Obamadon Gracilis

15. Dezember 2012 21:36; Akt: 15.12.2012 21:36 Print

Der US-Präsident als versteinertes Reptil

von Martin Suter - Wissenschaftler an der Yale-Universität haben eine längst ausgestorbene Eidechse nach Barack Obama benannt. Bereits tragen ein Fisch und eine Flechtenart den Namen des 44. Präsidenten der USA.

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Nicholas Longrich hat einen besonderen Grund zur Freude, als Barack Obama erneut zum US-Präsidenten gewählt wurde: Der Paläontologe an der amerikanischen Yale-Universität hat eine kleine, vor rund 65 Millionen Jahren ausgestorbene Eidechse Obamadon gracilis getauft. Zusammen mit Kollegen beschreibt Longrich die neu entdeckte Reptilienart diese Woche in einem Paper der Nationalen Akademie der Wissenschaften.

«Wenn die Wahlen anders ausgegangen wären, hätte ich den Namen geändert», sagte Longrich zur Zeitung «Boston Globe». «Sonst hätte es so ausgesehen, als machten wir uns darüber lustig – eine ausgestorbene Echse dann so zu nennen, wäre grausam gewesen.»

Longrichs Studie geht der Frage nach, in welchem Ausmass der Einschlag des massiven Chicxulub-Asteroiden vor 65,5 Millionen Jahren die Reptilienwelt dezimierte. Auf der Durchsicht von Fossilien in Museumssammlungen stiessen er und sein Team auf mehrere noch nicht beschriebene Arten. Laut «Globe» sei den Forschern eine wilde, Fleisch fressende Echsenart nicht präsidial vorgekommen. Aber die kaum 30 Zentimeter lange Eidechse mit einem schmalen Kinn schien ihnen passend für Obama.

Obama lässt sich gut lateinisieren

Dass ausgerechnet eine Echse den Namenszuspruch erhält, ist vor dem Hintergrund der US-Politik erstaunlich. Normalerweise werden die Republikaner mit ihren sozialpolitisch oft rückständigen Ansichten als politische Dinosaurier bezeichnet. Das Wahlergebnis mit dem Sieg Obamas lässt sie und nicht den Präsidenten als aussterbende Spezies erscheinen.

Doch «Obama» scheint sich einfach gut für lateinische Tiernamen zu eignen. Bereits ist ein auffallend bunter Springbarsch Etheosthoma obama getauft worden. Dieser lebt allerdings noch, wie auch seine vier Verwandten, die Etheostomae teddyroosevelt, jimmycarter, clinton und gore. Selbst in der Flora spielt der aktuelle US-Präsident den Namenspaten – allerdings für die wenig appetitliche, bräunliche Flechte Caloplaca obamae.

Anders als beim Fisch und der Flechte könnte bei der Eidechse das Aussehen als Inspiration für die Namensgebung gedient haben: Das Obamadon gracilis war schlank und dürfte sich vor Urzeiten ebenso elegant bewegt haben wie der US-Präsident heute. Auch für andere Tiertaufen war mitunter das Äussere der ausgewählten Celebrity ausschlaggebend. So sticht bei der Pferdebremse Scaptia (plinthina) beyonceae das prominente Hinterteil als gemeinsames Merkmal ins Auge, um nur ein Beispiel zu nennen. Bei einem US-Präsidenten genügt zur Rechtfertigung der Rang seines Amts. Da Obama nun vier weitere Jahre im Weissen Haus sein wird, dürfte sein Name noch vielen Wissenschaftlern zur Inspiration dienen.