Leichtfertige Plastik-Entsorgung

15. Januar 2018 17:12; Akt: 15.01.2018 17:12 Print

Teures Fleur de Sel ist mit Mikroplastik verseucht

Es gilt als besonders hochwertig, doch nun zeigt sich: Das Edelsalz Fleur de Sel ist oft mit Mikroplastik belastet. Bei einer Sorte kann man das sogar sehen.

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Fleur de Sel gilt als besonders edel und ist entsprechend teuer. Anders als klassisches Meersalz, das vom Grund eines sogenannten Salzbeckens gewonnen wird, ensteht Fleur de Sel als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche ... ... und wird meist in Handarbeit mit einer Holzschaufel abgeschöpft. Doch offensichtlich ist es stärker mit Mikroplastik belastet als herkömmliche Meersalze. Das ist das Ergebnis einer vom NDR-Magazin «Markt» in Auftrag gegebenen Untersuchung. Insgesamt fünf Fleur-de-Sel-Sorten standen auf dem Prüfstand. Alle enthielten Mikroplastik, wobei der Anteil bei 130 bis 1800 Mikrogramm je 100 Kilogramm lag. In einem Fall liess sich sogar mit blossem Auge eine Kunststoff-Faser erkennen. Den grössten Kunststoffanteil fanden die Experten im Fleur de Sel von Aquasale. Er betrug stattliche 1796 Mikrogramm pro Kilogramm. Deutlich besser, aber mit 582 Mikrogramm pro Kilogramm auch nicht wirklich beruhigend, ist der Mikroplastik-Anteil im Fleur de Sel aus der Camargue. Beim Fleur de Sel de Guérande stiessen die Fachleute auf 469 Mikrogramm pro Kilogramm und ... ... beim Fleur de Ibiza auf 424 Mikrogramm pro Kilogramm. Von allen getesteten Fleur de Sels schloss das vom Rewe-Label «Feine Welt» am besten ab. Hier betrug der Mikroplastik-Anteil 138 Mikrogramm pro Kilogramm. Zwar gelten die gefundenen Mengen Mikroplastik als ungefährlich, aber Experten befürchten, dass der Kunststoff langfristige Folgen haben könnte. Denn Plastik enthält viele giftige Chemikalien, die sich mit der Zeit lösen und im Körper Schaden anrichten könnten. (Im Bild: Mikroplastikkügelchen in 15-facher Vergrösserung) Doch nicht nur im Salz steckt Mikroplastik Auch diese Pflegeprodukte sind mit Mikroplastik belastet, wie der NDR ebenfalls nachgewiesen hat. Selbst in Zahnpasta findet sich Der Deutsche Forscher Gerd Liebezeit wies zudem nach, dass auch Honig teilweise durch mikroskopisch kleine Plastikkugeln verunreinigt ist. In 19 untersuchten Honigproben fand er Fasern und Plastikfragmente, in vier Proben fanden sich ausserdem Plastikkügelchen. Auch im Trinkwasser fand Liebezeit Plastikrückstände. Laut Paul Borer vom Wasserforschungsinstitut Eawag ist allerdings nicht anzunehmen, dass in der Schweiz Mikroplastik im Trinkwasser ein weitverbreitetes Phänomen ist. Im Genfersee aber haben Forscher der ETH Lausanne eine überraschend hohe Konzentration von Mikroplastikteilchen festgestellt.

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Fleur de Sel ist das teuerste aller Salze. Anders als normales Meersalz, das vom Grund eines sogenannten Salzbeckens gewonnen wird, entsteht Fleur de Sel als hauchdünne Schicht an der Wasseroberfläche und wird meist in Handarbeit mit einer Holzschaufel abgeschöpft.

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Gehört Mikroplastik verboten?

Doch das exquisite Salz könnte der Gesundheit schaden, berichtet nun das Verbrauchermagazin «Markt» des Norddeutschen Rundfunks, das die fünf meistverkauften Sorten aus Supermärkten und Feinkostläden hat untersuchen lassen (siehe Bildstrecke).

Tickende Zeitbombe?

Durchgeführt wurde die Labor-Analyse von Forschern des Instituts für Biologie und Chemie des Meeres an der Universität Oldenburg. Sie zeigte: Alle Proben enthielten Mikroplastik, wobei der Anteil bei 130 bis 1800 Mikrogramm je 100 Kilogramm lag. In einem Fall liess sich sogar von blossem Auge eine Kunststoff-Faser erkennen.

Bei den ebenfalls getesteten vier herkömmlichen Meersalzen waren es nur zwischen 14 und 59 Mikrogramm.

Gefunden wurden in den Salzproben nun unter anderem Rückstände von Polyethylen (PE), Polypropylen (PP) und Polyethylenterephthalat (PET) – alles Bestandteile von Verpackungsmüll.

Spätfolgen erwartet

Zwar gelten die gefundenen Mengen an Mikroplastik als ungefährlich für den Menschen, aber Experten am Institut für Toxikologie und Pharmakologie an der Universität Kiel befürchten, dass der Kunststoff für den Menschen langfristige Folgen haben könnte.

