Mysterium Homosexualität

11. Dezember 2012 21:35; Akt: 16.12.2012 20:04 Print

Ein Gen-Anhängsel macht Männer schwul

Das Rätsel der Homosexualität ist gelöst: Ein irrtümlich vererbtes Gen-Anhängsel steuert unsere Vorliebe zum gleichen Geschlecht.

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Wäre Homosexualität erblich, hätte sie infolge der natürlichen Selektion verschwinden müssen. (Bild: Colourbox/Symbolbild)

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Ein Mechanismus, der die Aktivität von Genen regelt, könnte die Homosexualität beim Menschen erklären. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam in einer Studie. Demnach kehrt ein irrtümlich vererbter Schutzmechanismus die sexuelle Präferenz um.

Die Mathematiker und Biologen glauben, damit das Rätsel gelöst zu haben, weshalb Homosexualität in manchen Familien gehäuft auftritt, obwohl bislang kein entsprechendes Gen gefunden wurde.

Aus Sicht der Evolutionsbiologie ist Homosexualität ein Rätsel: Wäre sie erblich, hätte diese Eigenschaft infolge der natürlichen Selektion mit der Zeit verschwinden müssen - da sie der Fortpflanzung nicht eben förderlich ist. Dennoch ist Homosexualität in den meisten Kulturen bei Männern wie Frauen relativ häufig.

Laut William Rice von der University of California in Santa Barbara und seinen Kollegen sind bestimmte Anhängsel an der Erbsubstanz verantwortlich: Sie würden fälschlicherweise weitergegeben und so die Partnerpräferenz des anderen Geschlechts übertragen, berichten sie vorab online im Fachmagazin «The Quarterly Review of Biology».

«Dies ist der plausibelste Mechanismus für das Phänomen der menschlichen Homosexualität», sagt Koautor Sergey Gavrilets vom National Institute for Mathematical and Biological Sciences in Knoxville in einer Mitteilung des Instituts.

Genanhängsel irrtümlich vererbt

Die Anhängsel, sogenannte epigenetische Marker, regulieren, wann und wie stark ein Gen aktiv ist. Normalerweise sind sie an ein Individuum gebunden und werden nicht vererbt. Gemäss jüngeren Studien können die Marker jedoch gelegentlich zwischen Generationen weitergegeben werden und zu Gemeinsamkeiten zwischen Verwandten führen.

Einige dieser Anhängsel dienen dazu, den Fötus im Uterus vor natürlichen Schwankungen der Geschlechtshormone zu schützen. Dies verhindert, dass männliche Föten verweiblicht werden und umgekehrt. Diese Marker können etwa die Ausprägung der Genitalien, der sexuellen Identität oder der Partnerpräferenz betreffen.

Wenn diese geschlechtsspezifischen Anhängsel aber von Vätern an Töchter oder von Müttern an Söhne weitergereicht werden, kehrt sich ihr Effekt um: Söhne erhalten einige weibliche Eigenschaften, beispielsweise die sexuelle Präferenz, Töchter erhalten männliche Eigenschaften.

Evolutionär stabil

Die Forscher konnten nun mit einem mathematisch-biologischen Modell zumindest in der Theorie zeigen, dass dieser Über-Kreuz-Effekt evolutionär Bestand haben könnte. Denn die Gene für diese Anhängsel sind für die Fötalentwicklung sehr wichtig, während die Anhängsel in den meisten Fällen wieder entfernt werden, bevor die Gene an die nächste Generation vererbt werden.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Vogler am 12.12.2012 00:59 Report Diesen Beitrag melden

    Regulation des Bevölkerungswachstums?

    Es ist ja eben kein eigentliches Gen,sondern ein Marker der bestimmt,wann ein Gen eingeschaltet oder ausgeschaltet wird.Es könnte sein,dass dies durch Stressreize geschieht,also auch Dichtestress.Es wäre also möglich dass die Natur selbst das Bevölkerungswachstum reguliert.

  • Davis Sopra am 12.12.2012 02:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hmm...?!?

    Und was ist dann mit Bi-Sexuellen? Haben die dann nur das halbe Gen? ;-)

  • Emini Abel am 11.12.2012 23:32 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen...

    Es wird bestimmt kranke Menschen geben die dieses Gen entfernen zu versuchen werden - dann werden wir Asexuelle Menschen haben.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Sean Dumuid am 12.12.2012 07:10 Report Diesen Beitrag melden

    Menschen...

    Emini, davon bin ich auch überzeugt! Da es scheint, dass solche Leute keine anderen Sorgen haben als so etwas erforschen zu müssen!

  • BigBienne am 12.12.2012 06:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wir erleiden also einen Gendefekt?

    Hilft uns diese Tatsache, Homosexualität zu tolerieren oder "leiden" wir lediglich an einem Gendefekt und lassen uns auf eine Stufe mit Trisomie-21 stellen? Es gibt Dinge, die sollen einfach nicht ergründet werden...

  • A Sexuell am 12.12.2012 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache etwas geschrieben

    @ emini abel: A) ist es ein Genanhängsel B) wenn es entfernt würde, ist das Resultat Heterosexualität C) zu Erst lesen, dann schreiben

  • Reni am 12.12.2012 05:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    keine Krankheit

    Jetzt kann mir Niemand mer sagen ich wäre krank :) Aber bald wird man versuchen dieses Anhängsel zu entfernen...

  • Hot am 12.12.2012 05:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Omg

    Yay ein kleiner Beweis, dass schwul sein ganz natürlich ist :) ... die Homophoben werden es leider trotzdem noch als unnatürlich ansehen.