Rattenplage im Atlantik

10. Dezember 2012 21:16; Akt: 10.01.2013 12:19 Print

Eine Insel wird vergiftet

Wenn das Gleichgewicht der Natur gestört wurde, war mit Sicherheit mal wieder der Mensch am Werk: Auf einer britischen Insel soll Ratten im ganz grossen Stil der Garaus gemacht werden.

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Südgeorgien bezeichnet nicht nur einen Teil des Staates im Kaukasus, sondern ist auch der Name einer britischen Insel im Südatlantik, die rund 1400 Kilometer östlich der Falkland-Inseln liegt. Das Eiland ist seit jeher Anlaufpunkt für Antarktis-Forscher, die schon vor Jahrhunderten ungebetene Gäste im Schlepptau hatten, die auf South Georgia eine neue Heimat gefunden haben.

Zu ihnen gehören etwa die Rentiere, die vor rund 100 Jahren ausgesetzt wurden, um einen Fleisch-Vorrat für Wissenschaftler und Walfängern zu bilden. Ratten hingegen wurden ungewollt angesiedelt – und die Nager hatten auf der Vogelinsel ohne natürliche Feinde leichtes Spiel. Heutzutage ist das quasi unbewohnte Südgeorgien mit Millionen der Tiere bevölkert, denen der «South Georgia Heritage Trust» nun ans Fell will.

Keine Ratte darf überleben

Wie die «Süddeutsche Zeitung» berichtet, sollen Helikopter im Februar oder März im grossen Stil Giftköder abwerfen. Getreide gefüllt mit Brodifacoum stoppt die Blutgerinnung der Ratten: Weil die Chemikalie die Nager lichtscheu macht, verenden sie in ihren Höhlen und geben so ihren Artgenossen keinen Hinweis darauf, dass das Fressen tödlich ist.

Obwohl gerade Vögel unter der Plage leiden, da die Ratten ihre Eier stiebitzen, wird es auch hier Kollateralschäden geben. Aasfressende Bewohner wie die Südgeorgien-Spiessente könnten die Köder ebenfalls schlucken. Die Tierschutzorganisation WWF begrüsst zwar Anti-Ratten-Massnahme, ist aber skeptisch, was den Erfolg der Aktion betrifft. «Die Frage ist, ob sie Erfolg hat. Es muss nur eine einzige trächtige Ratte überleben, damit man in ein paar Jahren wieder genau die gleiche Situation hat», sagte Stefan Ziegeler der «Süddeutschen».

(phi)