden wir von den Medien und der Politik Blind gemacht! Leider ist es so, dass die Menschheit, die Mehrheit auf jeden Fall, einfach zu naiv ist um so etwas zu verstehen oder zu sehen. Man kann auch sagen zu engstirnig. "Wir" sind noch lange nich bereit dazu um mit einer anderen Spezies klar zu kommen. Unser Land ist das beste Beispiel. Wir schaffen es nicht einmal unseren Nachbarn klar zu kommen, also geschweige denn mit Aliens.

    • Alfred Bührer am 22.09.2011 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      @Manuel, bleiben wir auf dem Boden...

      Dann nenne mir bitte die Beweise!!! Oder sind jetzt alle Wissenschaflter, wie hier der Astrophysiker Willy Benz Idioten, weil sie nach Beweisen suchen? Es gibt keine stichhaltigen Beweise, nur Vermutungen. Und das die Politik und Medien unter einer Decke stecken grenzt schon an Verschwörungstheorien. Theorien aufstellen und unsere Fantasie beflügeln finde ich richtig. Dennoch brauchen wir Beweise, sonst könnte ja jeder alles sagen. Wir haben die Aufklärung(18 jh.) aus genau solchen Gründen herbeigerufen, um uns von irgendwelchen Hokuspokus zu distanzieren und sachlich unsere Welt zu erfoschen.

    • Peter Richter am 22.09.2011 11:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Manuel

      Für den Fall, dass sich Aliens bei uns melden, lasst bitte bitte ja nicht die SVP mit ihnen reden, das könnte böse enden....

    • empty()set am 22.09.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

      @Alfred Bührer

      Danke!

    • 1ab2 am 22.09.2011 20:26 Report Diesen Beitrag melden

      @Alfred Bührer

      Beweise Beweise... ach ihr so klugen Menschen... wollt alles serviert bekommen. Lies dich mal in alte Schriften ein (z.B!) die alt vedischen Schriften Indien's. Oder den Hesekiel in der Bibel. Oder hast du dich schon mal ersnsthaft mit den Bauten Lies dich mal in alte Schriften ein (z.B!) die alt vedischen Schriften Indien's. Oder den Hesekiel in der Bibel. Oder hast du dich schon mal ersnsthaft mit den Bauten Agypten's beschäftigt? Hingegen ein Beweis Video in HD mit Dir und und einer Horde Ausserirdischen mit denen du im Cockpit ein Bier trinkst - so etwas kann ich dir leider nicht bieten.

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  • alien am 21.09.2011 21:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ja es gibt sie

    es muss sie geben!

  • HairGott am 21.09.2011 18:37 Report Diesen Beitrag melden

    Sollten wir mit der Suche

    nach Ausserirdischen nicht vorsichtig sein. Ureinwohner dieser Erde waren stets gastfreundlich mit den Fremden gewesen. Die Fremden entpuppten sich stets als Eroberer und unterdrückten schliesslich das Volk. Wenn das Volk nicht ermordet wurde, dann wurde es in Reservate gesteckt. Erinnern wir uns nur an die Völker in Afrika, Australien und Amerika.

    • Peter Bichsler am 21.09.2011 21:59 Report Diesen Beitrag melden

      @HairGott

      Ich glaube wir würden das gleiche tun, wenn wir einen Planeten mit primitiven Aliens finden. Profitgeile gewissenlose Firmen würden die armen mit Feuerwasser abfüllen und ihnen ihre Grundstücke für irgendwelchen 'zauber'-ramsch(spiegel, handy) abknüpfen und ausbeuten. Ganz zu schweigen von den Missionaren.... Hochentwickelte Aliens hätten bestimmt noch viel perfidere Methoden uns auszunehmen....;)

    • empty()set am 22.09.2011 11:19 Report Diesen Beitrag melden

      Anmerkung

      Bei der Ankunft in Südamerika waren es nicht die Europäer, welche die Ureinwohner in grossem massstab ausgerottet haben, sondern die Krankheiten, die sie eingeschleppt haben. Dies könnte auch uns wiederfahren - vorausgesetzt, dass ausserirdisches Leben unserem Leben ähnlich genug ist, dass wir einander Krankheiten übertragen können, aber dann müssten sich auch die Aliens fürchten. :-)

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  • Peter Steiner am 21.09.2011 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    Frage an euch:

    Wenn Ihr eine intelligente technologisch (und sozial?) hochentwickelte Ausserirdische Spezies wärt, würdet ihr mit dem Planeten Erde, wo sich alle gegenseitig die Köpfe einschlagen Kontakt aufnehmen und sie in die womögliche Galaktische Föderation aufnehmen?? Ist schon eine Suggestiv-Frage; Aber ich glaube, ich würde mir das ganz gut überlegen. Vielleicht hätten wir einen zu schlechten Einfluss auf die anderen Aliens mit unserer Ethik. Einer Theorie zufolge kann sich eine aggresive Spezies technologisch nicht so weit entwickeln, um Lichtjahre zu überwinden ohne sich vorher selbst zu zerstören

    • Fragender am 21.09.2011 16:38 Report Diesen Beitrag melden

      Frage an dich:

      soso, wie heisst denn diese Theorie?

    • Peter Steiner am 21.09.2011 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      Trotzdem....

      Also Aliens, Ihr wärt willkommen!!!!

    • LaLeLu am 21.09.2011 17:31 Report Diesen Beitrag melden

      hehe

      meine worte peter steiner =D mit der erde würde ich keinen kontakt aufnehmen, ich frage mich sowieso, was ich hier verloren hab =D

    • suchender am 21.09.2011 19:34 Report Diesen Beitrag melden

      @Fragender / Theorie

      Ich weiss nicht was das für eine Theorie sein soll, wenn man aber die Geschichte anschaut, kommt man fast zwangsläufig zu dieser Schlussfolgerung: Wir haben gelernt Werzeug zu bauen --> Wir hauen uns das Zeug gegenseitig über die Rübe; Wir entdecken das Metall --> Wir bauen Schwerter um uns besser umbringen zu können; Wir entdecken das Sprengpulver --> Wir bauen Gewehre; Wir entdecken die Kernspaltung --> Wir bauen Atombomben um noch mehr Menschen miteinander umzubringen; Wir entdecken ??? --> Wir bauen ??? um uns noch effizienter umzubringen...

    • Friedli Walter am 22.09.2011 03:02 Report Diesen Beitrag melden

      wir=Europaer!!!!

      lieber peter! Du schreibst hier immer 'wir'. wer ist das eigentlich 'wir'? das sind doch die Weissen (in der Geschichte vor allem 'Europaeer'.) Die Bevoelkerung in grossen Teilen Asiens war zwar auch kriegerisch, aber nicht so 'allumfassend' zerstoererisch wie die von Europa. Was meinst du zu meiner Bemerkung? gruss vom walter

    • Der Mensch am 22.09.2011 09:21 Report Diesen Beitrag melden

      @Suchender

      du sagst es alta ich kenne kein einziges zeitalter in dem wir menschen gelebt haben und nicht versucht haben un gegeseitig umzubringen ps: stämme ist da ein gutes beispiel fürs mittelalter xD

    • Peter Steiner am 22.09.2011 10:36 Report Diesen Beitrag melden

      @Friedli Walter

      Nein, ich meine wir Menschen. Wir haben ja alle den gleichen Ursprung. Wenn statt die "Weissen", die Chinesen in Europa wären, würden sie vielleicht auch so handeln. Zudem, ca. 5 Jahrhundert die grosse Völkerwanderung: Die Hunnen(Zentralasien), ein plünderndes Reitervolk terrorisierte damals auch Europa....

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