Dies, weil viele Chemikalien, die es zur Herstellung von Plastik braucht, hochgiftig sind. Zudem sind sie im Plastik nicht fest gebunden, könnten mit der Zeit entweichen und im Körper Schaden anrichten.

Selbst schuld

Die vom NDR kontaktierten Hersteller und Verkäufer von Fleur de Sel reagierten unterschiedlich auf die Testergebnisse. Einer verwies auf eigene, unauffällige Kontrollen, andere verwiesen darauf, dass dieses Salz nur selten verwendet werde beziehungsweise in den Kontext einer Salzaufnahme von nur wenigen Gramm am Tag gesetzt werden müsse.

Doch wie kommt der Plastik überhaupt ins Salz? Barbara Scholz-Böttcher von der Universität Oldenburg hat dazu eine eigene Meinung, wie der NDR schreibt: «Plastik im Salz ist eine Konsequenz aus der jahrzehntelangen, leichtfertigen Entsorgung von Kunststoff. Insgesamt hält diese Entwicklung der Gesellschaft den Spiegel vor. Der Plastikmüll landet in einem sehr hochwertigen Produkt jetzt wieder auf dem Essteller.»

(fee/afp)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heinz am 15.01.2018 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Plastic Fantastic

    Alles, ja ALLES was us dem Meer kommt ist mit Mikroplastik verseucht. Alle Fische, alle Muscheln usw.

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  • sepp am 15.01.2018 17:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter so, ja nicht stoppen

    weiter so mit der Umweltverschmutzung, die Verseuchung ja nicht stoppen, wir eliminieren uns selber und das ist für die Erde ein Segen, nur ohne den Saugwurm Mensch kann sie sich wieder erholen und der Fauna und Tierwelt eine gefahrenlose Zukunft und überleben sichern.

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  • Frank Reich am 15.01.2018 17:39 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer Gewässer

    Auch Schweizer Gewässer sind z.T. massiv mit Mikroplastik belastet. Grund dafür sind die Synthetik-Fasern in unseren Textilien, welche jeweils durch die Wäsche ausgewaschen werden und durch unsere Kläranlagen nur unzureichend ausgefiltert werden können.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Marke am 17.01.2018 13:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nur eine

    Fleur de SEL finde ich sehr überbewertet und teuer auch! Ich selber brauche sehr wenig Salz und da tut es das normale Jodhaltige auch!

  • alice am 17.01.2018 00:09 Report Diesen Beitrag melden

    Jodhaltig

    ja aber fast alle enthalten Jod und bei meiner Krankheit muss ich auf Jodfrei achten !also nehme ich Kreuter oder Himalaya Salz ?zu viel in allen Lebensmitteln!

  • Basler91 am 16.01.2018 19:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    0.018ppm

    Ich habe gerade richtig gelesen: 1800 Mikrogramm je 100 Kilogramm => sind 0.0018g /100kg oder anderst gesagt finde die Nadel im Heuhaufen...

  • Asterix am 16.01.2018 12:52 Report Diesen Beitrag melden

    Fleur de Sel

    Und schlussendlich ist und bleibt es einfach Salz, das nach Salz schmeckt. Normal gewonnenes Salz reicht völlig aus. Der angeblich bessere Geschmack ist pure Einbildung ( wie beim Himalaya-Salz ).

    • Miraculix am 16.01.2018 14:05 Report Diesen Beitrag melden

      @Asterix

      Mal einer der das weis, gratuliere.Salz ist immer NaCl ob es nun in Frankreich aus dem Meer kommt oder aus dem Himalaya oder von Rheinfelden. Der einzige Unterschied ist der Preis.

    • Pablo am 16.01.2018 16:03 Report Diesen Beitrag melden

      @Asterix

      Natürlich ist es Salz, aber eben nicht nur. Ein Sirup ist auch Wasser, hat aber noch etwas drin was Geschmack verleit. Das sogenante Himylaya Salz aus Pakistan hat noch andere Mineralien drin, das sieht man ja auch, und darum kann der Geschmack sich variieren. Wer einen schlechten Geschmackssin hat der schmeckt halt nur Salz. Ein bischen differenzieren sollte man schon.

    • Grendel am 16.01.2018 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Pablo

      Also machen sie mit den verschiedenen Salzen Salzwasser und sie werden keinen Unterschied schmecken. Salz direkt probiert kann wegen den Mineralien unterschiedlich schmecken. Der Hauptgrund liegt aber hauptsächlich an der grösse des Salzkornes, dass wir den Geschmack anderst wahrnehmen. Auch der gleiche Salz wird als Korn anderst schmecken als als Pulver.

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  • Dust1 am 16.01.2018 11:33 Report Diesen Beitrag melden

    Alles kommt zurück

    Aus dem Auge aus dem Sinn und doch im Körper drin. Was wir der Umwelt antun, tun wir uns selber an. So blind wie wir sind...