Inzucht

19. Dezember 2013 11:20; Akt: 19.12.2013 12:45 Print

Urmenschen paarten sich in der Familie

Neandertaler waren nicht wählerisch in ihrem Sexleben. Sie machten es mit engen Verwandten – und auch mit anderen Unterarten der Urmenschen, wie deutsche Forscher entdeckt haben.

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Nachgebildetes Neandertaler-Paar im Neandertal-Museum in Mettmann, Deutschland. (Bild: Keystone)

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Die Neandertaler in Sibirien haben vor rund 50'000 Jahren Nachkommen auch mit engeren Verwandten gezeugt. Das fanden Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig heraus. Sie stützen ihre Aussagen auf die Untersuchung von DNA, die aus einem Zehenknochen einer Frau gewonnen wurde. Demnach waren die Eltern dieser Frau nahe Verwandte. Ihre Studie veröffentlichten die Experten im britischen Journal «Nature».

«Wir führten verschiedene Inzuchtszenarien am Computer durch und entdeckten, dass die Eltern dieser Neandertalerfrau entweder Halbgeschwister mütterlicherseits, Grosscousin und Grosscousine, Onkel und Nichte, Tante und Neffe, Grossvater und Enkelin oder Grossmutter und Enkelsohn gewesen sein müssen», sagte Populationsgenetiker Montgomery Slatkin von der Universität von Kalifornien in Berkeley, der einen Teil der Genom-Analysen leitete. Weitere Untersuchungen ergaben, dass die Populationen der Neandertaler klein waren und Inzucht möglicherweise häufig vorkam.

1,5 bis 2,1 Prozent Neandertaler

Russische Wissenschaftler hatten den winzigen Knochen im Jahr 2010 in der Denisova-Höhle im sibirischen Altaigebirge ausgegraben. Untersuchungen hatten bereits eine enge Verbindung zwischen Neandertalern und dem modernen Menschen ergeben.

Das Neandertaler-Genom bringe nun präzisere Erkenntnisse über die Verwandtschaftsverhältnisse zwischen Neandertalern und heute lebenden Menschen sowie ausgestorbenen Menschengruppen, erläuterte Kay Prüfer vom Max-Planck-Institut. «Ein Anteil von etwa 1,5 bis 2,1 Prozent im Genom von heute ausserhalb Afrikas lebenden Menschen stammt vom Neandertaler.»

Einfluss des Homo erectus

Die neuen Daten zeigten zudem, dass etwa 0,2 Prozent im Genom heute lebender Festland-Asiaten und amerikanischer Ureinwohner auf den Denisova-Menschen zurückzuführen seien. Diese ausgestorbene Gruppe ist mit den Neandertalern verwandt. Hochwertige Genom-Sequenzen ergaben nach Angaben des Forschers ausserdem: Das Genom des Denisova-Menschen unterscheidet sich vom Neandertaler-Genom darin, dass es zusätzlich die DNA eines unbekannten Vertreters der Gattung Homo enthält.

«Diese alte Population von Homininen existierte bereits zu einer Zeit, bevor sich Neandertaler, Denisova-Menschen und moderne Menschen voneinander getrennt hatten», sagte Prüfer. «Es ist möglich, dass es sich bei diesem unbekannten Homininen um die als Homo erectus bezeichnete Menschenart handelt.» Dies müsse nun weiter untersucht werden.

(lmm/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • rafa am 19.12.2013 11:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wenns..

    nach der Bibel geht sind wir ja eh alle eine grosse inzucht-familie :-)

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  • NoProblem am 19.12.2013 11:25 Report Diesen Beitrag melden

    So war's

    Die Auswahl war halt kleiner, die Wege weit, das Leben kurz.

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  • Haimax am 19.12.2013 11:51 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch!

    Wer will es ihnen verdenken, es gab ja dazumals mit Sicherheit noch kein Fernseh!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nicole am 20.12.2013 19:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgestorben

    Jetzt ist klar warum die Spezies Homo neandertalensis ausgestorben ist!

  • Kariny am 20.12.2013 10:33 Report Diesen Beitrag melden

    The missing link

    Der inbekannte vertreter der gattung homo war wahrscheinlich ein alien. Der, der den gorilla nahm und ein genom ganz verschwinden lies (sonst unüblich in der natur, da verschwindet nichts!). Gene werden sonst ein- bzw. abgeschaltet...

  • Mensch am 20.12.2013 07:04 Report Diesen Beitrag melden

    Bei vielen mehr

    Ich bin mir sicher, dass in vielen mehr al 2% Neandertaler drin steckt ;-)

  • Atheist am 19.12.2013 23:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    An alle "Religionswissenschaftler"

    Niemand hat behauptet, dass "Gott" nur Adam und Eva erschaffen hat. Sie hatten zwei Söhne. Einer hat den anderen umgebracht (so hab ich es zumindest verstanden) und hat sich dann mit einer Frau (nicht Eva) fortgepflanzt. Und die Moral von der Geschicht: Die besten Märchen haben einen religiöse Hintergrund... Danke für eure Aufmerksamkeit :)

  • Ernesto am 19.12.2013 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist in gewissen Ländern noch so.

    Das ist im Orient noch heute der Fall. Die Sippen halten zusammen und so soll auch das Geld oder sonstiger Besitz zusammen gehalten werden. Sehr oft heiraten Cousin und Cousine. Viele dieser Kinder Leiden an Herzproblemen und müssen in unserem Kulturkreis dann schon sehr Jung operiert werden, in ihren angestammten Ländern sterben sie eben einfach früher. Darum sind Ehen bei uns unter Geschwistern verboten. So war das immer wenn noch nicht so viele Menschen Gruppen einen Austausch hatte. Auch bei uns in den Bergdörfern, war das Angebot ja nicht unbedingt gross.