Kampagne

09. Januar 2018 05:44; Akt: 09.01.2018 05:44 Print

Bulldoggen sollen aus Werbung verschwinden

Kugelrundes Gesicht, Knautschnase und Kulleraugen sind typisch für Bulldoggen. Doch ausgerechnet diese Merkmale können ihnen den Tod bringen.

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Tiere gehen immer: Getreu diesem Motto setzen überraschend viele Marken auf Hunde in ihrer Werbung. So war beispielsweise Bulldogge Otto der Auch der deutsche Lebensmittelkonzern Edeka liess in seinem Eatkarus-Spot eine Englische Bulldogge auftreten. Auch wenn die in Wahrheit nicht so stark übergewichtig ist wie im Clip, ist der Auftritt von Bulldoggen im TV für britische Tierärzte ein Dorn im Auge. Der Grund: Viele der Tiere tragen Merkmale, die für die Tiere alles andere als gesund sind und lebensbedrohlich sein können. Daher hat der Verband britischer Tierärzte die Kampagne #breedtobreathe ins Leben gerufen, um auf die gesundheitlichen Probleme aufmerksam zu machen und so den Menschen die Lust auf überzüchtete Hunde zu nehmen. Weil sich die Verantwortlichen von #breedtobreathe bewusst sind, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt, fordern sie weiter, die Tiere aus den Medien zu verbannen – vor allem aus der Werbung, die mit ihrem Millionenpublikum die Nachfrage nach solchen Hunden steigen lassen. (Im Bild: Englische Bulldogge) Tatsächlich ist es um die Gesundheit der Bulldoggen nicht sonderlich gut gestellt. Ein Grund dafür ist die angezüchtete Kurz- und Rundköpfigkeit (Brachyzephalie) der Tiere, bei der es sich genau genommen um eine Deformation des Schädels handelt. (Im Bild: Französische Bulldogge) Unter anderem führt es zum sogenannten brachycephalen Syndrom, das eine Vielzahl von Symptomen im Bereich der oberen Atemwege mit – mehr oder minder ausgeprägten – Behinderungen der Atmung sowie Störungen in der Temperaturregelung des Hundes beschreibt. (Im Bild: Französische Bulldogge) Das Problem: Durch den kurzen Schädel wachsen die Nasenlöcher nicht in die Länge, sondern bleiben kurz. Daher sind sie für eine normale Atmung einfach zu eng. Dazu tritt häufig eine Überwucherung der Nasenmuscheln auf, was für zusätzliche Enge sorgt. (Im Bild: Französische Bulldogge) Hinzu kommt, dass viele Exemplare eine zu grosse Zunge haben, die den Rachen ausfüllt. Dadurch wird die Maulatmung behindert, was sich in dem typischen, aber durch und durch ungesunden Röcheln der Tiere äussert. (Im Bild: Französische Bulldogge) Um das Leiden der Tiere zu reduzieren, bleibt Veterinärmedizinern häufig nur, sie zu operieren und ihre Luftröhren freizuschneiden. So können nicht alle, aber zumindest die schlimmsten Symptome beseitigt werden. (Im Bild: US-Bulldogge) Die schwere Atmung wird aber auch durch Fehlbildungen in Luftröhre und Bronchien hervorgerufen. Die Folgen können neben Atemnot auch chronische Bronchitis und Herzinsuffizienz sein, alles Faktoren, die das Leben der Hunde verkürzen können. (Im Bild: Französische Bulldogge) Die Tiere haben aber auch noch andere Schwachstellen. Mit ihren Kulleraugen und den sie umgebenden Falten sind sie prädestiniert für Augenentzündungen. (Im Bild: Französische Bulldogge) Auch Geburten sind oftmals schwierig: So kommt es aus physikalisch-mechanischen Gründen überdurchschnittlich häufig zu Geburtskomplikationen. Manchmal bleibt nur ein Kaiserschnitt, um die kleinen Welpen auf die Welt zu holen. (Im Bild: Französische Bulldogge) Noch mehr Probleme sind bei überzüchteten Englischen Bulldoggen zu erwarten. Sie neigen durch ihren von Natur aus stämmigen Körper und ihre Gemütlichkeit zu Übergewicht, was eine Reihe von Krankheiten wie Bluthochdruck, Herzprobleme, Diabetes und Gelenkprobleme nach sich zieht. Des Weiteren brauchen ihre Augen besondere Aufmerksamkeit. Sie können sich leicht entzünden oder es kommt zu Erkrankungen der sogenannten Nickhaut, einer zusätzlichen Bindehautfalte im inneren Augenwinkel. Wie die Französischen Bulldoggen bekommen auch die Englischen nicht so gut Luft und können nicht so gut hecheln. Sie sind zudem anfällig für Rachen- und Mandelentzündungen, die zu Halsschmerzen führen, und für Bronchitis. Die kurze Schnauze beschert auch dem Kehlkopf Probleme. So kann es dort zu einer Lähmung kommen. Darüber hinaus gelangt nicht immer ausreichend Sauerstoff ins Blut, wenn die Atemwege eingeschränkt sind. Infolgedessen kann das Herz in Mitleidenschaft gezogen werden. Ebenfalls typische für überzüchtete Englische Bulldoggen: der starke Unterbiss. Diese Fehlstellung des Kiefers führt nicht nur zu Zahn-, sondern auch zu Kieferproblemen. Auch ist bei ihnen die Gefahr einer Parodontitis höher als bei Hunden mit einer längeren Front. Die krummen, kurzen Beine bergen ebenfalls Gesundheitsprobleme. So leiden Englische Bulldoggen häufig unter Hüft- oder Ellbogendysplasie oder allgemeinen Gelenkschmerzen. Deshalb ist es bei ihnen umso wichtiger, auf das Gewicht zu achten, um ihre Gelenke nicht unnötig zu belasten. Wie weit sich die Englischen Bulldoggen äusserlich von ihren Vorfahren entfernt haben, zeigt diese gut 100-jährige Aufnahme. Zwar waren auch frühere Exemplare keine klassischen Schönheiten, aber sie sahen definitiv kräftiger und agiler aus. Cean Elegans, Betreiber des Blogs «Science and Dogs», findet für die heutigen Englischen Bulldoggen deutliche Worte: Ähnlich dürfte das auch David Leavitt aus den USA gesehen haben: Weil er mit der Gesundheit und der Fruchtbarkeit seiner Englischen Bulldoggen unzufrieden war, begann er 1971 mit der Rückzüchtung der Tiere. Heraus kam eine neue Rasse (Olde English Bulldogge), die weniger gesundheitliche Probleme hat und weniger anfällig für Krankheiten ist. Ob rückgezüchtet oder überzüchtet: Fest steht, dass sich Bulldoggen – Französische genauso wie Englische – heutzutage grosser Beliebtheit erfreuen. So postet etwa TV-Sternchen Melanie Müller regelmässig Fotos von sich mit ihrer Französischen Bulldogge Galina. Schauspielerin Reese Witherspoon steht ihr da in nichts nach. Sie teilt fleissig Bilder mit ihrer Französischen Bulldogge Frank Sinatra. Auch Christa Rigozzis Familie wäre ohne die Französische Bulldogge Joker nicht komplett. Auch Influenzerin Chiara Ferragni postet auf Instagram rege Aufnahmen mit Freund und Hund. Ihre Französische Bulldogge hört auf den Namen Matilda. Gemäss Instagram kann Lady Gaga gleich drei Französische Bulldoggen ihr Eigen nennen. Und Vujo Gavric posiert gerne mit seiner Französischen Bulldogge namens Mamba.

