Vom Aussterben bedroht

13. April 2018 15:49; Akt: 13.04.2018 15:49 Print

Zeit, der Punk-Schildkröte Lebewohl zu sagen

Ein grüner Iro, ein Goatee am Kinn und das Talent, mit dem Popo zu atmen: Die Mary-River-Schildkröte ist speziell. Die Frage ist nur: Wie lange noch?

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Weil die mit ihrer Algen-Frisur früher als Haustier sehr beliebt war, steht sie nun kurz vor dem Aussterben. Die Zoologische Gesellschaft von London (ZSL) listet sie neu auf dem 29. Platz in der sogenannten Edge Reptiles List. Welche Reptilien noch bedrohter sind, zeigen die folgenden Bilder. Die Lücken in der Aufzählung rühren daher, dass manche Tiere so selten sind, dass es noch nicht einmal vernünftige Aufnahmen von ihnen gibt. Zudem teilen sich mehrere Tiere einen Platz. Auf Platz 20: Die . Ursprünglich kam sie in Südchina und Nordvietnam vor, wo sie in Flüssen, Feuchtgebieten und Seen lebte. Doch Flussregulierungen, Dammbauten und Jagd haben ihr zugesetzt. Es wird vermutet, dass es weltweit nur noch drei Exemplare gibt. Genauso schlecht steht es um die , die ebenfalls auf Platz 20 landete. Mit ihren im Schnitt 1,20 Meter Länge und einem Gewicht von bis zu 254 Kilogramm gilt sie als die grösste Süsswasserschildkröte der Welt. Die , Platz 19) kommt in den Flüssen Neuguineas und Nordaustraliens vor. Sie kann bis zu 50 Zentimeter lang werden. Ihr Panzer hat noch alle Platten, aber keine Hornschilde mehr. Stattdessen ist er auf der Oberseite mit einer lederartigen Haut überzogen. Bei der heisst es «Nomen est omen»: Die Tiere, die auf Platz 18 landeten, haben einen grossen Kopf, den sie nicht vollständig in den Panzer zurückziehen können. Deshalb reagieren sie bei Angriffen auch aggressiv. Trotzdem sind sie vom Aussterben bedroht. Die lebt in Kolumbien – noch: In den letzten 25 Jahren ist ihr Bestand um 80 Prozent zurückgegangen. Verantwortlich dafür sind vor allem der Verlust des Lebensraums, Jagd und der Glaube, Teile von ihnen könnten Frauen helfen, sich nach einer Schwangerschaft schneller zu erholen. Seine scharfen Zähne konnten nicht verhindern, dass die Zahl derimmer weiter zurückgeht. Früher fand man das Krokodil von Pakistan bis Burma sowie in allen grossen Flüssen Indiens. Das heute nur noch in Nepal und im Norden Indiens lebende Tier belegt Platz 16. Die zählt zu den Meeresschildkröten und landet in der Edge-Liste auf Platz 15. Sie wurden früher aufgrund ihres Fleisches, ihrer Eier und besonders wegen des Schildpatts intensiv bejagt. Der Bestand der nur in Madagaskar lebenden wird auf nur wenige tausend Exemplare geschätzt – Platz 11. Sie ist durch den Fang zum Zweck der Terrarienhaltung bedroht. In der EU gibt es mittlerweile ein Importverbot für die Flachrückenschildkröte. Genauso schlecht gestellt ist es um die , Platz 11). Sie steht kurz vor der Ausrottung. Vor allem die Zerstörung oder die starke Fragmentierung ihres Lebensraums haben der Art in den letzten Jahrzehnten stark zugesetzt. Ausserdem ist sie ein beliebtes Haustier. Auch die ist auf Madagaskar zu Hause. Und auch sie landet auf der Edge-Liste auf Platz 11. Grösste Bedrohung für sie sind das Bejagen, die Habitatzerstörung durch Abholzen, Überweidung und Holzkohleherstellung. Laut Weltnaturschutzorganisation IUCN wird die Art in etwa 45 Jahren ausgestorben sein. Noch schlechter steht es um die Flache Moschusschildkröte (Sternotherus depressus), die in den Südstaaten der USA lebt: Platz 10. Sie hat in ihrer gesamten Geschichte bereits rund 90 Prozent ihres Lebensraums verloren und ist nur im Bundesstaat Alabama geschützt. Viel Zeit, die , Platz 7) live zu sehen, bleibt laut ZSL nicht mehr. Das hat mehrere Gründe. Das Verbreitungsgebiet ist eingeschränkt und wird durch Landwirtschaft, Stadtentwicklung und Industrie immer kleiner. Hinzu kommt die Bejagung durch Füchse und andere Tiere, Buschfeuer, die Trockenlegung von Feuchtgebieten, eine spezielle Lebensweise, geringe Fruchtbarkeit und langsames Wachstum. Die , die ausschliesslich auf der Insel Roti in Ostindonesien lebt, wurde erst im Jahr 1994 als eigene Art beschrieben und gilt bereits als stark gefährdet (Platz 6). Das Besondere an ihr: Panzer und ihr S-förmiger Hals sind etwa gleich lang. Dank der Krümmung kann sie den Hals unter dem Panzer bewegen. Die gehört nicht nur zu den seltensten Reptilienarten überhaupt, sondern ist selbst auch selten geworden. In freier Wildbahn kommt sie nur an zwei Orten vor. Im chinesischen Autonomen Gebiet Guangxi leben etwa 600 Tiere, in Vietnam werden nochmal rund 400 Exemplare vermutet – Platz 5. Der gilt als vom Aussterben bedroht (Platz 4), da er wegen seines Leders, seines Fleisches und als Souvenir jahrelang intensiv bejagt wurde und illegal teilweise immer noch gejagt wird. Zudem ist er aufgrund der Zerstörung seiner Lebensräume bedroht. Weltweit leben noch 120 Exemplare in freier Wildbahn. Die , die in der Edge-Liste Platz 2 belegt, ist in Mittelamerika von Südmexiko bis nach Nordhonduras verbreitet. Sie ist vom Aussterben bedroht, weil ihr Fleisch und ihre Eier sehr beliebt waren und die Tiere deshalb überjagt wurden. Wie viele Exemplare es noch gibt, ist unklar. Trauriger Spitzenreiter ist die . Es wird geschätzt, dass die Population in den letzten drei Generationen (75 Jahre) um 80 Prozent zurückgegangen ist – einerseits weil sie als Delikatesse galt, andererseits weil ihr der Lebensraum genommen wurde.

