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Zum Welt-Diabetes-Tag
14. November 2012 21:21; Akt: 15.11.2012 11:27 Print
Das traurige Schicksal von Kanadas Nomaden
Einst führten die Innu ein hartes, freies Leben als Nomaden. Seit sie zur Sesshaftigkeit gezwungen wurden, schnellte die Diabetes-Rate hoch – Folge von Fettleibigkeit, Alkoholismus und schlechter Ernährung.
Seit rund 8000 Jahren leben die Innu auf der Labrador-Halbinsel im Osten Kanadas. Früher waren die meisten von ihnen Nomaden oder Halb-Nomaden und durchstreiften auf der Jagd ihre raue Heimat, die sie Nitassinan («Unser Land») nannten. Ihre Lebensgrundlage bildeten Karibu-Herden, die jeweils im Frühjahr und Herbst durch ihr Gebiet wanderten. Vom Karibu bezogen die Innu fast alles, was sie benötigen: Nahrung, Kleidung, Werkzeuge, Waffen.
Bildstrecken Bedrohte VölkerDie Guaraní Welt-Diabetes-TagDer Welt-Diabetes-Tag wurde 1991 von der International Diabetes Federation (IDF) und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als weltweiter Aktionstag eingeführt, um auf die steigende Verbreitung von Diabetes mellitus aufmerksam zu machen. Er findet jedes Jahr am 14. November statt, dem Geburtstag von Frederick Banting, einem der Entdecker des Insulins. Seit 2007 ist der Welt-Diabetes-Tag ein offizieller Tag der UNO. Neben dem Welt-AIDS-Tag ist es der zweite offizielle Tag der UNO, der einer Krankheit gewidmet ist.
Die traditionelle Lebensweise der Innu begann sich zu ändern, als im 19. Jahrhundert christliche Missionare ins Land kamen. Auch der Kontakt zu weissen Pelzhändlern trug dazu bei: Nun jagten manche Innu nur noch wegen den Pelzen und wurden von den Handelsstationen abhängig, die ihnen Lebensmittel lieferten. In den Fünfziger und Sechzigerjahren intensivierte sich dieser Prozess. Die kanadische Regierung, unterstützt von der katholischen Kirche, zwang die Innu, sich in festen Siedlungen niederzulassen.
Depressionen und Diabetes
Zugleich wurden in der Innu-Region Bergbau-Minen angelegt und das Zentrum des Gebiets für Wasserkraftwerke überflutet, wie die Menschenrechtsorganisation «Survival International» moniert. 1999 rügte die Menschenrechtskommission der UNO Kanada für die «Auslöschung» der Rechte der Innu und bezeichnete die Situation der indigenen Völker als «die dringendste Frage, der sich die Kanadier gegenübersehen».
Die erzwungene Änderung der Lebensweise bekam vielen Innu nicht gut. Depressionen, Alkoholmissbrauch, Arbeitslosigkeit, Benzin-Schnüffeln bei Kindern, Gewalttätigkeiten und eine rekordhohe Suizidrate prägen seither das Leben in den Innu-Dörfern. Fettleibigkeit und Bewegungsmangel sorgten zusätzlich dafür, dass die Innu unter einer verheerenden Diabetes-Epidemie leiden.
Die Einwohner von Neufundland und Labrador – wo Nitassinan, die Heimat der Innu liegt – weisen die höchste Diabetes-Rate Kanadas auf. Gemäss «Survival International» beträgt der Anteil von Diabetes-Erkrankten im Innu-Hauptort Sheshatshiu 15 Prozent und in Natuashish 9 Prozent. «Wir wissen nicht, ob die höhere Rate darauf beruht, dass es mehr Diabetes gibt oder dass mehr getestet wird», sagt Dee-Dee Voisey vom Mani Ashini Health Centre in Sheshatshiu. «Andererseits sind viele Leute in beiden Siedlungen gar nicht getestet worden, darum vermuten wir, dass die wahre Rate bis zu 30 Prozent betragen könnte.»
«Die Kost der Weissen»
«Früher gab es in unserem Volk keinen einzigen Fall von Diabetes – zu der Zeit, als unsere Grosseltern das Land bewohnten, auf die Jagd gingen und gesunde Nahrung zu sich nahmen», sagt der junge Innu Michel Andrew, genannt «Giant». «Heute aber gehen nur wenige Familien aus meiner Gemeinde über Nutshimit [‹das Land›]. Stattdessen essen sie die Kost der Weissen aus der Konserve und trinken Alkohol», fährt Giant fort, der im Frühjahr 2012 einen 4000 Kilometer langen Fussmarsch durch Nitassinan vollendete, mit dem er auf diese Diabetes-Epidemie aufmerksam machen wollte (siehe Bildstrecke oben).
Zum Welt-Diabetes-Tag am 14. November erinnert auch «Survival International» an das Schicksal der Innu und ruft die kanadische Regierung dazu auf, ihre Einstellung zu Verhandlungen mit den Innu und ähnlichen indigenen Völkern neu zu überdenken.
Video: Ein Auschnitt aus der Dokumentation «Two Worlds of the Innu»
(Quelle: Survival International)
(dhr)

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