Einbruchsopfer

26. November 2013 11:44; Akt: 27.11.2013 09:41 Print

Die Angst danach

von N.Jecker - Panikzustände, Schlaflosigkeit, Erschöpfung: Opfer von Einbrüchen leiden teils jahrelang. Die Uni Zürich will ihnen jetzt mit einem Selbsthilferatgeber zurück in den Alltag helfen.

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Sie dringen in die Wohnung ein, reissen Privates aus Schränken und Schubladen und nehmen sämtliche Wertgegenstände mit. Im Herbst sind im Schutz der Dunkelheit wieder vermehrt Einbrecher unterwegs. Dies zeigen Zahlen der Versicherungsgesellschaft Allianz. Jedes Jahr verzeichnet man dort direkt nach der Zeitumstellung auf einen Schlag rund 20 Prozent mehr Schadensmeldungen.

Auch laut dem Bundesamt für Statistik gibt es im November jeweils fast doppelt so viele Einbrüche wie etwa im Juli. «Wir stellen seit Beginn der Winterzeit einen starken Anstieg an Einbruchdiebstählen fest», sagt auch der Baselbieter Polizeisprecher Nico Buschauer. Im Jahresschnitt verschaffen sich in der Schweiz Kriminelle alle acht Minuten Zugang zu einer Wohnung oder einem Haus. Damit liegt die Schweiz, was Einbrüche angeht, europaweit auf Platz 1.

Jeder Fall hinterlässt Opfer, die teilweise noch lange danach darunter leiden. «Bei ihnen kommt es zu einer sogenannten Anpassungsstörung. Sie haben Mühe, sich an das Geschehene zu gewöhnen», sagt Rahel Bachem vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. «Diese Störung äussert sich unter anderem durch zwanghaftes Grübeln, grosse Ängste und Schlaflosigkeit in Verbindung mit Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten.» In manchen Fällen werde es so schlimm, dass die Betroffenen in ihrem Alltag stark eingeschränkt seien. So hätten einige Opfer Angst, das Haus zu verlassen. Andere trauten sich hingegen kaum mehr in ihre Wohnung und würden irgendwann sogar umziehen.

Selbsttest: Wie sehr leide ich?

Bachem hat nun einen Leitfaden erarbeitet für alle, die auch mehrere Wochen nach dem Einbruch noch unter solchen Symptomen leiden. Die Broschüre wurde in Zusammenarbeit mit der Versicherung Mobiliar entwickelt und bietet Betroffenen auf über 80 Seiten Informationen und praktische Hilfe. Rund drei Wochen nach einem Einbruch empfiehlt Bachem, den Selbsttest auf den ersten Seiten zu machen. Anhand von verschiedenen Fragen soll man herausfinden, wie stark einen das Erlebte belastet. Danach folgen konkrete Hilfestellungen. «Wir haben Anleitungen zu therapeutischen Übungen zusammengestellt, die etwa bei der Behandlung von Depressionen eingesetzt werden», so Bachem.

Caroline Wilhelm wurde vor rund zwei Jahren selbst Einbruchsopfer und hat lange unter einem Verlust des Sicherheitsgefühls gelitten. Seit diesem Herbst trägt sie auf www.einbruch-diebstahl.ch Infos und Adressen für andere Betroffene zusammen. Wilhelm hat Bachems Selbsthilfebuch zum Probelesen bekommen und findet die Idee sehr gut: «Es ist grundsätzlich hilfreich, wenn jemand in dieser Situation der Machtlosigkeit etwas Konkretes tun kann», sagt sie. Der Ratgeber sei ausserdem verständlich geschrieben und die Übungen sehr einfach durchzuführen. «Schliesslich muss aber jeder selbst einen Weg finden, das Erlebte so einzuordnen, dass es nicht überhandnimmt.» Wilhelm selbst hat das geschafft. «Auch wenn ich beim Heimkommen auch heute noch zuerst die Fenster und Türen kontrolliere, ist es keine Belastung mehr.»