Zum Thema
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Mit ihrem knuddeligen Äusseren lassen französische und englische Bulldoggen die Herzen vieler Hundefans höherschlagen. Doch bei der Euphorie wird eines oft übersehen: Die Tiere zahlen für ihre Beliebtheit einen hohen Preis – und zwar in vielerlei Hinsicht (siehe Bildstrecke oben).

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Das grösste und auffälligste Gesundheitsproblem stellt bei Bulldoggen die Kurzatmigkeit dar. So leidet laut Experten des Verbands britischer Tierärzte mehr als die Hälfte der Tiere in Grossbritannien an Atemnot.

Verantwortlich dafür ist die Kurzköpfigkeit (Brachyzephalie) der Bulldoggen, die ihnen im Laufe der Jahrzehnte angezüchtet worden ist.

Fans von gesunden Hunden mobilisieren sich

Nachdem im Jahr 2016 schon Cean Elegans auf seinem Blog «Science and Dogs» auf die Folgen übertriebener Zucht aufmerksam gemacht hat, appellieren nun mit der Kampagne #breedtobreathe (züchten, um zu atmen) auch britische Tierärzte, die Finger von derart überzüchteten Hunden zu lassen.

Ihre langfristige Hoffnung: Irgendwann werden gar keine ungesunden Bulldoggen – und auch keine Möpse, die ebenfalls unter den Folgen leiden – mehr gezüchtet.


Bulldoggen sind der Star vieler Werbe-Clips. (Video: Tamedia)

Aus schlechten Vorbildern sollen gute werden

Weil sich die Verantwortlichen bewusst sind, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt, fordern sie weiter, negative Vorbilder aus den Medien zu verbannen, die mit ihrem Millionenpublikum zu einem Anstieg der Nachfrage führen. So sollen die Tiere unter anderem aus Werbe-Clips verschwinden.

