Solar Impulse goes USA

12. Dezember 2012 11:28; Akt: 12.12.2012 11:29 Print

Flugpionier Piccard erobert Amerika

von Martin Suter - Bertrand Piccard will im Sommer 2013 mit seinem Solarflugzeug den amerikanischen Kontinent überqueren. Der Schweizer Abenteurer hofft, im Mutterland der Luftfahrt neue Partner zu finden.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Vor kleinem, aber feinem Publikum orientierten die zwei Schweizer Flugpioniere Bertrand Piccard und André Borschberg am Dienstagabend in New York über die nächsten Pläne mit dem sonnengetriebenen Ultraleichtflugzeug Solar Impulse. Um sich auf die für 2015 geplante Weltumfliegung vorzubereiten, wollen Piccard und Borschberg das Experimentalflugzeug im kommenden Mai und Juni von San Francisco nach New York fliegen.

Ein Ziel der Kontinentalüberquerung sei es, amerikanische Partner zu finden, sagte Piccard an einem Empfang in der Residenz des Schweizer Generalkonsuls François Barras. «Hier herrscht eine echte Begeisterung. Wenn wir unser Projekt Behördenvertretern vorstellen, beginnt es in ihren Augen sofort zu funkeln.»

Vier Etappen von je zwanzig Stunden

Im Gespräch mit 20 Minuten Online präzisierte der Pionierflieger, dass es nicht nur ums Geldsammeln gehe: «Es ist in jeder Hinsicht wichtig, in die USA zu kommen. Die USA sind das Land, wo die Luftfahrt geboren wurde. Wenn wir als Schweizer mit einem solchen Projekt nach Amerika kommen, bringen wir es auf die höchste Ebene.»

Die zwei in dunkelblaue Blousons gekleideten Piloten verströmten Zuversicht, obwohl viele Details der USA-Überquerung noch unklar sind. Fest stünden einzig Anfangs- und Endpunkt des Flugs sowie die Absicht, die Hauptstadt Washington anzufliegen. Vorgesehen sind vier Flugetappen von je zwanzig Stunden. «Die grösste Herausforderung ist das Timing», sagte Projekt-CEO Borschberg im Interview. «Wir wissen noch nicht, wo wir starten, und nicht, wo wir landen. Aber obwohl wir spät dran sind, glauben wir, dass es machbar ist.»

Spannweite eines Jumbos, Gewicht eines Autos

Piccard, Initiator des 2003 gestarteten Projekts, entstammt einer berühmten Westschweizer Abenteurerfamilie. Zusammen mit seinem Partner Brian Jones umrundete er 1999 als erster Mensch den Globus in einem Ballon. Der in der Schweiz entwickelte Superleichtflieger Solar Impulse flog im Juli 2010 als erstes Flugzeug während 26 Stunden am Tag und in der Nacht ausschliesslich mit Energie von der Sonne. Dieses Jahr gelang Solar Impulse der erste Interkontinentalflug: Piccard lenkte das Flugzeug in 19 Stunden von Madrid in die marokkanische Hauptstadt Rabat.

Die meisten Amerikaner haben Ende November erstmals von Solar Impulse gehört, als das Fernsehmagazin 60 Minutes darüber berichtete. Das Publikum am Dienstag hing den beiden Piloten an den Lippen, als sie die Funktionsweise ihres Fluggeräts erklärten. Solar Impulse hat die Flügelspannweite eines Boeing-747-Jumbo, das Gewicht eines Autos und Motoren von der Stärke einer Vespa. Das Flugzeug kann rund um die Uhr fliegen; tagsüber nehmen Sonnenzellen mehr Energie auf, als die Elektromotoren der vier Propeller benötigen. Die Sonne lädt die Batterien auf, die das Flugzeug dann in der Nacht vorantreiben.

Live bei Piccard im Cockpit

Wie Piccard gegenüber 20 Minuten online erklärte, geht es den beiden Flugpionieren nicht primär um Umweltschutz. «Wir sagen immer, es ist kein ‹green project›, sondern ein ‹clean project›». Viele Grüne kämpften gegen Mobilität, gegen Komfort und Wachstum. «Dagegen kämpfen wir nicht. Wir wollen die bestmöglichste Lebensqualität, wir wollen Mobilität und Wachstum – mit technischen Lösungen, welche die Auswirkung auf die Umwelt minimieren.»

Die zwei Piloten freuen sich darauf, mit der amerikanischen Öffentlichkeit in Kontakt zu treten. Erstmals sollen Interessierte auch die Gelegenheit erhalten, während der Flüge live mit dem Piloten zu sprechen. Den Flug können sie live auf dem Internet verfolgen. «Die Leute sehen den Piloten live, und sie sehen, was der Pilot vom Flugzeug aus sieht», sagt Piccard. Geplant ist, dass sich Schulen und Colleges zuschalten. Die Online-Interaktion sei sehr wichtig, sagt Piccard. «Heute wollen die Menschen mitmachen, nicht nur zuschauen.