Hyperschall

28. Juni 2018 21:50; Akt: 28.06.2018 21:50 Print

Boeing will in 2 Stunden über den Atlantik fliegen

Noch gibt es keine neuen Überschall-Passagierjets, da plant Boeing bereits eine Maschine, die Hyperschallgeschwindigkeit erreichen soll.

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So könnte ein künftiger Hyperschall-Jet von Boeing aussehen. Von Hyperschallgeschwindigkeit spricht man ab fünffacher Schallgeschwindigkeit. Vorgestellt wurde das Konzept Ende Juni 2018. Boeing selbst geht allerdings davon aus, dass es noch 20 bis 30 Jahre dauern dürfte, bis das Flugzeug abheben wird. Im Februar 2018 berichteten chinesische Forscher über erfolgreiche Windkanaltests mit dem Modell eines künftigen Hyperschalljets. Ein Flug von Peking nach New York würde mit dem sogenannten I-Plane nur noch zwei Stunden dauern. Bereits im Januar 2018 stellte Boeing einen Versuchsträger vor, der Hyperschall-Geschwindigkeit erreichen soll. Wie es auch beim chinesischen Flugzeug geplant ist, sollen bei tieferen Geschwindigkeiten Turbinen-Strahltriebwerke zum Einsatz kommen. Darüber würden sogenannte Staustrahltriebwerke übernehmen, die kaum bewegliche Teile haben, aber erst ab etwa doppelter Schallgeschwindigkeit zuverlässig funktionieren. Auch der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin macht beim Hyperschall-Wettrüsten mit. Dort arbeitet man bereits seit einiger Zeit an der SR-72, einem Nachfolger des legendären Doch es muss nicht immer Hyperschall sein. Das amerikanische Unternehmen Boom will ab 2023 einen 55-plätzigen Businessjet anbieten, der doppelte Schallgeschwindigkeit erreicht und in 3,5 Stunden von London nach New York fliegt. Bereits sollen Dutzende Bestellungen vorliegen, darunter von der japanischen Fluggesellschaft JAL und Richard Bransons Virgin. Von Spike Aerospace soll dereinst die S-512 kommen. Sie soll Mach 1,6 erreichen und 22 Passagiere transportieren können. Es ist ein sogenanntes Quiet-Boom-Flugzeug, das nur einen kaum hörbaren Überschallknall produziert und damit auch über Land mit Schallgeschwindigkeit fliegen kann. Testflüge sind für 2021 vorgesehen. Möglichst leise mit Überschallgeschwindigkeit zu fliegen, ist auch das Ziel des Projekts QueSST (Quiet Supersonic Transport) der Nasa und Lockheed-Martin. Das experimentelle Flugzeug X-59 soll 2021 abheben. Seine spezielle Form soll sicherstellen, dass der Überschallknall am Boden nicht lauter als 75 Dezibel ist. Airbus arbeitet zusammen mit der US-Firma Aerion Corporation an der Aerion A2, einem überschallschnellen Geschäftsflugzeug für 12 Personen. Das Flugzeug soll 2023 in Betrieb gehen, erste Testflüge sind für 2019 vorgesehen. Die maximale Geschwindigkeit soll Mach 1,5 betragen. Deutlich schneller will Elon Musk künftig unterwegs sein. Ende September 2017 erklärte der Spacex-CEO, dass die sogenannte Big Fucking Rocket nicht nur zum Mars, sondern auch um die Erde fliegen soll. Sie soll beispielsweise eine Reise von Sydney nach Zürich in 50 und von New York City nach Tokio in gerade einmal rund 30 Minuten ermöglichen. Verdammt schnell will auch der kanadische Industriedesigner Charles Bombardier um die Welt fliegen. Sein Antipode-Konzept soll Flüge von London nach New York in 11 Minuten ermöglichen. Zuerst sollen Raketentriebwerke den Antipode auf Mach 5 beschleunigen, dann sollen Staustrahltriebwerke übernehmen und den Jet auf Mach 24 beschleunigen.

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Vor 15 Jahren wurde die Concorde eingemottet, seither findet die kommerzielle Luftfahrt wieder ausschliesslich im Unterschallbereich statt. Das könnte sich aber in nicht allzu ferner Zukunft wieder ändern. Mehrere Hersteller arbeiten an neuen Konzepten, um die Flugzeiten zwischen den Metropolen der Welt zu verkürzen. Während die meisten Geschwindigkeiten von etwa Mach 2 anstreben, hat Boeing ehrgeizigere Ziele.

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Dem US-Flugzeugbauer schwebt ein Passagierjet vor, der Hyperschall, also mehr als fünffache Schallgeschwindigkeit erreichen kann. Erste Pläne dafür hat Boeing am Dienstag an einer Luftfahrtkonferenz in Atlanta vorgestellt. Das Flugzeug soll es ermöglichen, in unter zwei Stunden von New York nach London zu fliegen. Das ist doppelt so schnell wie einst mit der Concorde.

