Blick ins Gehirn

05. August 2015 23:44; Akt: 05.08.2015 23:44 Print

Darum essen Gestresste vor allem Ungesundes

Bereits mässiger Stress kann Menschen dazu verleiten, eher zum Burger statt zum Salat zu greifen. Zürcher Forscher haben nun geklärt, warum das so ist.

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Wichtige Entscheidungen müssen oft unter Stress gefällt werden, doch wie dieser die Entscheidungsfähigkeit beeinflusst, darüber ist noch wenig bekannt, schreiben Neuroökonomen der Universität Zürich im Fachjournal «Neuron». In ihrer Studie zeigen sie auf, wie Stress das Gehirn dazu bringen kann, die Selbstkontrolle bei einer Entscheidung herabzusetzen.

In der Studie wurden 29 Teilnehmer im Labor in moderaten Stress versetzt: Sie mussten eine Hand drei Minuten lang in Eiswasser tauchen. Danach wählten die Probanden im Magnetresonanz-Tomographen (MRI) eines von zwei Fotos von Speisen aus, einer schmackhaften, aber ungesunden, und einer gesunden, aber weniger verlockenden.

Eine Kontrollgruppe hielt ihre Hand für drei Minuten in lauwarmes Wasser. Alle Probanden hatten vorgängig angegeben, einen gesunden Lebensstil zu führen, etwa mit ausgewogener Ernährung oder Sport, wie die Universität Zürich mitteilt.

Bei Stress lieber ungesund

Tatsächlich wählten die mit Eiswasser gestressten Probanden mit grösserer Wahrscheinlichkeit eine ungesunde Speise aus als die Kontrollpersonen. Sie überbewerteten offenbar die geschmacklichen Attribute.

Dies offenbarte sich auch in den Gehirnbildern: Die neuronalen Verbindungsmuster waren bei den Gestressten verändert, und zwar in jenen Hirnregionen, die für die Ausübung von Selbstkontrolle wichtig sind. Dazu gehören der Mandelkern (Amygdala), das Striatum und für die Entscheidungsfindung wichtige Areale der Gehirnrinde. Das Stresshormon Cortisol spielte hingegen nur für einige dieser neuronalen Veränderungen eine Rolle.

Wertvolle Erkenntnis

Die Fähigkeit zur Selbstkontrolle sei an mehreren Punkten des neuronalen Netzes empfänglich für Störungen, erklärte Erstautorin Silvia Maier von der Universität Zürich in der Mitteilung. «Die optimale Selbstkontrolle erfordert ein präzises Gleichgewicht der Interaktionen zwischen den beteiligten Gehirnregionen», sagte sie.

Dass sogar moderater Stress die Selbstkontrolle beeinträchtigen kann, ist laut den Forschenden eine wertvolle Erkenntnis. Moderate Stressfaktoren seien häufiger als extreme Ereignisse und beeinflussten daher die Selbstkontrolle häufiger und bei einem grösseren Teil der Bevölkerung.

Dies öffnet laut Studienleiter Todd Hare interessante weitere Forschungsfragen – etwa, ob Faktoren wie Sport und soziale Unterstützung, die erwiesenermassen vor strukturellen Gehirnveränderungen nach schwerem Stress schützen, auch die Auswirkungen von moderatem Stress bei Entscheidungen mildern können.

Was bereitet Ihnen so richtig Stress? Und was hilft Ihnen, diesen zu bewältigen? Teilen Sie Ihre Tricks und Tipps in den Kommentaren!

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Huhu am 06.08.2015 00:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zeit

    Stress ist doch immer irgendwie mit Zeitdruck verbunden. Das heisst, man hat weniger Zeit und greift dann eben zu etwas, was kurzfristig sättigt und wenig Aufwand fordert.

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  • Matt am 06.08.2015 00:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Oder alternative Erklärung

    Kann es auch sein, dass man eher zu erfrischenden Lebensmitteln greift, wenn es heiss ist (lauwarmes Wasser) als zum Burger und umgekehrt im Winter eher zu deftigerem Essen (wegen Kälte?)

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  • Zyzz am 06.08.2015 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt

    Gut möglich. Ich bin ziemlich gestresst (psychisch) und esse viel ungesundes Zeug!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • swiss am 06.08.2015 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Im Stress esse ich fast nichts

    Wenn ich zu viel Stress habe, dann verspüre ich weder Appetit noch Hunger und esse dann kaum etwas...

  • tanmt am 06.08.2015 13:21 Report Diesen Beitrag melden

    Stress / Depressionen

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass es damit zu tun hat, dass gestresste Leute schneller mal zum Unsgesunden greifen, da dieses Essen eine Art Glückshormon auslöst, welches bei gestressten oder depressiven Leuten erwünscht ist.

  • Mrs Healthy am 06.08.2015 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wie ist es bei Kindern?

    Sie könnten auch den ganzen Tag ungesundes essen. Sind sie möglicherweise auch gestresst?

    • Phil am 06.08.2015 15:28 Report Diesen Beitrag melden

      Kinder essen nichts...

      ungesundes, da Ihre Körperwahrnehmung noch nicht von Ernährungsberatern beeinträchtigt wurde. Wenn Mutti dem neusten Diättrend entsprechend "Gesundes" kocht und die Kinderchen danach zur Schokolade greifen, so ist an dieser Handlungsweise nichts verwerfliches festzustellen, bis auf den Umstand das Mutti partout nicht in den Kopf bekommen möchte, dass die Kinderchen zum wachsen und gedeihen energiereiche Nahrung benötigen. Mich würde das ganze Körnlipickerzeug (wirklich nahrhaft und Gesund ist's auch nicht) auch stressen, der griff zur Schokolade ist daher als reine Notwehr zu werten.

    • Lieber gesund als am 06.08.2015 17:32 Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch

      @Phil Quatsch. Auch gesundes Essen kann nährstoffreich sein und gut schmecken. Man braucht nur ein wenig Zeit, Kreativität und Fantasie um schmackhaftes, gesundes Essen vorzubereiten.

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  • Candyboy am 06.08.2015 12:38 Report Diesen Beitrag melden

    Stress

    bedeutet Anstrengung, der Körper schreit nach Reserven. Die geben mir Sellerie nicht. Bei mir ist es Zucker. Stressiger Morgen: Vollkornbrötli oder Schoggigipfel? was für eine doofe Frage.

  • Eidgenosse 1977 am 06.08.2015 11:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Stimmt genau!!!!

    Arbeite im Detailhandel, das erklärt so einiges. Umsatzdruck, Abschlussquote, immer freundlich bleiben. Die meisten Mitmenschen sind ein unberechenbarer Stressfaktor, ist jeden Tag eine Herausforderung. Ich esse was ich Lust habe, um entspannt zu bleiben hoere ich regelmäßig Metal in den Pausen, und nehme vieles nach 20 Jahren im Detailhandel nicht mehr so ernst, es lässt sich sowieso nicht ändern.