Natürliche Abwehr

29. Januar 2018 12:40; Akt: 29.01.2018 12:40 Print

Es lohnt sich, nach Mücken zu schlagen

Mücken lernen, wenn sich ihre Opfer wehren – und meiden diese daraufhin nach Möglichkeit. Der Effekt ist ähnlich stark wie der von Insektenabwehrmitteln.

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Bald ist es wieder so weit: Wenn es draussen wärmer und feuchter ist, kommen die Mücken zurück und machen vielen Menschen das Leben schwer. Was gegen die Plagegeister ähnlich gut wirkt wie Mückenabwehrmittel, haben US-Forscher herausgefunden. Wie das Team um Kiley Riffel im Fachjournal «Cell Biology» schreibt, lohnt es sich, Mücken mit der Hand in die Flucht zu schlagen. Die Tiere merken sich den Duft des Menschen und versuchen, ihm künftig aus dem Weg zu fliegen. Dafür steckten die Forscher die Mücken in eine Vibrationsmaschine, die die Erschütterungen nachahmte, die entstehen, wenn man mit der Hand nach der Mücke schlägt. Dabei zeigte sich, dass die Tiere den mit der unangenehmen Erfahrung verbundenen Duft danach mehrere Tage mieden. Was es sonst noch Wichtiges zu den kleinen Plagegeistern zu wissen gibt, erfahren Sie auf den folgenden Bildern. Es stechen nur die Mückenweibchen. Sie brauchen Proteine, um nach der Befruchtung Eier zu bilden. Diese Nährstoffe bekommen sie, indem sie bei Menschen oder Tieren Blut saugen – übrigens durchaus das Zwei- bis Dreifache ihres eigenen Gewichts. Der Mückenspeichel enthält ein bestimmtes Enzym, damit das Blut nicht so schnell gerinnt, sondern beim Saugen flüssig bleibt. Dies – und nicht der Stich selbst – verursacht schliesslich den unangenehmen Juckreiz. Es sind weder die Blutgruppe noch das Geschlecht, wie viele irrtümlich meinen. Vor allem durch die Atemluft kommen Mücken ihren Opfern auf die Spur. Experten fanden heraus, dass Menschen mit erhöhten Kohlendioxid-Ausdünstungen eher gestochen werden. Wer zum Beispiel viel Reis isst, atmet vermehrt Kohlendioxid aus. Auch Schweissgeruch zieht Mücken regelrecht an. Da reichen schon Nuancen, die ein Mensch kaum wahrnimmt. Gleiches gilt auch für Parfüm und andere Duftstoffe. Damit die Mücken erst gar nicht ins Haus gelangen, helfen feinmaschige Fliegengitter aus Synthetik oder Baumwolle vor den Fenstern. Besonders anfällige Menschen können sich auch ein Moskitonetz über das Bett hängen. Für heimische Mücken reicht eine Maschenweite von zwei Millimetern. Auch Regentonnen und Teiche im Garten sollten wegen der Larven am besten mit Fliegengaze abgedeckt werden. Lange, weite Kleidung schützt im Freien vor Mückenstichen. Dünne und eng anliegende Kleider durchstechen Mücken problemlos. Mittel mit dem Wirkstoff Deet sind laut Stiftung Warentest am effektivsten, allerdings reizen sie Augen und Schleimhäute. Der Wirkstoff Icaridin ist ähnlich wirksam, reizt aber ebenfalls die Augen. Für Babys und Kleinkinder sind sogenannte Repellents allerdings nicht zu empfehlen. Ätherische Öle schützen laut Stiftung Warentest kaum und können zum Teil allergische Reaktionen auslösen. Auch Insektengift absondernde Apparate für die Steckdose, sogenannte Biozidverdampfer, sind nicht unproblematisch und sollten daher nur sparsam eingesetzt werden. Wirkungslos sind Gartenfackeln, Duftkerzen oder Ultraschallgeräte, die Mücken akustisch vertreiben sollen. Von elektronischen Fallen mit UV-Licht raten Experten ab, weil sie nur wenige Mücken anziehen, dafür umso mehr unter Schutz stehende Nachtfalter. Auch Hausmittel wie Zitronenmelisse, Tomaten- oder Basilikumpflanzen vertreiben Mücken nicht. Dagegen gibt es kühlende Gels. Auch hilft es, die Einstichstelle mit Spucke zu benetzen. Weil sie kühlt, lindert sie den Juckreiz zumindest vorübergehend. Besser betäuben lässt sich der Stich mit einem Kühlpack. Ein solches sollte dabei jedoch mit einem Tuch umwickelt werden, weil sonst Erfrierung droht. Einige Menschen schwören auch auf aufgeschnittene Zwiebeln oder Honig gegen Mückenstiche. Tatsächlich haben beide Lebensmittel eine leicht antibakterielle Wirkung. Ob sie aber auch gegen den Juckreiz wirken, ist wissenschaftlich nicht belegt. Wenn das Jucken gar nicht auszuhalten ist oder Symptome einer allergischen Reaktion auftreten, sollten Sie in der Apotheke nach Antihistaminika fragen. Derartige Mittel lindern den Juckreiz ein bisschen. Breitet sich der Ausschlag aber auch ausserhalb des Bereichs des Mückenstichs aus oder kommt es zu Fieber und Schüttelfrost, sollte man besser den Arzt aufsuchen. Sicher ist sicher.

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Nach Mücken zu schlagen scheint sich auszuzahlen – selbst wenn man die Plagegeister verfehlt. Moskitos merken sich einer Studie zufolge, wenn sich ihre potenziellen Opfer wehren.

