Für neue Megastadt

10. Dezember 2012 13:45; Akt: 15.12.2012 11:27 Print

Ein Chinese macht 700 Berge platt

Dynamit und Bulldozer versetzen in China Berge. Nahe der Stadt Lanzhou will ein Unternehmer so 80'000 Hektar Bauland schaffen. Die finanziellen und ökologischen Risiken sind beträchtlich.

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Lanzhou im Nordwesten Chinas soll in den kommenden Jahren eine atemberaubende Expansion erfahren, auf Kosten einiger Berge. (Bild: Brian Hampson)

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Laut einem chinesischen Märchen versperrten einst zwei Berge den Hauseingang des Bauern Yu Gong. Er war schon alt, doch mit Beharrlichkeit und der Hilfe seiner Familie gelang es ihm schliesslich, sie abzutragen. Die chinesische Redensart «Yu Gong versetzt Berge» entspricht der deutschen «Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg». Märchen und Sprichwort verblassen vor dem, was in China im 21. Jahrhundert passiert.

Einer der reichsten Chinesen will nicht zwei, sondern 700 Berge plattmachen. Umgerechnet 3,3 Milliarden Franken lässt sich der Baulöwe Yan Jiehe die grösste Einebnungsaktion in der Geschichte des Landes kosten. So entstehen nördlich der Provinzhauptstadt Lanzhou im Nordwesten des Landes 80'000 Hektaren Bauland – was in etwa der Fläche des Kantons Neuenburg entspricht.

Menschen dort ansiedeln, wo es Wasser gibt

Seit Ende Oktober sind Mineure und Bulldozer im Einsatz, bis 2030 sollen statt kahler Bergspitzen die Wolkenkratzer einer neuen Megastadt in den Himmel ragen. Die Gesamtkosten für New Lanzhou belaufen sich auf umgerechnet 33 Milliarden Franken. Noch nie habe es derartige Investitionen für ein einzelnes Projekt gegeben, sagte der 52-jährige Yan laut «China Economic Weekly». Nicht einmal für die berühmte Drei-Schluchten-Talsperre.

Nicht alle lassen sich von den astronomischen Zahlen blenden: Liu Fuyuan, der früher in leitender Position bei der staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform tätig war, kritisierte das Projekt als ungeeignet, da Lanzhou als eine der wasserärmsten Städte Chinas gilt: «Das wichtigste ist, Menschen dort anzusiedeln, wo es genug Wasser gibt.» Neben dem chronischen Wassermangel kommt ein weiteres gewaltiges Problem dazu: Laut der Weltgesundheitsorganisation leidet Lanzhou unter der schlimmsten Luftverschmutzung in ganz China.

«Geografie darf kein Hindernis sein»

Andere verweisen auf die finanziellen Risiken. Laut Tao Ran, Wirtschaftsprofessor an der Chinesischen Volksuniversität in Peking, können die Investitionen nur mit Immobilien-Umsätzen wieder eingefahren werden. Genau das sei aber schwierig bei solchen Retorten-Städten. «In einem boomenden Immobilienmarkt könnte es funktionieren, doch Immobilien in China sind meiner Meinung sehr, sehr riskant.»

Yan Jiehe und seine China Pacific Construction Group lassen diese Einwände nicht gelten. Die Baufirma räumte auf Anfrage des britischen «Guardian» ein, dass es in Lanzhou grosse Armut und extreme Wasserknappheit gibt. Doch genau diese Probleme würden im Rahmen des Mega-Projekts gelöst. Durch «schonende Entwicklung» würde zusätzliches Wasser zugeführt und die Region aufgeforstet. «Egal ob England, Amerika oder irgendein anderes Land: Niemand wird sich von Ressourcenknappheit aufgrund der Geografie in der Entwicklung aufhalten lassen», sagte eine Sprecherin.

Werbevideo für Projekt «New Lanzhou»:

Lanzhou, Gansu, China:

(kri)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Informierter Informant am 10.12.2012 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Lustige Kommentare...

    Ich finde es schon amüsant wie sich einige hier über mögliche ökologische und landschaftliche Folgen äussern. Schon mal daran gedacht wieviele Berge die Menschen quer über die ganze Erde verteilt schon umgegraben haben? Beispiele? Panama-Kanal, da werden einfach zwei Meere mitenander verbunden... Tagebau, schon mal gesehen was für massive Löcher zum Abbau von Ressourcen in den Boden gegraben werden? Das ist schon eindrücklich in Deutschland zu sehen, in Amerika, Russland, Afrika und China wird das ganze einfach noch in x-facher Dimension gemacht. Nenne gerne auch mal Chuquicamata als Beispiel.

  • Marc am 10.12.2012 16:54 Report Diesen Beitrag melden

    Chinesen haben nichts gelernt

    Die Chinesen sind einerseits extrem fortschrittlich anderseits begehen sie die selben alten Fehler, welche im Westen früher auch gemacht wurden. Sie leiden an Masslosigkeit und Rücksichtslosigkeit gegenüber der Natur. Das zeigt nicht nur diese Aktion sondern auch die ganzen Importe von Elfenbein, Nashornhorn, Walfleisch etc.

  • China Kenner am 10.12.2012 16:52 Report Diesen Beitrag melden

    In China ist alles grösser

    In China ist alles ein wenig grösser. Die Stadt Shenzhen wuchs innerhalb von 30 Jahren von einigen 1000 Einwohner auf über 10 Millionen, Chongqing explodierte von einigen 100'000 Menschen auf über 20 Millionen, im gesamten Stadtgebiet leben heute sogar 32 Millionen Menschen. In China entstehen seit 1979 gigantische Metropolen. Aus Fischerdörfern werden Riesenstädte. Das war bei uns nicht anders. Nur haben wir dafür über 100 Jahre gebraucht. Und unsere Städte sind nach wie vor Städtchen.

  • Thomas Müller am 10.12.2012 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ich lach mich platt

    Lächerlich! Die 3,3 Milliarden Franken reichen doch überhaupt nirgends hin. Noch nicht mal für einen einzigen Berg...

    • mMee am 10.12.2012 17:15 Report Diesen Beitrag melden

      In China

      reicht das locker aus.

    • allan am 10.12.2012 17:20 Report Diesen Beitrag melden

      aha...

      es gibt nichts, was chinesen nicht billiger und schneller hinkriegen könnten

    einklappen einklappen
  • Chris am 10.12.2012 16:23 Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig

    "Die chinesische Redensart «Yu Gong versetzt Berge" Chinesischer Sprichwörter mit deutschen Worten? Merkwürdig....