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Die australische Mary-River-Schildkröte macht nicht nur wegen ihrer kuriosen Besonderheiten von sich reden, sondern auch weil sie kurz vor der Ausrottung steht. Zusammen mit Dutzenden anderen Arten wurde sie diese Woche auf die Liste der akut vom Aussterben bedrohten Reptilien aufgenommen (siehe Bildstrecke).

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Nach Einschätzung der Zoologischen Gesellschaft von London (ZSL) steht die Existenz der Mary-River-Schildkröte wie die von rund hundert weiteren Reptilien auf der Kippe. Die Schildkröte lebt ausschliesslich im namensgebenden Mary River im nordaustralischen Bundesstaat Queensland.

Einst als Haustier gehalten

Viele dieser Schildkröten tragen eine struppige grellgrüne Frisur. Dabei handelt es sich allerdings nicht um Haare, sondern um Algen. Die Pflanzen wachsen auf dem Kopf der Schildkröten, weil diese so viel Zeit unter Wasser verbringen. Dies führe mitunter zu «einigen ganz schön eindrucksvollen hellgrünen Frisuren», sagte Rikki Gumbs, der an der Erstellung der Liste mitgewirkt hatte, der Nachrichtenagentur AFP.

Eine weitere kuriose Eigenheit der Mary-River-Schildkröte sind spezielle Drüsen an ihrer Kloake, also dem Körperausgang für die Verdauungs- und die Geschlechtsorgane. Diese Drüsen erlauben es dieser Schildkrötenart, unter Wasser zu atmen. «Diese Schildkröte kann so lange Zeit – bis zu drei Tage – unter Wasser verbringen, ohne Luft zu holen, wegen ihrer seltsamen Fähigkeit, mit ihrem Popo zu atmen», fasste es Gumbs zusammen.

