Dauerbrenner

13. Februar 2018 11:46; Akt: 13.02.2018 11:46 Print

Der B-52-Bomber soll weiterfliegen, bis er 90 ist

Vergangene Woche stellte eine B-52 in Afghanistan einen neuen Rekord auf. Nun wird die Flotte mit neuen Triebwerken für weitere 30 Jahre fit gemacht.

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Die achtstrahlige B-52 Stratofortress (Stratosphärenfestung) hob am 15. April 1952 erstmals ab und ist seit ihrer Indienststellung 1955 das Rückgrat der amerikanischen Bomberflotte. In seiner letzten Version B-52H ist der Bomber seit 1961 in Einsatz. Auch seine Triebwerke stammen von damals. Ihre Wartung wird zunehmend schwierig. Deshalb sollen die acht Triebwerke pro Flugzeug mit aktuellen Modellen, wie sie auch bei zivilen Flugzeugen zum Einsatz kommen, ersetzt werden. Die Air Force erhofft sich davon eine Treibstoffersparnis von 20 bis 40 Prozent. Ausserdem sollen die neuen Triebwerke mehr Strom für die Bordsysteme liefern. Kann die Finanzierung gesichert werden, sollen die Maschinen ab 2026 umgerüstet werden. So würden sie bis gegen 2050 einsatzbereit bleiben. Ein Blick zurück: Der Flugzeughersteller Boeing baute bis 1962 in seinen Werken in Seattle und Wichita total 744 B-52-Bomber. Die dabei gesammelten Erfahrungen nutzte Boeing später erfolgreich für den Bau von Passagierjets. Die B-52-Bomber sind seit Ende der 1950er-Jahre Teil der sogenannten nuklearen Triade der USA. So wird die Dreiteilung der nuklearen Abschreckung in landgestützte Interkontinentalraketen, U-Boot-gestützte Interkontinentalraketen und mit Kernwaffen bestückte Langstreckenbomber genannt. Die B-52 erreicht eine mit einem Verkehrsflugzeug vergleichbare Unterschallgeschwindigkeit, hat eine maximale Flughöhe von <nobr>16'000</nobr> Metern und einen Einsatzradius von mehr als 7000 Kilometern. Die Reichweite kann durch Luftbetankung deutlich erhöht werden. Die Luftbetankung ermöglichte es mehreren B-52 im Januar 1991, eine 35 Stunden dauernde Mission vom Luftwaffenstützpunkt Barksdale im US-Bundesstaat Louisiana in den Irak und zurück zu fliegen. Dabei legten die voll mit Munition versehenen Bomber eine Distanz von 22'500 Kilometern zurück. Im Vietnamkrieg wurden die B-52-Bomber für Flächenbombardements gegen Stellungen der Nordvietnamesen eingesetzt. Diese massiven Angriffe waren mitverantwortlich dafür, dass die USA in Indochina mehr als doppelt so viel Sprengstoff verfeuerten wie während des gesamten Zweiten Weltkriegs. 1991 kamen die B-52 im Zweiten Golfkrieg zum Einsatz. Rund 40 Prozent der gesamten Bombenlast, die die Koalitionstruppen auf den Irak regnen liessen, wurden von diesen US-Bombern abgeworfen. Der Abrüstungsvertrag START bedeutete eine Zäsur für die B-52. Das Abkommen mit der UdSSR verlangte eine drastische Reduktion der Liefersysteme für Kernwaffen. Hunderte B-52 wurden daraufhin auf einem Flugzeugfriedhof in Arizona zerstört und drei Monate liegen gelassen, damit russische Spionagesatelliten die Vernichtung überprüfen konnten. Mitte 2010 verfügten die USA beim luftgestützten Teil der nuklearen Triade noch über 360 Atombomben und -marschflugkörper, die auf 60 strategische Bomber, darunter auch B-52, verteilt waren. Während die B-52 bis heute nie ihren eigentlichen Einsatzzweck – den Abwurf einer Atombombe auf Feindesgebiet – erfüllen musste, erwies sie sich schnell als Allzweckwaffe der Air Force. Sie kann als einziger Bomber mit beinahe jedem Waffentyp bestückt werden. So kommt die B-52 bis heute immer wieder zum Einsatz. 1999 sorgte sie im Kosovokrieg für Zerstörung (Bild). Auch modernere Bomber konnten der B-52 in Sachen Vielseitigkeit, Einsatzbereitschaft und Betriebskosten bisher nicht das Wasser reichen. Im Bild: Die zurzeit von der US-Luftwaffe eingesetzten Langstreckenbomber B-52, B1-B und B-2 (von oben). Im Kampf gegen die Taliban in Afghanistan wird die B-52 seit 2001 nicht nur für Flächenbombardements, sondern auch für die Unterstützung des Erdkampfs mit Präzisionswaffen eingesetzt. Dank ihrer Fähigkeit, stundenlang über einem Gebiet zu kreisen und auf neue Ziele zu warten, ist sie für diese Aufgabe prädestiniert. Auch im Dritten Golfkrieg 2003 war die B-52 unverzichtbar. Erstmals feuerte sie im Kampf gegen Saddam Hussein auch Laserlenkwaffen ab. Um ihre Kampfbereitschaft zu erhalten, wurde die Himmelsfestung, von der heute noch 76 Maschinen des Typs B-52H im Einsatz sind, mehrfach modernisiert. Sie war 2006 auch der erste US-Militärjet, der zu Versuchszwecken mit einem alternativen Treibstoffgemisch flog, das zu 50 Prozent aus Kohle gewonnen worden war. Die USA wollen damit ihre Abhängigkeit von ausländischem Öl verringern. Neben der US-Luftwaffe nutzte auch die NASA über die Jahre drei Exemplare der B-52 als sogenannte Mutterschiffe, um allerlei Testflugzeuge und -raketen in die Luft zu bringen. Im Bild trägt die NB-52B, die von 1959 bis 2004 bei der Weltraumbehörde im Einsatz war, eine X-38 unter dem Flügel. Diesen Bombern ist es nicht gelungen, die B-52 abzulösen: Die B-58 (1969 bis 1970) ... ... die F-111 (1967 bis 1998) ... ... die B1-B (1986 bis heute) ... ... und die B-2 (1997 bis heute). Und so wird die B-52H nach heutigem Stand der Planung noch bis 2050 im Einsatz bleiben. Sollte sie dann tatsächlich in Rente gehen, hätte die Himmelsfestung sage und schreibe 90 Jahre Militärdienst auf dem Buckel. Das soll ihr mal jemand nachmachen. Der Vollständigkeit halber sei hier noch auf ein weiteres Bomber-Urgestein hingewiesen: den Langstreckenbomber Tupolew Tu-95 «Bear». Die erste Version wurde 1956 in der Sowjetunion in Dienst gestellt. Die russische Luftwaffe betreibt heute noch über 48 Tu-95MS und 12 Tu-95MSM.

