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Ewige Liebe
09. Februar 2012 22:34; Akt: 10.02.2012 13:04 Print
Die Formel für eine glückliche Beziehung
von Zora Schaad - Der Schweizer Psychologe Dominik Schöbi hat jahrelang an der Formel für eine glückliche Beziehung geforscht. Im Interview verrät er das Geheimnis der ewigen Liebe.

Dominik Schöbi (l). Einige Regeln beachten und das ewige Glück leben. (Bild: Colourbox)
Herr Schöbi, in Zusammenarbeit mit Forschern von der University of Los Angeles haben Sie 172 Ehen 11 Jahre lang betrachtet. Was ist das Geheimnis einer guten Beziehung?
Es gibt verschiedene Zutaten für eine glückliche Beziehung. Ausschlaggebend ist die Einstellung zur Beziehung, das so genannte «Commitment».
- Kompromisse vorschlagen
- Versuchen, die Sichtweise des Partners einzunehmen
- Jeden Tag etwas für die Beziehung tun
Dont’s
- Verallgemeinerungen vermeiden. Sätze wie «Du machst immer...» sind Gift
- Über den Partner, statt über sich selber zu sprechen. Statt «Du solltest...» besser sagen «Mir fehlt manchmal, dass...»
- Banalitäten aufbauschen
Was ist «Commitment»?
«Commitment» bedeutet, dass man sich einer Beziehung verpflichtet fühlt, sich dafür engagiert. Je mehr man sich engagiert und die Beziehung als verbindlich empfindet, umso besser stehen die Chancen auf eine lange, zufriedene Beziehung und umso geringer ist das Risiko einer Trennung. Wichtig ist, dass «Commitment» auch dann gelebt wird, wenn es in der Beziehung Probleme gibt – und zwar von beiden Partnern. Opfer zu bringen und Kompromisse einzugehen gehört dazu.
Das tönt aber anstrengend...
Beziehungen sind manchmal anstrengend. Es fällt leichter, wenn man sich als Teil des Beziehungsgefüges sieht und die Opfer nicht nur für den Partner, sondern auch für sich bringt.
Wir sind doch Individualisten...
Der Individualismus arbeitet einer glücklichen Beziehung entgegen. Man muss sich fragen, ob die Beziehung der richtige Ort ist, um Individualität zu leben. Beziehungsweise sollte man versuchen, ein Individuum zu sein, ohne sich als Einzelkämpfer zu fühlen.
Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Auf die Beziehung gemünzt: Wenn es nicht rundläuft, kann ich meinen Partner doch einfach austauschen.
Die Beziehung als Konsumgut zu sehen, schadet enorm. Diese Haltung führt dazu, dass viele Beziehungen leichtfertig fallen gelassen werden. Schon wenn nur ein Partner so denkt, lässt dies das Trennungsrisiko markant steigen.
Kommen wir zu Alltagssituationen aus der Sicht einer Frau: Mein Mann überlässt mir den Grossteil der Hausarbeit, das macht mich rasend. Was tun?
Es ist klar, ungeliebte Aufgaben müssen ausgehandelt werden. Fühlt sich ein Partner ungerecht behandelt, sollte er dies ansprechen. Die Frage ist aber, wie: Wichtig ist, auf Vorwürfe zu verzichten und verallgemeinernde Sätze wie «Du rührst nie einen Finger im Haushalt» zu vermeiden.
Ich möchte gerne möglichst viel gemeinsam unternehmen, aber er ist gerne alleine oder mit seinen Kumpels weg.
Auch hier geht es darum, wie man miteinander spricht und wie man seine Bedürfnisse mitteilt. Der Satz «Ich habe Lust, etwas mit dir zu unternehmen», ist viel Erfolg versprechender als ein klagendes «Nie machst du etwas mit mir!» Daneben ist es wichtig, dass sich die Partner bewusst sind, dass das Bedürfnis nach Freiraum unterschiedlich ausgeprägt ist.
Ich glaube, seine Freunde mögen mich nicht. Er dagegen hat keine Lust, mit meinen Freundinnen auszugehen.