Universität macht Studie mit Einbruchsopfern

Inwiefern der Ratgeber anderen helfen kann, will Bachem jetzt herausfinden. Sie führt eine Studie mit Betroffenen durch, bei denen der Einbruch zwischen drei Wochen und drei Monaten zurückliegt. Wer Interesse hat, kann sich beim Psychologischen Institut der Universität Zürich melden. «Wir möchten so erfahren, was wir noch verbessern könnten.» Die Studienteilnehmer erhalten ein Exemplar der Selbsthilfebroschüre.

Im Buchhandel gibt es sie bislang hingegen nicht. Die Mobiliar wird sie nach Einbrüchen bei Bedarf an ihre Versicherten verteilen. «Da die Opferhilfe in der Regel bei einfachen Einbrüchen nicht greift, gibt es hier eine Lücke im Service Public, die wir damit schliessen möchten», sagt Tanja Roth von der Mobiliar.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mäx Hasler am 27.11.2013 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schönfärberei

    Wir brauchen keine Belehrungen von Überstudierten. Wir brauchen wieder Grenzen die bewacht werden. Alles andere ist Schönfärberei.

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  • Hermann am 27.11.2013 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einbrecher

    Bei unserer jämmerlichen Gesetzgebung, ist immer der Einbrecher das Opfer. Warum kann der mich verklagen weil ich ihn KO geschlagen habe?

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  • Einbruchopfer am 27.11.2013 09:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unsere Menschenrechte

    Wo bleiben eigentlich unsere Menschenrechte? Wieso wird dem anständigen Bürger das Recht auf körperliche Unversehrtheit verwehrt, während die Rechte von Verbrechern immer mehr ausgebaut werden? Auf jeden Fall ein grosses Dankeschön an alle Kriminaltouristen, kriminellen Asylanten und ganz besonders denjenigen, die tagtäglich behaupten, solch kriminelles Verhalten wäre ein Menschenrecht!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • stee am 27.11.2013 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schrecklich

    ich habe schon nur angst, ohne das bei mir eingebrochen wurde :(

  • hobbyist am 27.11.2013 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    desinteresse der polizei

    in meinem hobbyraum wurde eingebrochen, da wir alle sofort wussten wer es war, gaben wir der polizei gleich hinweise. sie brauchte fast eine woche um den täter aufzuschen und deshalb fand mann nichts, danach hörten wir 1 jahr lang nichts. als die versicherung endlich die protokolle bekam wurde unser geld überwiesen und dass nachdem wir 100mal der polizei angerufen haben. unterem strich erfuhren wir sehr viel desinteresse seitens der polizei.

  • Hape S. am 27.11.2013 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    Lebenslang gezeichnet !

    So hat es meine Mutter vor 20 Jahren erlebt und ist heute noch traumatisiert vom Erlebnis, dass die Einbrecher noch im Haus waren, als sie heimkam. Als Steuerzahlerin hat sie jedoch keine psychologische Hilfe erhalten und leidet heute noch als 83 jährige unter Angstzuständen während Kriminelle wie wir alle wissen mit 29'000 Franken pro Monat verwöhnt werden. Dies ist die Tatsache, die man unseren linken Politikern um die Ohren schlagen sollte....

  • Antonio Giovenni am 27.11.2013 10:30 Report Diesen Beitrag melden

    Null Toleranz

    Nach 5 !! Einbrüchen habe ich genug und werde mich lieber vom Opfer zum Täter degradieren aber in Zukunft gibts für Einbrecher bei mir probleme die sie nicht mehr so schnell lösen können. Ich bin jetzt ausgerüstet. Da halte ich mich an die Politikersprüche Null Toleranz mal sehen was in so einem Fall die Richter urteilen. Es kann nicht sein dass man seine Familie und Besitz nicht verteidigen darf. ich werde es jetzt tun.

    • Marco am 27.11.2013 11:50 Report Diesen Beitrag melden

      Richtige Einstellung

      Bravo Sie haben es begriffen.

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  • Mäx Hasler am 27.11.2013 10:12 Report Diesen Beitrag melden

    Schönfärberei

    Wir brauchen keine Belehrungen von Überstudierten. Wir brauchen wieder Grenzen die bewacht werden. Alles andere ist Schönfärberei.

    • dhm am 27.11.2013 12:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      JA!!!

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