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Als die ersten Exemplare des Bombers B-52H ausgeliefert wurden, war John F. Kennedy Präsident der Vereinigten Staaten. Seither kamen die auch Stratofortress (englisch für Stratosphärenfestung) genannten Flugzeuge in jedem Krieg der USA zum Einsatz. Zwar nagt der Zahn der Zeit an ihnen, doch für die USA sind sie noch für Jahrzehnte unverzichtbar. Denn ein angemessener Nachfolger ist weit und breit nicht auszumachen. Deshalb wird die B-52 nun mit neuen Triebwerken ausgerüstet.

Wie wichtig der Uralt-Bomber nach wie vor ist, zeigt eine Mitteilung der US-Streitkräfte in Afghanistan von letztem Dienstag. Demnach hat ein B-52-Bomber der Air Force in einer 96 Stunden dauernden Operation 24 präzisionsgelenkte Bomben (sogenannte Smart bombs) auf Stellungen der Taliban abgefeuert – ein neuer Rekord. Möglich machte das eine neue drehbare Abschussvorrichtung für acht Smart bombs, mit der die B-52 erst vor kurzem nachgerüstet worden war.

69'708 Dollar pro Flugstunde

Dank konstanter Weiterentwicklungen wie dieser kann sich die von 1960 bis 1962 gebaute B-52H bis heute gegen neuere Bombertypen behaupten. Die B-1B aus den 1980er-Jahren ist teurer im Betrieb und für weniger Waffentypen geeignet. Der Stealth-Bomber B-2A ist neben anderen Defiziten mit einem Stückpreis von rund einer Milliarde Dollar schlicht zu teuer, um die Stratofortress zu ersetzen.

Doch so unverzichtbar die 76 noch im Einsatz stehenden B-52H sein mögen, ein Problem lässt sich nicht wegdiskutieren. Bis heute fliegen sie mit ihren Originaltriebwerken vom Typ Pratt & Whitney T33-103. Sie sind längst nicht mehr auf dem Stand der Zeit, und ihr Unterhalt wird wegen fehlender Ersatzteile immer schwieriger, was hohe Kosten nach sich zieht. Eine B-52-Flugstunde kostet zurzeit 69'708 Dollar. Ohne Upgrade wird es für die Bomber ab 2030 kritisch.

Neue Triebwerke ab 2026

Jetzt will die Air Force handeln. Die B-52H-Flotte soll Triebwerke erhalten, wie sie auch von zivilen Flugzeugen genutzt werden. Sie sollen bei gleichbleibendem Schub 20 bis 40 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen und mehr Strom für die Bordsysteme liefern, wie «Popular Mechanics» schreibt. Verworfen wurde die Idee, die Zahl der Triebwerke von acht auf vier pro Flugzeug zu reduzieren. Zur Diskussion stehen Triebwerke von Pratt & Whitney, GE Aviation und Rolls-Royce.


