Stephen Hawking

14. März 2018 18:26; Akt: 14.03.2018 19:45 Print

Schwarze Löcher verstand er besser als Frauen

Stephen Hawking glaubte weder an Gott, noch an ein Leben nach dem Tod. Mit Schwarzen Löchern kannte er sich besser aus als mit Frauen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein Leben nach dem Tod – daran glaubte Stephen Hawking nicht. Für ihn war das menschliche Gehirn ein Computer. Trotz schwerster Krankheit erfüllte er sich seine Träume und wurde zum Wissenschaftsstar.

Wenn Hawking etwas sagte, lauschte die Welt. Jahrzehntelang konnte sich der schwer kranke Astrophysiker aus Grossbritannien nur noch über einen Sprachcomputer mitteilen.

Astrophysiker Stephen Hawking ist tot

Doch das hielt ihn von hochkomplexen Themen nicht ab: Gibt es einen Gott? Ist noch anderes Leben im Universum? Kann die Menschheit auf einen fremden Himmelskörper übersiedeln, wenn die Erde unbewohnbar wird? Jetzt ist das Genie im Alter von 76 Jahren in Cambridge gestorben.

Er wollte ins All reisen

Ärzte hatten Hawking mit Anfang 20 vorausgesagt, dass er binnen drei Jahren an der Muskelschwäche Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) sterben werde – er lebte noch mehr als ein halbes Jahrhundert nach der Diagnose. Den Spass am Leben und Forschen liess er sich nicht nehmen.

Hawking bereiste die ganze Welt, darunter Russland, Japan und China, wie er in seiner Autobiografie «Meine kurze Geschichte» berichtete. Er ist U-Boot und Heissluftballon gefahren und hat einen Parabelflug in Schwerelosigkeit in einer umgebauten Boeing absolviert. Nur die ersehnte Reise mit einer Rakete ins All schaffte er nicht mehr.

«Es gibt kein Leben nach dem Tod»

Seine Krankheit trieb seinen Ehrgeiz an. Angst vor dem Tod hatte er nicht. Ein Jenseits allerdings hielt Hawking für ausgeschlossen.

«Ich sehe das Gehirn als einen Computer an, der aufhört zu arbeiten, wenn seine Einzelteile nicht mehr funktionieren», sagte er der Zeitung «The Guardian». «Es gibt kein Leben nach dem Tod für kaputte Computer; das ist ein Märchen für Leute, die Angst im Dunkeln haben.»

Menschen mit funktionierender «Hardware» sollten seiner Ansicht nach den grösstmöglichen Wert aus ihren Taten schöpfen. Für Hawking selbst bedeutete das, Licht ins Dunkel des Universums und unserer Herkunft zu bringen. Schwierigste Theorien machte er Laien verständlich; sein Buch «Eine kurze Geschichte der Zeit» (1988) wurde zum Bestseller.

Auf der Suche nach der Weltformel

In Wissenschaftskreisen fand seine Arbeit grösste Anerkennung. Er hatte drei Jahrzehnte den Lucasischen Lehrstuhl für Mathematik an der Uni Cambridge inne – und war damit ein Nachfolger Isaac Newtons.

Zu seinen bedeutendsten Erfolgen gehörte, dass er Anfang der 70er Jahre voraussagte, dass Schwarze Löcher – riesige, extrem massereiche Objekte im Kosmos – unter bestimmten Umständen Energie verlieren. In Anlehnung an Albert Einstein war er jahrelang auf der Suche nach einer Formel, mit der sich die widerstreitenden Theorien über Relativität und Quantenphysik zusammenfügen liessen.

«Archetypus eines behinderten Genies»

Was Hawking so faszinierend machte, war nicht nur seine Schwäche für die grossen Fragen der Menschheit. Es schien auch die Symbolik zu sein, die bei seinen Auftritten mitschwang: Er konnte nicht mehr ohne Hilfe schreiben, nicht sprechen – aber mit dem Kopf reiste er zu den Sternen.

«Ich bin der Archetypus eines behinderten Genies», sagte einmal. «Die Menschen sind fasziniert von dem Gegensatz zwischen meinen extrem eingeschränkten körperlichen Fähigkeiten und den gewaltigen Ausmassen des Universums, mit dem ich mich beschäftige.»

Studium in Oxford und Cambridge

Sein ungewöhnliches Leben wurde verfilmt: Der Brite Eddie Redmayne verkörperte das Genie in dem Film «Die Entdeckung der Unendlichkeit» – und bekam dafür 2015 einen Oscar.


Im Film «Die Entdeckung der Unendlichkeit» ist Stephen Hawking in seinen jungen Jahren zu sehen. (Video: Youtube)

In seinen letzten Jahren wurde Hawking immer mehr zum Mahner: Er warnte die Menschheit vor einem selbst verschuldeten Untergang, etwa durch die Erderwärmung oder künstliche Viren. Auch Maschinen traute er nicht – sie könnten eines Tages klüger werden als ihre Schöpfer.

«Star Trek» und «Simpsons»

Hawking entwickelte Ideen für eine Übersiedlung der Menschheit auf andere Himmelskörper. «Früher oder später müssen wir zu den Sternen schauen.» Gemeinsam mit dem russischen Milliardär Jurij Milner wollte er eine Armee winziger Raumfähren auf eine 20-jährige Reise schicken, um das Sternsystem Alpha Centauri auszukundschaften.

