Projekt am Bodensee

08. Mai 2018 10:17; Akt: 08.05.2018 10:25 Print

Wenn die Bauern wollen, überleben die Bienen

Mit Nisthilfen und Blühflächen versuchen die Obstbauern am Bodensee, die Vielfalt der Wildbienen zu erhöhen. Mit Erfolg, wie eine neue Auswertung zeigt.

Am Bodensee sorgen Obstbauern erfolgreich für Artenvielfalt bei den Wildbienen. (Video: REWE Group)
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Ohne Bienen und andere Insekten gibt es kein Obst. Denn ohne sie erfolgt keine Bestäubung und es wachsen keine Früchte. Für Landwirte sind Bienen unersetzliche Arbeitskräfte. Gleichzeitig tragen die Bauern durch die intensive Nutzung der Agrarlandschaften entscheidend zum dramatischen Insektensterben bei. So fehlen zum Beispiel im modernen Apfelanbau wildwachsende Blumen und andere Blütenpflanzen weitestgehend.

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Dass es auch anders geht, beweisen Obstbauern in der Bodenseeregion. Seit 2010 fördern sie mit gezielten Massnahmen die Vielfalt der Wildbienen in ihren Niederstamm-Obstanlagen. Bis heute legten sie 246 Hektaren Wildblumenwiesen mit zum Beispiel Margeriten, Malven und Bocksbart an. Sie bieten den Insekten Schutz und liefern ihnen auch im Sommer Nahrung, nachdem die Obstbäume aufgehört haben zu blühen. Dazu kommen 8800 Pflanzungen von im Sommer blühenden Hecken, Bäumen und Sträuchern sowie 550 Insekten-Nisthilfen.

117 Wildbienenarten

Die Anstrengungen zahlen sich aus. Bei einer aktuellen Erfassung auf den über 100 teilnehmenden Betrieben wurden insgesamt 117 Wildbienen-Arten ermittelt. Darunter befinden sich auch 25 gefährdete Arten, wie die Bärtige Sandbiene, die Grosse Harzbiene, die Wald-Pelzbiene oder die Rötliche Kegelbiene, wie die Projektpartner vergangene Woche mitteilten. Bei einem Monitoring im Jahr 2013 waren nur 84 Wildbienenarten gezählt worden, wie der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schreibt.

Der Tierökologe Mike Herrmann, der das Wildbienen-Monitoring durchgeführt hatte, erklärte vor den Medien: «Bei einigen Hilfsmassnahmen wie den Wildbienen-Nisthilfen kam es seit der letzten Erhebung vor vier Jahren zu einer Verdopplung der Artenzahlen. Für intensiv genutzte Obstanbauflächen sind das erfreulich hohe Zahlen.» Patrick Trötschler von der Bodensee-Stiftung spricht sogar von einer Trendwende im Bezug auf das Bienen- und Insektensterben. Er hofft, dass viele Landwirte in Europa dem Vorbild der Bodensee-Obstbauern folgen werden.

Neben den direkten Massnahmen für Wildbienen wurden am Bodensee bisher zudem 1740 Vogelkästen errichtet. Denn viele Vogelarten sind natürliche Helfer der Obstbauern, weil sie schädigende Insekten oder Mäuse vertilgen. Rund 120 Fledermauskästen runden den Einsatz zu Förderung der Artenvielfalt in der Obstbauregion ab.

Die detaillierten Ergebnisse der Erfolgskontrolle 2017 können Sie hier als PDF herunterladen.

(jcg)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike M. am 08.05.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    Super!

    Herzlichen Dank an die engagierten Bauern - weiter so!

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  • Beat Frei am 08.05.2018 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bienen

    Ich finde das sehr gut dass man den Bienen hilft.

  • a.sch. am 08.05.2018 10:24 Report Diesen Beitrag melden

    wenn die menschheit wollen

    überleben die bienen nur bauern allein glaub nicht das es reicht

Die neusten Leser-Kommentare

  • Grün Grüner Bio am 09.05.2018 22:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Trendwende zum Guten

    Wo ein Wille, da ein Weg. Man sollte die Artenvielfaltsförderung (Biodiversität) subventionieren. Finanzielle Anreize am richtigen Ort, wirken Wunder.

  • Fraz am 09.05.2018 19:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ausgesummt

    Unsere Bäume summen nicht mehr! Auch dieses Jahr, obwohl die Bäume üppig geblüht haben, hörte ich kein Summen der Bienen mehr. Es macht einfach nur traurig.

  • Tobias G. am 09.05.2018 19:00 Report Diesen Beitrag melden

    Alpwiese

    Ich mag mich noch erinnern als ich als Kind im Ybrig im hohen Gras gespielt habe. Die Wiesen waren eine Pracht. Das ist 25Jahre her, heute sieht es wie überall aus. Die Alpwiesen werden von den Bauern nicht gepflegt sondern zugrunde gerichtet.

  • Joggi am 09.05.2018 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eben

    wenn sie wollen - sie wollen aber nicht.

  • rasch am 09.05.2018 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Die EU ist ein Schritt weiter ...

    Bitte beachtet dass es sich um eine Deutsche Studie handelt, hier waren keine Schweizer Bauern beteiligt und ich kenne auch kaum Schweizer Plantagen in denen Blumenwiesen gepflegt werden. Schweizer Bauern sind keine Bienenfreunde !!!

    • Petra Wyler am 09.05.2018 09:13 Report Diesen Beitrag melden

      Und warum wohl?

      Die noch freie Fläche reicht heute nicht mal mehr um 1/3 der schweizer Bevölkerung zu ernähren. Der Rest wird zu bentoniert und ist sogar so gewollt von Grün und Links. In Deutschland kann man mit dem Auto durch Landstreifen fahren und trifft während 45 min kein einziges Haus an. Darum. Aber es ist einfach das Problem den Bauern in die Schuhe zu schieben, statt selbst aktiv werden. Wir haben es in unserem Quartier getan und das mit Erfolg!

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