Das ist ein vertracktes Problem. Auf keinen Fall sollte man es so weit kommen lassen, dass ein Partner zwischen seinen Freunden und der Beziehung wählen muss. Wieder ist es essenziell, dass beide Partner über die Bedürfnisse des anderen Bescheid wissen. Und es macht Sinn, auch mal über den eigenen Schatten zu springen und einem Abend mit ihren Freundinnen zuzustimmen, auch wenn man keine Lust hat. «Commitment» bedeutet eben auch «Ja» sagen, im Kleinen, Tag für Tag.
Wir haben kleine Kinder. Da bleibt wenig Zeit für Romantik und tiefe Gespräche.
Einerseits macht es Sinn, sich trotz der vielen Belastungen Zeit zu nehmen, andererseits sollte man versuchen, flexibel zu bleiben. Romantik funktioniert nicht auf Knopfdruck und gute Gespräche oder Zärtlichkeiten können auch im Alltag stattfinden, etwa während man Wäsche aufhängt. Kinder zu haben und Nähe zu leben, schliesst sich nicht aus.
Ich arbeite Teilzeit und bin finanziell von meinem Mann abhängig. Das ist nicht einfach...
Ein schwieriges Thema. Selbst wenn man sich als Team sieht und das Einkommen der Partner als gemeinsames Geld versteht und verwaltet, bleiben in unserer Gesellschaft Status und Einkommen eng miteinander verknüpft. Es ist nicht einfach, sich davon zu distanzieren. Hilfreich ist es, kritische Situationen zu vermeiden, zum Beispiel darauf zu schauen, dass nicht der Besserverdienende ständig die Kontrolle über die Finanzen hat. Ideal wäre ein gesellschaftliches Umdenken...
Ich bin ziemlich eifersüchtig. Es macht mich wahnsinnig zu wissen, dass mein Mann mit jungen, attraktiven Frauen zusammenarbeitet.
Eifersucht gibt es, seit es Beziehungen gibt. Auf der einen Seite bedeutet Eifersucht, dass einem der Partner nicht egal ist. Die Knacknuss ist der Umgang damit: Ständiges Kontrollieren zeigt, dass man dem Partner nicht vertraut. Besser ist es, dem Partner gegenüber seine Gefühle einzugestehen und im Gespräch Vertrauen aufzubauen.
Manchmal fühle ich mich vernachlässigt und habe Lust auf einen Seitensprung. Soll ich das ausleben oder bedeutet es das Ende der Beziehung?
Für die meisten Beziehungen bedeutet ein Seitensprung eine enorme Gefahr. Es ist sehr schwierig, eine Beziehung nach einem Seitensprung wieder einzurenken. Selbst wenn man dem Partner vergibt, kommt das Thema in Stresssituationen häufig wieder ans Tageslicht. Ein Seitensprung ist ein klassisches Beispiel von «Non-Commitment».
Und typische Probleme aus der Sicht eines Mannes: Meine Frau hat kein Verständnis dafür, dass ich keine Lust auf stundenlange gemeinsame Shoppingtouren habe.
Es ist wichtig, einen Kompromiss zu finden, zum Beispiel nicht allzu lange oder nicht allzu oft auf Shoppingtrip zu gehen. Wenn ich weiss, dass meine Frau es wahnsinnig schätzt, wenn ich sie zum Einkaufen begleite, fällt es leichter. Zudem sollte der Mann seiner Frau mitteilen, dass die Unlust am Shopping nicht eine Ablehnung ihrer Person bedeutet.
Sie findet, ich verbringe zu viel Zeit im Büro. Aber dass ich damit den Hauptteil zum Familieneinkommen beisteure, scheint sie zu vergessen.
Es hilft, wenn die Frau weiss, dass der Partner sich auch der Familie zuliebe so stark engagiert. Der Mann sollte klar kommunizieren, dass er nicht aus Abneigung der Familie gegenüber so viel arbeitet, sondern vielleicht gar keine andere Wahl hat. Hilfreich ist auch, die Übergänge zwischen Arbeits- und Familienzeit gut zu gestalten. Man kann sich schon vor dem Zusammenkommen überlegen, was für einen Tag der Partner wohl erlebt hat.