Das Weltall zog Hawking seit seiner frühesten Jugend an. Schon in der Schule hatte er den Spitznamen «Einstein». Nach dem Abschluss studierte er ein paar Semester Physik in Oxford, dann entschied er sich für ein Studium der Kosmologie in Cambridge.

Im Rekordtempo legte er eine wissenschaftliche Karriere hin, gründete eine Familie. Nebenbei wurde er eine Art Popstar der Wissenschaft, spielte sich selbst bei einem Auftritt in einer Folge von «Raumschiff Enterprise» und wirkte in der Zeichentrickserie «Die Simpsons» mit.

Frauen – «ein komplettes Rätsel»

Sein Privatleben war in seiner Heimat immer mal wieder auch für etwas Klatsch und Tratsch gut. 30 Jahre lang war er mit seiner Jugendliebe Jane verheiratet, mit ihr hatte er zwei Söhne und eine Tochter. Nach der Scheidung brachte sie Ende der 90er Jahre ein Buch heraus, in dem sie ihn als Haustyrannen beschrieb, den sie gelegentlich daran erinnern musste, dass er nicht Gott sei.

1995 heiratete Hawking seine ehemalige Pflegerin. Die Ehe hielt bis 2006. In einem Interview mit der Zeitschrift «New Scientist» sagte er auf die Frage, worüber er jeden Tag am meisten nachdenke: «Frauen. Sie sind ein komplettes Rätsel.»

In seiner Autobiografie kam Hawking zu dem Schluss, dass er trotz seiner Krankheit ein gutes Leben gehabt habe. «Ich war zweimal verheiratet und habe drei wundervolle, grossartige Kinder.»

(chk/oli/sda)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • kk8000 am 14.03.2018 06:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bewundertswert!

    Tyrann, Genie, aber auch nur ein Mensch. Ich finde es bewundertswert, was er trotz der tödlichen Diagnose ALS geleistet und für die Nachwelt geschaffen hat. Ruhe in Frieden.

    einklappen einklappen
  • Matty13 am 14.03.2018 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P

    Ein grosser Mann ist von uns gegangen. Ruhe in Frieden.

    einklappen einklappen
  • XRay am 14.03.2018 06:54 Report Diesen Beitrag melden

    Ruhe in Frieden

    Ruhe er in Frieden. Er war ein grosser Wissenschaftler und ein Vorbild für uns alle. Egal wie das Schicksal mit Dir umgeht... mache das Beste daraus und gib nie auf!

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • M. K: am 17.03.2018 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    Interessant, nicht wahr?

    Interessant ist doch vor allem, dass er in der Liste Epsteins ebenfalls eingetragen ist... Ehrt lieber die richtigen.

  • Öko Logisch am 17.03.2018 09:09 Report Diesen Beitrag melden

    Mensch unter Menschen

    Ich verstehe Menschen - manche zumindest. Bei anderen fällt es mir schwerer. Das hat allerdings nichts mit dem Geschlecht zu tun. Mich öden Machos an, die sich emanzipatorisch im Mittelalter bewegen. Mich öden Frauen an, die Emanzipation mit umgekehrtem Machotum verwechseln. Ich liebe Menschen, die nicht das Geschlecht, nicht die Herkunft, nicht den sozialen Stand, nicht die Religionszugehörigkeit, nicht die sexuelle Ausrichtung sehen, sondern den Menschen. Dafür muss man kein Genie sein. Wie ernst Hawking seine Aussage meinte, bleibt dahingestellt. Denn offensichtlich besaß er Humor.

  • Bud am 17.03.2018 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    was glauben Sie?

    ich glaube an Gott ,jedoch konnte noch niemand bewisen dass es Ihn giebt

    • A. Gnostiker am 17.03.2018 10:04 Report Diesen Beitrag melden

      sinnlose Diskussionen vermeiden

      Wieso sollte man glauben? Wieso immer diese Diskussion, ob es einen virtuellen Freund/Feind in irgendwelchen Himmeln gibt oder nicht? Das sind absolut irrelevante und nichtsnützige Gedankenspiele. Wir haben Probleme hier, zu Hauf: Gierige Leute, die alles an sich reissen, statistisch sehr schlechte Bildung weltweit und deshalb Überbevölkerung, Umweltverschmutzung à gogo, Armut wegen der Überbevölkerung, und Krieg wegen der Gierigen. DAS sind Themen, mit welchen man sich raschestmöglich befassen sollte. Archaische "Schöpfer-Wesen" sind Vergangenheit. Blicken wir Richtung vernünftiger Zukunft.

    • Tom am 17.03.2018 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @A.Gnostiker Nun!

      Wer 2018 immer noch der Meinung ist, der Glaube an Gott sei im Mittelalter stehen geblieben beim alten Mann mit weissen Bart, der hat schlicht eine Entwicklung der Menschen auf der spirituellen Ebene verpasst. Zu denken, dass sich Bildung, Wissenschaft und der Glaube an Gott widersprechen, der hat entweder eine rückständige Vorstellung davon was denn ein Glaube an Gott ist oder ist ganz einfach überheblich. Religion und Wissenschaft widersprechen sich in keinster Weise. Übrigens ist das Lösen deiner aufgezählten Probleme ein Anliegen jeder, sogar KernInhalt von Religion!

    einklappen einklappen
  • Bud am 17.03.2018 08:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    lesen sie die bibel?

    man wollte schon früher den Aposteln nichts glauben und vwrfolgte sie!

  • Mann am 17.03.2018 06:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht der einzige

    Nun, ich bin zwar kein Genie, aber auch mir sind die Frauen ein Rätsel.