Geheimdienst-Unterlagen

10. Oktober 2009 18:01; Akt: 13.10.2009 19:20 Print

DDR bot Stasi den Sowjets anDDR bot Stasi den Sowjets an

Der frühere sowjetische Staatspräsident Michail Gorbatschow hat einem «Spiegel»-Bericht zufolge 1990 mit dem Gedanken gespielt, die Auslandsspionage der Stasi sowie das gesamte IM-Netz vom sowjetischen Geheimdienst KGB übernehmen zu lassen.

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Wie das Nachrichtenmagazin am Samstag berichtete, geht dies aus umfangreichen Aktenbeständen des Bundesnachrichtendienstes zum Mauerfall hervor, die der BND auf Antrag des Magazins freigegeben habe. Demnach habe DDR-Regierungschef Hans Modrow Gorbatschow ein entsprechendes Angebot gemacht.

Modrow habe laut BND damit geworben, das Agenten- und Informantennetz der Stasi erfasse «weitestgehend das Parteien- und Oppositionsspektrum in der DDR», schreibt das Magazin unter Berufung auf die Unterlagen. Modrow bestreite die Darstellung des BND: «Nichts von dem ist wahr», zitiert ihn der «Spiegel».

Gorbatschow widerruft Garantien für DDR

Aus den BND-Unterlagen gehe zudem hervor, dass Gorbatschow offenbar schon 1988 gegenüber SED-Generalsekretär Erich Honecker erklärt habe, «unter seiner Führung werde die Sowjetunion nicht intervenieren, um eine Partei beziehungsweise Obrigkeit vor unzufriedenen Massen zu schützen». Demnach hat der Kreml-Chef bereits vor dem Mauerfall die sowjetische Bestandsgarantie für die DDR widerrufen.

Eigenartige Geheimdienst-Infos

Aus dem Politbüro der SED habe der Dienst viel Kurioses berichtet, schreibt der «Spiegel». So habe er zwei Tage vor dem Mauerfall ans Kanzleramt gemeldet, der bereits gestürzte Honecker habe sich in den Westen abgesetzt. Er sei zuerst zu seiner Schwester ins Saarland und dann in die Schweiz weitergereist. In Wahrheit habe Honecker noch in Wandlitz gesessen. Hinter der Grenzöffnung am 9. November 1989 habe der BND einen vermeintlich klugen Schachzug von Honecker-Nachfolger Egon Krenz vermutet.

(dapd)