Wenn es nach meiner Frau ginge, müsste im Haushalt immer alles vor Reinheit strahlen. Mir ist das zu penibel. Jetzt nörgelt sie ständig.
Das Nörgeln ist Ausdruck eines Änderungswunsches. Zahlreiche Studien belegen, dass Frauen mehr Änderungswünsche haben als Männer. Die Gefahr besteht, dass Nörgeleien in Eskalationen münden. Statt zu nörgeln, kann man die störenden Punkte aufschreiben – dabei merkt man, welche banal und welche essenziell sind. Es lohnt sich nicht, abendfüllende Diskussionen über herumstehende Kaffeetassen zu führen – diese Energie sollte man besser in die wirklich wichtigen Anliegen investieren.
Ich möchte gerne einen Hund. Meine Frau fürchtet sich vor Schmutz und zusätzlicher Arbeit.
Ein Klassiker, dass sich die Frau für den Schmutz verantwortlich fühlt. Diese Frage ist schwierig, weil es keinen Mittelweg gibt. Man muss sich irgendwie einigen und den Entscheid dann unbedingt als gemeinsame Wahl wahrnehmen und tragen. Vielleicht hilft es, sich zu fragen, für wen das Abweichen von der eigenen Position einfacher geht bzw. schlimmer ist.
Am Abend und am Wochenende hänge ich am liebsten im Trainer vor dem Fernseher. Meine Frau findet, ich lasse mich gehen.
Das ist ein typischer Anlass zur Nörgelei. Hier gilt:
1. Sich bewusst werden, dass das Anliegen eigentlich banal ist.
2. Auf eine nicht anklagende Weise mitteilen, dass es einen stört.
3. Kreativ sein bei der Suche nach einem Kompromiss: Weniger oft im Trainer lümmeln, gemeinsam vor der Glotze hängen oder einen schöneren Trainer kaufen.
Vom Schnupfen der Kleinen über die Probleme mit ihrer Arbeitskollegin bis zur neuen Folge von «How I met your mother»: Meine Frau will immer alles haargenau besprechen.
Es ist erwiesen, dass Frauen nicht mehr sprechen als Männer. Aber sie reden eher über Beziehungsthemen und Gefühle. Auch hier gilt es, einen Weg zu finden, wie und wie lange man darüber spricht und Verständnisse für die Bedürfnisse des Partners einzubringen. Wenn es dem Mann zu viel wird, kann er zum Beispiel sagen: «Ich würde gerne etwas mehr darüber sprechen, wenn ich weniger müde bin, momentan dreht sich mir schon alles.»
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Alle 71 Kommentare




























Erwartung
Mann wird nur entäuscht wenn die Erwartung zu hoch war!!! Also an seinen Erwartungen arbeiten- nur einfach ist das nich! bin seit 20 Jahren daran! aber oft hilft sehen was man hat- und nicht was man nicht hat ! toi toi an alle
Wertschätzung
Geht es doch einfach um die Wertschätzung seines Weggefährten. An einer Beziehung muss und darf man(n und Frau) immer Arbeiten.
Was ist Liebe?
Wie soll man 'Liebe' messen? Wie soll ein Gefühl für eine Studie messbar gemacht werden? Die Studie baut auf Fassbarem, Verwertbarem auf und nicht auf einem Gefühl, das für denen ein anderes ist. (Oft wird Liebe eh mit Verliebtheit verwechselt.) Was ist Liebe? Für mich ist es ein Gefühl von inniger, trotzdem verspielter und unumstösslicher Zusammengehörigkeit. Also währt Liebe auch dank Verpflichtung. Verliebtheit ist vielleicht nur die "Vorstufe", dann kommt die schöne Verantwortung das "Pflänzchen Liebe" mit Fürsorge, Verspieltheit, Verantwortung im Interesse beider zu pflegen: Commitment!