«Dolly»-Methode

24. Januar 2018 18:57; Akt: 24.01.2018 20:53 Print

Chinesische Forscher klonen erstmals Affen

Vor 22 Jahren erblickte Klonschaf Dolly das Licht der Welt. Nun ist Wissenschaftlern aus China eine Sensation gelungen: Sie konnten lebensfähige Primaten klonen.

Erstmals geklont: Forscher in China feiern. Video: Tamedia/AP
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Rund 22 Jahre nach der Geburt des Klonschafs Dolly haben chinesische Forscher erstmals mit derselben Methode Affen geklont. Die zwei Javaneraffen Zhong Zhong und Hua Hua seien lebendig geboren worden und hätten zumindest die ersten Wochen überlebt, berichtet das Team im Fachmagazin «Cell».

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Obwohl die bei Dolly verwendete Technik bei mehr als 20 Tierarten wie Kühen, Schweinen und Hunden gelang, waren Forscher mit dieser Methode bislang an Affen gescheitert. Wie bei Dolly übertrugen die chinesischen Forscher den Zellkern samt Erbgut von einer Zelle des Spendertiers in eine Eizelle, die zuvor entkernt wurde. Die Eizelle wurde einer Leihmutter eingesetzt, die den Klon austrug. So lassen sich theoretisch viele genetisch gleiche Tiere erzeugen.

Erweitertes Dolly-Verfahren

Zwar war schon 1999 ein Labor-Affe auf die Welt gekommen, der dieselben genetischen Informationen besass wie ein Artgenosse. Das Klontier war jedoch aus der einfachen Teilung der befruchteten Eizelle im Labor hervorgegangen – ähnlich wie bei eineiigen Zwillingen.

Das Team um Qiang Sun von einem Institut der staatlichen Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Shanghai wandte nun ein erweitertes Dolly-Verfahren für die Javaneraffen (Macaca fascicularis) an. So bereitete es die DNA-Erbgutstränge speziell auf die anschliessende Übertragung in die Eizelle vor.

Forscher klonen erstmals Affen mit der «Dolly»-Methode

Fortschritt für die Medizinforschung

Wie die Forscher schreiben, waren viele Versuche nötig: Von knapp 200 aus dem Erbgut erwachsener Affen gewonnenen Embryonen kam es bei 42 Leihmuttertieren, denen die Forscher die Zellen einsetzten, zu zwei Lebendgeburten, doch starben diese Affenbabys wenige Stunden später.

Mehr Erfolg hatten die Forscher bei gut 100 Embryonen, die auf dem Erbgut von Affen-Föten beruhten. In dieser Gruppe kam es bei 21 Leihmüttern zu sechs Schwangerschaften. Zwei Jungtiere kamen lebendig zur Welt und überlebten mindestens die ersten 40 sowie 50 Tage, dann schrieben die Forscher den Fachartikel.

Die Erfolgsrate sei zwar noch nicht «wahnsinnig berauschend», doch seien die neuen Ergebnisse ein «wichtiger Schritt», sagt Eckhard Wolf vom Genzentrum der Ludwig-Maximilians-Universität München. Für die Erforschung neuer Therapien etwa gegen einige neurologische Krankheiten sei die Klon-Technik vielversprechend.

Mit der Methodik sei es möglich, mehrere genetisch identische Versuchstiere zu untersuchen, was etwa für die Entwicklung neuer Arzneimittel hilfreich sein könne. Womöglich könne auch durch die Vereinheitlichung der Krankheitsbilder die Zahl der Versuchstiere verringert werden.

Ethisch an der Grenze

Wie bei jedem Tierversuch stellt sich laut Wolf dabei die Frage, wie gross die Belastung für die Tiere im Vergleich zur Bedeutung der Forschung ist. «Wenn es sich um eine lebensbedrohliche Erkrankung handelt, für die man durch solche Versuche berechtigte Hoffnung auf Heilungen haben kann, dann kann es gerechtfertigt sein.»

Schon der grosse Aufwand und die geringe Erfolgsquote stellen seiner Einschätzung nach sicher, dass die Klon-Technik nur dann eingesetzt wird, wenn sie dringend erforderlich ist. Wolf plant selber keine derartigen Versuche bei Affen, wie er der Nachrichtenagentur dpa sagte. «Mit Sicherheit nicht – wir bleiben beim Schwein.»