Nach Angaben des australischen Umweltministeriums hängt das allmähliche Verschwinden der Mary-River-Schildkröte damit zusammen, dass sie in den 70er- und 80er-Jahren ein beliebtes Haustier war. Erst 1994 wurde sie als eigene Art anerkannt. Als weitere Gründe nennt Londons Zoologische Gesellschaft die Zerstörung ihres Lebensraums sowie die Tatsache, dass diese Schildkrötenart sich sehr spät vermehrt. Frühestens mit 25 Jahren ist die Mary-River-Schildkröte geschlechtsreif.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Sonderegger am 13.04.2018 16:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Leben

    auf der Erde muss dem Menschen weichen. Ein weiteres Armutszeugnis. Auch wir kommen auf die Liste wenn es so weiter geht

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  • Duki am 13.04.2018 15:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir kommen auch noch dran

    Nicht trauern den irgend wan sind wir menschen selber dran uns selber lebewohl zu sagen.

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  • Uschi am 13.04.2018 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schildkrötli

    Sieht süess aus und auch so besonders die Mary-River Schildkröte, habe ich nie gesehen und es solche Tiere gibt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Liam am 14.04.2018 11:36 Report Diesen Beitrag melden

    April

    Der 1. April ist doch schon vorbei

  • Ronny L. am 14.04.2018 11:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles muss weg

    Der Mensch frisst alles auf bis nix mehr da ist zum fressen.Spätestens dann werden alle zu Kanibalen.

  • R.E. am 14.04.2018 10:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer als der Klimawandel

    Anscheinend ist der Mensch für die Ausrodung der Tierarten nach wie vor schlimmer als der Klimawandel. wenn wir uns da nur etwas Zusammenreissen würden, könnte man vermutlich beides verbessern.

    • Paul am 14.04.2018 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      Warum schlimmer?

      Der Klimawandel trägt dazu bei, dass Tierarten aussterben. Weil ihr Lebensraum verlorengeht, oder sie durch andere Tierarten verdrängt wird.

    • erklärbär am 14.04.2018 13:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @R.E.

      bäume kann man roden.. tiere rottet man aus.

    • Marie Müller am 14.04.2018 14:25 Report Diesen Beitrag melden

      Genauso schlimm?

      Der Klimawandel wird durch den Menschen verursacht - also gibt es nicht schlimmer oder weniger schlimm, der Mensch ist einfach an all diesem Elend schuld.

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  • Rentner am 14.04.2018 09:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..........

    Ich gebe es zu.Wir sind zu viele Menschen.Aber bevor man über Abtreibung und Kindsmord redet ,sollte man sich überlegen ,wieviele Rentner es gibt.Wer zahlt denn für die? Da werden Generationen fehlen,die für die AHV einzahlen.

    • Roland S. am 14.04.2018 09:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rentner

      Am Ende werden auch sie merken dass Geld nur der Mensch braucht , das ist doch kein Grund sich ungehemmt zu vermehren bis es nicht mehr weitergeht. Übervölkerung ist die grösste Gefahr für die Erde.

    • P. Schweizer am 14.04.2018 09:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rentner

      Es gibt genug andere Möglichkeiten der Renten Finanzierung. Man muss nur wollen. Die Gesellschaft zu vermehren bis zum Erstickungs Tod ist einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig.

    • bebbeli am 14.04.2018 11:39 Report Diesen Beitrag melden

      Rentner

      He - wir Rentner haben seit Jahren viel Geld einbezahlt, um jetzt eine Rente zu erhalten. Warum wollen Sie uns das vergönnen? Auch wir wollen leben.

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  • e.g. am 14.04.2018 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    so schade

    Besser wäre, wenn wir auch 25 j werden müssten um uns fortzupflanzen....

    • Reali Täter am 14.04.2018 09:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @e.g.

      Richtig. Viele junge Frauen werden unüberlegt schwanger und landen dann als Allein-Erziehende in der Sozialindustrie. Jö, bist du ein Herziger, ich möchte ein Kind von dir Mentalität. (Puppen Ersatz).

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