Sprachwissenschaft

03. Dezember 2012 19:15; Akt: 03.12.2012 19:15 Print

Englisch entstand aus der Sprache der Wikinger

Es waren nicht die Angelsachsen, die am Ursprung des modernen Englisch standen, sondern norwegische Wikinger. Das fanden Forscher bei der Analyse von Wörtern und Grammatik heraus.

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Auf den schottischen Shetlandinseln wird bis heute mit dem jährlichen «Up Helly Aa»-Festival dem skandinavischen Kulturerbe in Grossbritannien gedacht.

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Sprachwissenschafter rechnen das moderne Englisch für gewöhnlich den westgermanischen Sprachen zu. Neue Erkenntnisse kommen nun zum Schluss, dass das Neuenglische grösstenteils auf der Sprache der norwegischen Wikinger basiert, die ab dem 9. Jahrhundert die britischen Inseln kolonisierten.

Als Bestätigung sehen der Linguist Jan Terje Faarlund von der Universität Oslo und sein Kollege Joseph Emmonds von der tschechischen Universität Palacky den historischen Ablauf. Ihre These haben die beiden Wissenschafter im Forschungsmagazin «Apollon» der Universität Oslo publiziert.

Der herkömmlichen Lehrmeinung zufolge waren es die germanischen Angeln und Sachsen, die bei ihrer Ankunft auf den britischen Inseln ihre Sprache, das spätere Altenglisch, mitbrachten. Dieses entwickelte sich daraufhin mit dem Einfall der Normannen 1066 zum Mittel- und später zum Neuenglischen.

Faarlund und Emmonds hingegen werten als massgeblichen Einfluss die Wikinger-Herrschaft im Norden und Osten Englands. Die neuen skandinavischen Herren des Fürstentums Danelag hätten keinen Grund gesehen, ihre Sprache zu ändern, und sie auch ihren Subjekten aufgezwungen, argumentieren die Sprachwissenschafter.

Skandinavischer Einschlag behält Oberhand

Nach dem normannischen Einfall habe sich dann die skandinavische mit der angelsächsischen Bevölkerung vermischt. So sei eine gemeinsame Sprache geschaffen worden, in der der skandinavische Einschlag die Oberhand behalten habe.

Beleg dafür sei unter anderem die grosse Anzahl an grundlegenden Ausdrücken, die es im Altenglischen nicht gegeben habe. Dazu gehören etwa die Worte für Ei (egg), niedrig (low) oder Donnerstag (thursday), die alle skandinavischen Ausdrücken entstammten.

Auch in der Grammatik sei das Englische der nordgermanischen (skandinavischen) Sprachfamilie näher als der westgermanischen: So sei es sowohl im Englischen als auch im modernen Norwegischen möglich, Präpositionen oder das Objekt an das Ende von Sätzen zu stellen. Das sei im Deutschen oder Niederländischen nicht denkbar.

(sda)