Kosmischer Vagabund

14. November 2012 18:46; Akt: 14.11.2012 18:47 Print

Einsamer Planet entdeckt

Astronomen haben den ersten eindeutig heimatlosen Planeten entdeckt. Der Einzelgänger bewegt sich nur rund 100 Lichtjahre von der Erde entfernt allein durch den Weltraum – ohne Mutterstern.

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Das Video zeigt eine künstlerische Darstellung des solitären Planeten CFBDSIR2149.
(Quelle: ESO/P. Delorme/Nick Risinger (skysurvey.org)/R. Saito/VVV Consortium)
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Himmelsforscher haben ein lichtschwaches Objekt entdeckt, das nur rund 100 Lichtjahre von uns entfernt ist. Mit grosser Wahrscheinlichkeit handelt es sich um einen Planeten ohne zugehörigen Zentralstern.

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Dank seiner Nähe zur Erde konnte ihn das internationale Forscherteam genauer untersuchen und ihn als kosmischen Vagabunden identifizieren. Dies geschah mit dem Very Large Telescope und dem in Chile domizilierten New Technology Telescope der Europäischen Südsternwarte (ESO), an der auch die Schweiz beteiligt ist.

Ihren Daten zufolge handelt es sich um einen 20 bis 200 Millionen Jahre alten Planeten, der vier- bis siebenmal mehr Masse hat als der Jupiter und eine ähnliche Atmosphäre. Auf seiner Oberfläche ist es vermutlich rund 400 Grad Celsius heiss.

Das geringe Alter des CFBDSIR2149 getauften Himmelskörpers lege nahe, dass es sich tatsächlich um einen Einzelplaneten handele, berichtet das Team um Philippe Delorme von der Université Joseph Fourier in Grenoble demnächst im Fachmagazin «Astronomy & Astrophysics». Das mache diesen Planeten zu einem wichtigen Bezugspunkt, um die Physik und Entstehung solcher Einzelgänger besser zu verstehen.

Kein Brauner Zwerg

Mögliche Einzelplaneten wurden schon früher entdeckt. Da sich aber ihr Alter nicht ermitteln liess, war man nicht sicher, ob es Planeten sind oder aber sehr alte, abgekühlte Braune Zwerge. Dies sind Sterne, die zu klein geraten sind, um in ihrem Inneren dauerhaft eine Kernfusion zu entfachen, den Energielieferanten für das Leuchten eines Sterns. Der neu entdeckte Himmelskörper CFBDSIR2149 ist aber zu jung, um ein abgekühlter Brauner Zwerg zu sein, konstatieren die Forscher. Die Astronomen erhoffen sich von ihm weitere Informationen darüber, wie Einzelplaneten entstehen. Bisher ist unklar, ob sie einst in Planetensystemen kreisten und aus diesen herausgeschleudert wurden, oder ob sie ähnlich wie Sterne in kollabierenden Gaswolken gebildet wurden.

«Wenn es sich bei diesem kleinen Himmelskörper tatsächlich um einen Planeten handelt, der aus seinem Heimatsystem herausgekickt wurde, weckt dies die Vorstellung, dass es viele solcher Planeten- Waisen geben könnte, die einsam im Weltall treiben», sagt Delorme.

(sda)