Mit Taktgefühl

11. Juli 2013 13:05; Akt: 11.07.2013 13:05 Print

Bei Chorsängern schlagen auch die Herzen synchron

Ein Herz und eine Seele: Mitglieder eines Chors passen während des gemeinsamen Singens auch ihre Herzfrequenzen aneinander an.

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Positiver gesundheitlicher Effekt: Chorsingen. (Bild: Keystone/AP/Michael Dwyer)

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Musik beeinflusst den Herzrhythmus: Beim Chorsingen passen sich die Herzfrequenzen der Sänger aneinander an. Das belegt eine Studie der schwedischen Universität Gothenburg im Fachjournal «Frontiers in Neuroscience». Das kontrollierte Ein- und Ausatmen sei ausserdem gesund und könne ähnlich wirken wie Yoga, berichten die Forscher.

Andere Studien hätten bereits gezeigt, dass Chorsingen die Bewegungen der Muskeln und Nervenaktivitäten in grossen Teilen des Körpers synchronisiere, berichtet Björn Vickhoff von der Sahlgrenska Academy der Universität Göteborg. Nun sei der Beleg erbracht worden, dass dies auch für das Herz gelte.

Für ihre Experimente liessen die Wissenschaftler 15 Jugendliche im Chor üben – vom monotonen Summen über das beliebte schwedische Lied «Härlig är jorden» («Herrlich ist die Welt») bis hin zu einem langsamen Mantra. Dabei dokumentierten sie jeweils die Herzschläge. Die Forscher stellten fest, dass sich Liedaufbau und Melodie in der Herz-Aktivität widerspiegeln. Beim Ausatmen fiel der Puls, beim Einatmen dazwischen stieg er an. Beim gemeinsamen Singen entstand so der Effekt, dass der Puls der Sänger synchron schlug.


«Härlig är jorden»
(Quelle: Youtube/runebergskoren)

Singen sei eine Form des kontrollierten Atmens, sagt Vickhoff. «Ausatmen aktiviert den Vagusnerv im Gehirn. Das führt dazu, dass die Herzfrequenz sinkt und das Herz ruhiger schlägt.» Beim Einatmen steige der Puls wieder an.

Singen ist gesund

Singen sei gesund, da man dabei ruhig und gleichmässig atme, betont er. Lieder mit langen Sätzen hätten eine ähnliche Wirkung wie Atemübungen im Yoga. Sogar die mentale Verfassung liesse sich durch das Singen beeinflussen.

Hintergrund der Studie war die Frage, wie Musik und Gesundheit zusammenhängen. Die Wissenschaftler wollten neue Möglichkeiten für den Einsatz von Musik aufdecken, zum Beispiel in der Rehabilitation – oder für die Prävention. Der positive gesundheitliche Effekt des Chorsingens sei schon früher vermutet worden, berichten die Experten. Bisher habe es jedoch wenige wissenschaftliche Untersuchungen dazu gegeben.

Die Forscher wollen nun untersuchen, ob die Synchronisierung der Herzschläge auch dazu beiträgt, dass die Chormitglieder ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit stärken. Gemeinsames Singen sei oft Ausdruck eines kollektiven Willens, zum Beispiel im Fussballstadien, bei Arbeitsliedern, religiösen Chören oder Militärparaden, sagt Vickhoff. Die Wissenschaftler wollen nun erforschen, ob Chorsingen auch in Schulen die Zusammenarbeit verbessern kann.

(sda)