Doch es sind nicht nur Spots wie der von «Heinz Baked Beans» oder der der Präventionskampagne «Made Visible» des TCS, die Hundefans dazu bringen, überzüchtete Tiere herzig zu finden.

Auch Prominente wie Schauspielerin Reese Witherspoon, Influencerin Chiara Ferragni und Sängerin Lady Gaga tragen mit Posts von sich und ihren vierbeinigen Liebsten zur zunehmenden Faszination für Tiere mit geknautschten Gesichtern bei.

Während es eher unwahrscheinlich ist, dass die Stars von Fotos mit ihren Bulldoggen absehen werden, haben immerhin schon einige Marken reagiert: Unter anderem haben Heinz und die Halifax-Bank angekündigt, künftig auf Werbung mit überzüchteten Werbestars zu verzichten.


Mit diesem Clip wird auf die Kampagne aufmerksam gemacht.
(Video: Youtube/British Veterinary Association)


(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Women's Feet lover am 09.01.2018 06:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Degeneriert

    Mode Hunde sind oftmals aus Qualzuchten.Nur degenerierte Menschen kaufen solche Hunde

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  • Frau Schäfer am 09.01.2018 06:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbieten

    Die Zucht solcher abartigen Hunde sollte verboten werden. Menschen welche solche Hunde halten sind infach nur egoistisch!

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  • P.P am 09.01.2018 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tierquälerei

    Da kann ich nur etwas sagen. Tierquälerei.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Xavier am 11.01.2018 10:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Animals

    Tiere sind Lebewesen, keine "Dinge." Sie denken, fühlen, empfinden und handeln genauso wie wir.

  • Zürcher Ex-Pat am 10.01.2018 13:10 Report Diesen Beitrag melden

    Tieradoptionen sind besser

    Bei der Umfrage fehlt: "Ich adoptiere einen Hund aus dem Tierheim". so habe ich jetzt seit neun Jahren einen Mischling im Hause der mir viel Freude bereitet und keine "Überzüchtungskrankheiten" hat. Tiere zu adoptieren ist viel besser, so vermeidet man, dass etliche Hunde und Katzen ihr Leben lang im Tierheim verbringen.

    • Nobody am 11.01.2018 09:44 Report Diesen Beitrag melden

      Der Mensch muss umdenken!

      Mein Dobi ist seit 4 Mte. bei mir. Mein erster Hund war schon eine Strassenmischung. Hatte keine gesundheitlichen Probleme, erst im Alter. Wir Menschen sind SCHULD, wir müssen alles Kreuzen/Heranzüchten. Weibchen zur Massenzucht in Käfigen gehalten. Der Mensch ist das einzige Lebenwesen, dass zum Spass tötet, quält und missbraucht.

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  • MonikaAnna am 10.01.2018 13:01 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Wahnsinn wie alle einen auf Tierschützer machen, aber der wirkliche Tierschutz einen Papagei aus einer Tierarztpraxis (seinem gewohnten Umfeld) entfernt in der es ihm gut ging. Der Papagei verweigerte das Essen bei den Tierschützern weil er zurück wollte. Aber der Tierschützer weiss alles immer am besten und behielt den Papagei bei sich bis er zu schwach war und starb. Und nun habt ihr alle hier nichts besseres zu tun als auf solchen liebenswerten Bulldoggen herzumzuhacken. Wichtig ist, dass man sich über die Zucht informiert. Unser Frenchie (3 Jahre alt) ist topfit ohne jegliche Beschwerden.

  • Sophia am 09.01.2018 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Zucht Mensch

    Das ALLE Rassenhunde irgendein Problem haben wird hier einfach verschwiegen. Pudel habens mit den Augen, Schäferhunde mit der Hüfte. Etc.... Ich wünschte dieses Zuchtdenken würde bei Menschen angewandt. Aber beim Mensch hat ja jeder recht Kinder auf die Welt zu bringen obwohl man sich danach nicht um sie kümmern kann weil die Erbkrankheit zu schlimm ist und man dann ein 24 h Betreuung haben muss. strange.

    • Maria Zeidler am 10.01.2018 10:18 Report Diesen Beitrag melden

      Schuld die Gesellschaft

      Die Tiere welche als schön prämiert werden sind oft die Tiere die auch einen erheblichen Gesundheitsrisiko haben werden. Wenn unsere Gesellschaft (das heisst Alle) diese Organisation boykottieren würden und auch Tiere nicht mehr kaufen würden könnte etwas geändert werden. Aber die Gesellschaft hält nicht zusammen!

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  • Appenzeller am 09.01.2018 17:27 Report Diesen Beitrag melden

    Option...

    zartes Fleisch fehlt in der Auswahl.