«Wir sind uns bewusst, dass zukünftige Forschung an nicht-menschlichen Primaten überall auf der Welt davon abhängt, dass Wissenschaftler strikte ethische Standards einhalten», erklärte der an der neuen Studie beteiligte Neurologe Mu-ming Poo in einer Pressemitteilung. Er betont, dass sein Team sich an internationale Richtlinien gehalten habe.

Protestaktionen zu erwarten

Die Namen der Affen Zhong Zhong und Hua Hua haben eine ganz besondere Bedeutung, wie das Journal «Cell» in einer Mitteilung berichtete. Zhonghua heisse so viel wie «chinesische Nation».

Dieses Spiel mit dem Nationalstolz deute an, dass es bei den Versuchen nicht nur um Forschungsfortschritt ging, sondern «vor allem um Prestige und andere nicht-hochrangige Ziele», kritisiert der Theologe Peter Dabrock von der Universität Erlangen, der auch Vorsitzender des Deutschen Ethikrates ist. «So etwas sollte nicht auf Kosten solch sensibler Wesen gehen und ist ethisch problematisch.»

Er befürchtet, dass die Klonversuche zu erheblichen Protesten von Tierschützern führen könnten. Dabei seien Tierversuche manchmal «schmerzlicherweise unumgänglich».

Er habe den Eindruck, dass in China «eine umfängliche Strategie gefahren wird, die genetischen Grundlagen menschlichen Lebens zu bearbeiten», erklärt der Ethiker.

(bee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • me! am 24.01.2018 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stop it!

    Bitte hört damit auf.

  • Myri am 24.01.2018 19:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    traurig

    ..die armen Tiere! Finde es mehr als bedenklich, dass die Menschen Gott spielen wollen. So etwas sollte auf der ganzen Welt verboten werden...wo führt das hin?

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  • LUZ93 am 24.01.2018 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott spielen...

    Es ist zwar schon faszinierend was man mit unserem Wissen alles ermöglichen kann aber das geht meiner Meinung viel zu weit den das ist für mich Gott spielen und hat für mich nichts mit einem Fortschritt zu tun oder sonst in irgend einer Weise was positives an sich. Jedes Lebewesen kommt und sollte auch wieder gehen so wie es schon immer wahr.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Joschwa am 25.01.2018 09:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ziel: Ersatzteillager Mensch?

    Naja einerseits find ich es ja toll das die Forscher so interesannte Sachen an den Tag legen und weiterentwickeln aber eigendlich finde ich es sehr bedenklich d ich mir gut vorstellen kann, das diese Tiere irgendwo doch nicht ganz normal sind und ihre Probleme haben beim leben zudem noch das herumgedoktere an denen. Weiter finde ich es bedenklich insofern, dass das Klonen von Affen nun möglich ist und das bedeutet sie würden sehr warscheinlich auch Menschen klonen können, und das macht mir ehrlichgesagt Angst, der Film "die Insel" ist dann sehr nahe an der Tatsache wie man Krankheiten ausmerzen könnte oder das Leben verlängern könnte und das finde ich mal gar nicht korrekt dass ein oder mehrer "Mensch" sterben muss bzw dafür gezüchtet wird einem reicher Typ das Leben verlängern kann. So wie n Ersatzteillager das ist eifach wiederlich und ich befürchte darauf wird es auf kurz oder lang hinauslaufen.

  • holly am 25.01.2018 03:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Warum muss man klonen? die einzigartigkeit ist das was und zu etwas besonderem macht. man braucht von nichts zwei, also für was muss man klonen? klar ist es cool was man alles kann, aber...für WAS?

  • Freddy Meyer am 24.01.2018 23:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fakt

    Wer gegen Tierversuche ist und gleichzeitig Fleisch ist kann ich nicht ernst nehmen. Tiere in Forschungsinstituten leben meist unter weit besseren Bedingungen als Masttiere.

    • Heidi Heidnisch am 25.01.2018 09:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Freddy Meyer

      Aber Masttiere werden am Schluss zumindest nicht zu Tode gefoltert.

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  • Karl Karli am 24.01.2018 23:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die sollen...

    Lieber erforschen wie man Geld Klonen kann!

  • Enkido am 24.01.2018 23:29 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerei

    Zum Thema Gott spielen: Konsequenterweise müsstet ihr, wenn es mal dazu kommt, eine Antibiotikabehandlung, Bestrahlung oder sonstige Medikation ablehnen. Dazu waren etliche Tierversuche und "Gott-Spieler" nötig.