Virtuelle Fenster

Um solche Geschwindigkeiten erreichen zu können, muss das Flugzeug sehr hoch fliegen. Die Boeing-Ingenieure sprechen von 29 Kilometern Höhe. Weiter unten würde die Maschine aufgrund der Luftreibung auseinandergerissen werden. Für die Passagiere bringt das den Vorteil, dass man von dort oben «die Erdkrümmung und die Schwärze des Weltraums sehen kann», wie Boeing-Experte Kevin Bowcutt auf der Konferenz ausführte. Allerdings nicht von blossem Auge. Ein solches Flugzeug würde voraussichtlich statt über normale über virtuelle Fenster verfügen.

Viele Herausforderungen

Bis es so weit ist, dürfte es noch 20 bis 30 Jahre dauern, wie Boeing zugibt, denn es gibt einige Herausforderungen zu bewältigen. So muss ein neues Antriebskonzept entwickelt werden, das ein konventionelles Turbinen-Strahltriebwerk mit einem sogenannten Staustrahltriebwerk kombiniert. Auch das Design des Flugzeugs muss vollkommen neu angedacht werden. Und dann gibt es nach wie vor das Problem des Überschallknalls, das gelöst werden muss, bevor über besiedeltem Gebiet mit Schall- oder Hyperschallgeschwindigkeit geflogen werden kann. Mit letzterem Problem beschäftigt sich zurzeit auch die Nasa und der Boeing-Konkurrent Lockheed-Martin.

Der Trumpf im Ärmel von Boeing ist die grosse Erfahrung, die der Konzern bereits mit Hyperschallfluggeräten gesammelt hat. Seit 1956 wird entwickelt und mit der X-15 stellte man 1967 mit 7274 km/h (Mach 6,72) einen Geschwindigkeitsrekord auf, den erst der Spaceshuttle 1981 brach. 2013 folgte ein weiterer Rekord mit der X-51 Waverider. Das mit einem Staustrahltriebwerk ausgerüstete Experimentalflugzeug erreichte für 210 Sekunden eine Geschwindigkeit von Mach 5,1. Das ist bis heute der längste Hyperschallflug mit einem luftatmenden Triebwerk. Wer neben Boeing sonst noch an Passagierflugzeugen tüftelt, die die Schallgrenze durchbrechen können, sehen Sie in der Bildstrecke oben.

Mythos Concorde: Darum fasziniert das Überschallflugzeug noch heute

(jcg)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sere am 28.06.2018 21:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    naja

    wie schon oft gelesen ( seit guten 20 jahren) und schlussendlich wird es nicht gebaut. was macht es heute auch für ein sinn bei der umweltbelastung das so ein jet mit sich bringt

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  • Marius am 28.06.2018 22:08 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht rentabel

    Das es nicht rentabel betrieben werden kann, weiss man jetzt schon. Das ist das schlimmste daran.

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  • Kurz & Bündig am 28.06.2018 22:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie immer...

    Wohl der älteste Zopf der Aviatik.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Henry Volta am 02.07.2018 00:55 Report Diesen Beitrag melden

    Henry Volta

    Mobilität mit Verbrennungsantrieb ist der Menschheit im Jahr 2018 nicht mehr würdig. Es sind längst intelligentere Antriebsformen bekannt. Leider werden sie nicht genutzt.

  • Flunder am 01.07.2018 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absturz

    Super und was ist, wenn so ein Ding abstürzt? Gleich ein Krater und alles weit und breit platt?

  • Heinrich Zimmermann am 30.06.2018 16:15 Report Diesen Beitrag melden

    Wie gehabt, die reichen Frauen

    Toll. dann kann man Handtasche in Newyork posten und abends ist man wieder zu Hause.

    • John Hunki am 01.07.2018 14:01 Report Diesen Beitrag melden

      Heinrich Zimmermann

      Oder man steht noch im Gate und wartet in der Kontrollschlaufe. ;-) )

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  • Larissa und Jenny am 30.06.2018 12:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Australian

    Oh dann können wir Schwester uns ja in Australien Heiraten und am Abend wieder in die Schweiz kommen.

  • LLLL am 30.06.2018 11:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Elton

    León Musk soll erst mal sehen, dass es das Modell3 auf den Markt bringt, bevor er neues anpackt. Bis es soweit ist, sind keine Geldgeber mehr vorhanden. Übrigens warum immer schneller? Der Mensch kommt ja heute schon nicht mehr zurecht mit der schnelllaufenden Zeit. Immer mehr in immer weniger Zeit, das wird nie und nimmer funktionieren. Wir hätten andere Probleme zu lösen, als immer schneller zu werden.

    • Tobias am 30.06.2018 11:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @LLLL, oups

      Hat Elon einen Bruder und gehört dem Boeing?

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