Der Boeing-Werbefilm erklärt die Vorzüge neuer Triebwerke (Video: Boeing)

Läuft alles wie vorgesehen, sollen etwa im Jahr 2026 die ersten zehn Bomber mit den neuen Triebwerken ausgerüstet werden. Von 2028 bis 2034 sollen die restlichen 66 folgen.

Bis 2050

Und der Plan dürfte aufgehen. Denn das soeben veröffentlichte Budget für 2019 sieht für die Uralt-Bomber ein umfassendes Modernisierungsprogramm inklusive neuer Triebwerke vor. Der B-52-Flotte dürfte damit noch ein langes Leben beschieden sein, ganz im Gegensatz zu den beiden neueren B-1B und B-2A. Sie sollen ab 2025 ausser Dienst gestellt werden. Ihre Aufgaben soll der strategische Langstreckenbomber B-21 übernehmen, der zurzeit bei Northrop Grumman in Entwicklung ist.

Die B-52H wird dagegen bis mindestens 2050 weiterfliegen – und dann das für Flugzeuge biblische Alter von 90 Jahren erreicht haben.


Die B-52 in Aktion. (Video: Youtube/AiirSource Military)

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • s.h am 13.02.2018 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    interessant!

    Extrem spannender Artikel. bitte mehr davon!

  • SODUXX am 13.02.2018 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..Bombastisch..

    "Alles Gute kommt von oben"..wie die ISIS zu sage pflegt..

  • Roger Zürcher am 13.02.2018 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Evaluationskriterien

    Das Hauptproblem für einen fehlenden Ersatz ist die falschen Evaluationskriterien. Würde man einen Anforderungskatalog erstellen, wäre dieser 10'000 Seiten lang. Das Flugzeug das daraus resultieren würde, könnte entweder nicht mehr fliegen oder würde 1 Milliarde pro Stück kosten. Es fehlt wie so oft der Pragmatismus und die Vernunft. Ein Problem das bei vielen staatlichen Akteuern anzutreffen ist.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Flugzeug Fan am 14.02.2018 15:03 Report Diesen Beitrag melden

    ich mag Kampfflugzeuge

    aber man darf nicht vergessen, dass viele gute und unschuldige Menschen in ihren Alpträumen das Brummen dieses Flugzeugs hören.

    • Kurt am 14.02.2018 18:12 Report Diesen Beitrag melden

      Kleines Detail.

      Wer Kampfflugzeuge mag sollte sie doch locker von einem Bomber unterscheiden können.

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  • Flitzpiepe am 14.02.2018 07:37 Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Technikbegeisterte

    wenn ich die Kommentare hier lese drängt sich mir der Verdacht auf, dass man nicht wenige von Euch auch für das Dengue-Virus begeistern könnte - ist ebenfalls entwicklungsfähig, langlebig und ähnlich tötlich wie ein B52 Bomber.

  • Gondwana am 13.02.2018 20:04 Report Diesen Beitrag melden

    praktisch

    mit ein wenig gutem Willen kann man diese Kisten auch 200 Jahre fliegen lassen, muss ja nur Bomben fallen lassen sonst nix.

  • Realo am 13.02.2018 19:49 Report Diesen Beitrag melden

    In den USA wird Rüstungsmaterial

    bis zum äussersten wiederverwendet. So sind beispielsweise nach wie vor Panzer und Geschütze im Einsatz mit Bestandteilen aus dem 2. Weltkrieg. Die darauf spezialisierten Betriebe befinden sich meist in strukturschwachen Gebieten. Auf History Channel lief darüber vor etlichen Jahren einmal ein sehr informativer Beitrag.

    • Patrick am 14.02.2018 08:17 Report Diesen Beitrag melden

      In der Schweiz nicht anders

      Die Luftabwehr in der Schweiz ist auch aus den 60er Jahren und muss ständig weiter modernisiert werden, anstelle dass man den aktuellen Anforderungen entsprechend neue Systeme anschaffen würde. Über 30 Jahre gesehen sind solche Werterhaltungs-Massnahmen absolute Geldverschwendung...

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  • brro am 13.02.2018 18:17 Report Diesen Beitrag melden

    Oldie but goldie

    Unsere Arme hätte schon längst neue Bomber gefordert, sie braucht alle paar Jahre neue Jets, weil die Piloten neue Spielsachen brauchen, auch wenn man mit nur einem einzigen F35 etwa 200 Einfamilienhäuser kaufen könnte.

    • Heinrich Müller am 14.02.2018 13:19 Report Diesen Beitrag melden

      @brro

      Im Gegensatz zu anderen Staaten bombardieren wir aber nicht in fremden Ländern! Zudem finde ich es immer wieder erheiternd mit welchen sinnfreien Vergleichen LW-Gegner argumentieren.

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