Urvogel

22. November 2012 12:50; Akt: 22.11.2012 12:51 Print

Der Archaeopteryx war flügellahm

Sie sind die Ahnen der Vögel: Die gefiederten Dinos. Der prominenteste unter ihnen, der Archaeopteryx, sah den Vögeln schon sehr ähnlich. Doch fliegerisch war er ihnen weit unterlegen.

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Der Archaeopteryx konnte zwar fliegen, dies aber deutlich weniger gut als seine modernen Nachfahren. Im Bild: Die Archaeopteryx-Fossilie, die zurzeit in Aathal ausgestellt ist (siehe Infobox).

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Bei den Flügeln des Archaeopteryx hat die Evolution noch geübt: Form und Struktur unterschieden sich deutlich von den ausgereiften Flügeln heutiger Vögel, waren aber dennoch schon geeignet, um damit zu fliegen. Das hat ein internationales Forscherteam festgestellt, als es die Fossilien mehrerer Urvögel und gefiederter Dinosaurier näher untersuchte. Demnach fehlten dem Archaeopteryx und dem gefiederten Dinosaurier Anchiornis die säuberlich gestaffelten Deck- und Schwungfedern heutiger Vögel.

Stattdessen lagen bei ihnen die sehr dünnen Federn in mehreren, fast gleichlangen Schichten übereinander, wie die Forscher im Fachmagazin «Current Biology» berichten.

Diese Struktur machte die frühen Flügel trotz der dünnen Federn tragfähig, erschwerte aber vermutlich Starts vom Boden aus und langsames Fliegen. Dies würde dafür sprechen, dass die ersten gefiederten Dinosaurier und Vögel zunächst von Bäumen aus durch die Luft glitten, bevor sie richtig fliegen lernten, sagen die Wissenschaftler.

«Der Vogelflügel ist eine der bemerkenswertesten Erfindungen der Natur», schreiben Nicholas Longrich von der Yale University und seine Kollegen. Aus den Vorderbeinen der Dinosaurier habe die Evolution innerhalb einiger Millionen Jahre eine hocheffiziente gefiederte Tragfläche gebildet.

Bisher sei man davon ausgegangen, dass auch die frühen Vögel schon ähnliche Flügel besassen wie die heutigen. Aber durch genaue Untersuchung der Fossilien ergebe sich nun ein anderes Bild.

Kein langsamer Flug möglich

An den Fossilien des Archaeopteryx lasse sich erkennen, dass dieser lange Deckfedern besass, die die Schwungfedern fast vollständig überdeckten. Anchiornis habe hingegen zahllose einfache, bandartige Federn, die sich dicht überlappten. «So etwas Ähnliches finden wir heute nur noch bei den Pinguinen», sagt Longrich.

Die Flügel beider Vogelvorfahren seien damit weder zum Spreizen noch zum Schrägstellen der Schwungfedern geeignet, was heutigen Vögeln den langsamen Flug ermöglicht.

«Wir können nicht davon ausgehen, dass diese Flügel schon so funktionierten wie diejenigen der heutigen Vögel», sagen Longrich und seine Kollegen. Stattdessen habe sich die Funktion der Flügel zusammen mit ihrer Struktur langsam weiterentwickelt - vom gefiederten Dinosaurier Anchiornis über den Archaeopteryx und seine Nachfahren bis hin zu den heutigen Vögeln.

(sda)