Supermassereich

28. November 2012 17:55; Akt: 28.11.2012 17:55 Print

Das Loch, das pro Jahr 400 Sonnen ausspuckt

Ein Quasar, der einen Materiestrom mit der 100-fachen Energie der Milchstrasse ausstösst, hat einen besonderen Namen verdient. Das sehen die Forscher nüchterner und tauften ihn SDSS J1106+1939.

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Visualisierung des Materiestroms, der vom supermassereichen Schwarzen Loch des Quasars SDSS J1106+1939 ausgestossen wird (Bild: ESO/L. Calçada)

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Astronomen haben den bislang energiereichsten Materiestrom eines Schwarzen Lochs entdeckt, wie die Europäische Südsternwarte (Eso) am Mittwoch in Garching bei München mitteilte. Der sogenannte Quasar im Sternbild Löwe schleudert demnach jedes Jahr die Masse von rund 400 Sonnen ins All.

Dies tut er mit knapp 30 Millionen Kilometern pro Stunde. In diesem Materiestrom vereinten sich zwei Billionen Mal mehr Energie als unsere Sonne abstrahlt.

«Das entspricht immerhin dem 100-fachen der Abstrahlung der gesamten Milchstrasse - ein wahrhaft gigantischer Energieausstoss also», wird der Forschungsleiter Nahum Arav von der Technischen Universität von Virginia in Blacksburg (US-Bundesstaat Virginia) in der Mitteilung zitiert.

Quasare sind die extrem hell leuchtenden Zentren ferner, aktiver Galaxien. Astronomen gehen davon aus, dass es sich dabei um supermassenreiche Schwarze Löcher handelt. So ein gigantisches Schwarzes Loch verschlingt wie ein kosmischer Mahlstrom die Materie um sich herum, schleudert dabei jedoch einen Teil dieser Materie mit hoher Geschwindigkeit wieder ins All hinaus.

Jahrzehntelang danach gesucht

Bei dem Quasar mit der Katalognummer SDSS J1106+1939 entdeckte das Team um Arav mit dem Very Large Telescope der Eso einen Materiestrom, der mindestens fünfmal so stark ist wie der vorige Rekordhalter. «Damit ist es erstmals gelungen, einen Quasar-Materiefluss zu messen, der so hohe Energiemengen zeigt wie von der Theorie vorhergesagt», erläuterte Arav.

Alle zuvor beobachteten Quasar-Materieflüsse seien nicht so stark wie von Theoretikern erwartet. «Nach etwas Derartigem haben wir Jahrzehnte gesucht.» Die Forscher stellen ihre Beobachtungen in einer der kommenden Ausgaben des Fachblatts «The Astrophysical Journal» vor.

(sda)