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Wie US-Forscher im Fachjournal «Current Biology» berichten, verbinden die Tiere dabei den Duft eines Menschen mit unangenehmen Erfahrungen. Beim nächsten Rundflug meiden die Insekten den Geruchsträger dann möglichst.

Selektive Stecher

Mücken stechen ihre Opfer nicht wahllos, sondern ziehen bestimmte Menschen vor. Zudem bevorzugen sie zu bestimmten Jahreszeiten manche Tiergruppen, wie das Team um den Biologen Jeffrey Riffell von der University of Washington in Seattle schreibt.

Demnach ernährt sich etwa die kalifornische Art Culex tarsalis, die mit unserer Gemeinen Stechmücke (Culex pipiens) eng verwandt ist, im Sommer hauptsächlich von Vögeln, im Winter zusätzlich aber auch von Säugetieren.

Test mit Gelbfiebermücken

Um mehr über das Verhalten der Tiere zu erfahren, kombinierten die Forscher im Labor bei Gelbfiebermücken (Aedes aegypti) die Gerüche bestimmter Menschen mit unangenehmen Erfahrungen.

In den Versuchen sollte eine Vibrationsmaschine die Erschütterung beim Schlag nach dem Tier simulieren. Einen Tag später mussten sich die Tiere dann beim Fliegen in einer Y-förmigen Röhre zwischen dem vorherigen und einem anderen Körpergeruch entscheiden. Dabei mieden sie nach unangenehmen Erfahrungen den damit verbundenen Duft.

Wirkung vergleichbar mit der von Mückenabwehrmitteln

«Hatten die Mücken die Gerüche und die damit verbundene Vermeidung gelernt, reagierten sie auf diese Düfte ähnlich stark wie auf Deet, eines der wirksamsten Mückenabwehrmittel», wird Riffel in einer Mitteilung zitiert. «Darüber hinaus erinnerten sie sich tagelang an die erlernten Gerüche.»

Ähnlich wie beim Menschen spiele bei diesen Lernprozessen der Botenstoff Dopamin eine wichtige Rolle, schreiben die Forscher weiter. Jenen Mücken, die aufgrund einer genetischen Veränderung kein Dopamin produzieren konnten, fiel es deutlich schwerer, Gerüche zu lernen. Das könnte bedeutsam sein für die Bekämpfung von Stechmücken und durch Mücken übertragene Krankheiten, betonen die Forscher.

Grösstes Rätsel noch nicht gelöst

Gerade die Gelbfiebermücke – auch Ägyptische Tigermücke genannt – ist als Überträger von Zika-, Dengue-, Chikungunya- und Gelbfieber berüchtigt. Sie lebt vor allem in den Tropen und Subtropen, kommt aber im Zuge des Klimawandels zunehmend auch in Europa vor.

«Leider können wir nicht sagen, was einen Menschen für Mücken besonders attraktiv macht – jedes Individuum enthält einen molekularen Cocktail aus Verbindungen von mehr als 400 Chemikalien», sagt Co-Autorin Chloé Lahondère. «Aber nun wissen wir immerhin, dass Mücken bestimmte Gerüche ihrer Opfer lernen können und jene Opfer meiden, die sich mehr verteidigen.»

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rob am 29.01.2018 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Quatsch

    quatsch was hier steht. wenn ich einschlafen will und ne mücke im zimmer ist kommt sie solange immer wieder bis ich licht mache und sie totschlage... währe ja was ganz tolles wenn sie nach einmal verscheuchen aufgeben wütde...

    einklappen einklappen
  • LUZ93 am 29.01.2018 12:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mücken

    Also ich habe mich oft gewehrt und um mich geschlagen sowie teilweise diese lässtigen Biester gejagt aber da ich kein erfolg hatte und wieder schlafen ging wachte ich nächsten Morgen trotzdem verstochen auf und nicht nur einmal also die Studie stimmt nicht wirklich denke ich ...

    einklappen einklappen
  • Waterpolo1s am 29.01.2018 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ... nur eine genügt schon :-(

    ... nur eine Mücke bringt mich um den Schlaf !!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Michél am 30.01.2018 18:13 Report Diesen Beitrag melden

    Anderer Idee

    Insekten übertragen das Wissen der vorigen Generation, per Geburt an die Neue. Ich fange Fliegen. Schmiere ihre Augen mit Schokoladen aufstrich voll und lasse die Fliege wieder frei. Ihre Kinder meiden Menschen. Keine Energien die zerstörerisch sind anwenden. Alles lässt sich auf die Art lösen. LG

  • goddybätschert am 30.01.2018 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    ..bin schneller...

    ...gut zu wissen. Meistens kommt die Mücke gar nicht mehr dazu, zu entscheiden, was sie als nächstes tun will.

  • Pulli am 30.01.2018 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Pragmatisch

    Der Beste Trick bei einer Mücke im Zimmer ist, einmal Stechen und saugen lassen. Eine Mücke Saugt nur einmal Blut und geht dann eierlegen. Wenn ich sie aber jedesmal unterbreche, kommt sie wieder und wieder.

  • Cornichon am 30.01.2018 09:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaub ich nicht

    Ich habe eher dass Gefühl das die Mücken zueinander sagen: sie ist da auf sie und zustechen!

  • Peter am 30.01.2018 09:36 Report Diesen Beitrag melden

    Natürliche Abwehr ohne schlagen.

    Die Dinger sind wirklich lässtig. Ich behelfe mir bei mir zu Hause mit Frilus Mosquito Ex, dues hat natürliche Duftstoffe. Aber für Unterwegs muss man leider fast auf chemische Mittel zurück greifen.