Blick in die Statistik

30. Dezember 2017 13:28; Akt: 30.12.2017 15:19 Print

Frauen fahren besser Auto, oder doch nicht?

Männer sind häufiger in schwere Verkehrsunfälle verwickelt. Ein Verkehrspsychologe erklärt die Gründe.

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Frauen fahren besser Auto als Männer. Dies lässt sich zumindest aus den Statistiken herauslesen. Aus der Sicht eines Verkehrspsychologen liegt der Grund vor allem darin, dass Frauen generell vorsichtiger unterwegs sind und Risiken scheuen.

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Fast doppelt so viele Männer wie Frauen erleiden schwere Strassenverkehrsunfälle, wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) analysiert hat. Im vergangen Jahr waren es beispielsweise rund 2600 Männer gegenüber 1400 Frauen. Gestorben sind im Strassenverkehr 216 Menschen. 151 davon waren männlich und 65 weiblich.

Mehr getötete Männer

Unfälle, in die Männer verwickelt sind, haben zudem oft schwerer wiegende Konsequenzen. Kommt es zu Personenschäden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Verletzungen tödlich sind, bei Männern mehr als doppelt so hoch als bei Frauen. Die Anzahl Todesfälle auf 10'000 Personenschäden betrug bei Männern 166, bei Frauen 79. Bei Personenwageninsassen ist die Wahrscheinlichkeit, getötet zu werden, bei Männern sogar drei Mal so hoch wie bei Frauen.

Männer sind auch bei schweren Ausserortsunfällen übervertreten und zwar fast im Verhältnis von drei zu eins. Auch der Anteil von Personenwagenlenkerinnen als Haupt- oder Mitverursacherinnen von schweren Unfällen im Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2015 ist etwa halb so hoch gewesen wie jener der Männer.

Von Frauen verursachte schwere Unfälle sind am häufigsten auf Vortrittsmissachtung zurückzuführen, nämlich drei Mal so häufig wie Unaufmerksamkeit und Ablenkung oder Geschwindigkeit und acht Mal so häufig wie Alkohol. Auch bei Männern ist die Missachtung des Vortrittsrechts die häufigste Hauptursache schwerer Unfälle. Doch diese ist nur je doppelt so häufig wie Unaufmerksamkeit und Ablenkung, Geschwindigkeit und Alkohol.

Keine einfache Antwort

Doch: Lassen die Statistiken den Schluss zu, dass die Frauen bessere Autofahrende sind als Männer? 2011 hat die Beratungsstelle für Unfallverhütung zum 40-jährigen Bestehen des Frauenstimmrechts auf eidgenössischer Ebene den Schluss gezogen: Frau am Steuer: disziplinierter, aber weniger routiniert als der Mann.

1974 beispielsweise besassen 63 Prozent der Männer, aber nur gerade 36 Prozent der Frauen einen Führerschein. Heute besitzen fast 88 Prozent der Männer und knapp 76 Prozent der Frauen einen Führerausweis, wie der Mikrozensus Mobilität und Verkehr des Bundesamtes für Statistik zeigt.

Eine wichtige Rolle bei der Einschätzung des Unfallgeschehens dürfte auch die durchschnittliche Fahrleistung spielen: Gemäss BFS betrug die mit dem Auto zurückgelegte Tagesdistanz 2015 bei Männern etwas über 28 Kilometer und bei Frauen knapp 20 Kilometer.

Frauen dürften dabei aber bedeutend weniger Kilometer auf den Autobahnen zurückgelegt haben, wo die Unfallgefahr am niedrigsten ist. Das zeigt sich auch darin, dass viele Autolenkerinnen innerorts auf Kreuzungen verunfallen.

Einen Hinweis auf die Qualität des Autofahrens respektive die Einhaltung der Vorschriften gibt auch die Zahl der Führerausweisentzüge. Auch diese spricht klar für die Frauen am Steuer: Von den über 85'000 Führerausweisentzügen im vergangenen Jahr gingen knapp 70'000 auf das Konto von Männern. Nur 16'000 Mal musste eine Autofahrerin ihr «Billett» abgeben.

Schneller und öfter mit Alkohol unterwegs

«Grundsätzlich fahren Frauen immer noch deutlich weniger als Männer, nämlich etwa 30 Prozent, und haben daher weniger Erfahrung», sagt Uwe Ewert, Verkehrspsychologe bei der bfu. Aber Frauen hätten bestimmte Risikofaktoren nicht, die die Männer hätten. «So fahren sie viel weniger schnell und auch weniger unter Alkoholeinfluss. Es sind diese beiden Risikofaktoren, welche Frauen und Männer im Strassenverkehr deutlich unterscheiden.»

Das Unfallgeschehen dürfte bei Männern und Frauen in etwa gleich sein, wenn die gefahrenen Kilometer einbezogen würden. «Die Unfälle von Männern sind aber deutlich schwerer als jene von Frauen. Die Wahrscheinlichkeit von schweren Verletzungen oder tödlichen Folgen im Strassenverkehr ist bei Männern deutlich grösser. Das ist der deutlichste geschlechterspezifische Effekt», sagt Ewert.

«Es gibt also schon Unterschiede, aber die erklären sich grösstenteils durch die unterschiedliche Verkehrsteilnahme und die beiden Hauptrisikofaktoren», sagt Ewert. Sein Fazit: «Männer sind schneller und öfter mit Alkohol unterwegs und verursachen darum auch schwerere Unfälle. Frauen dagegen sind vorsichtiger unterwegs und scheuen die Risiken mehr als die Männer.»

(woz/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Aschi am 30.12.2017 14:45 Report Diesen Beitrag melden

    Statistik???????

    Ich persönlich beurteile das fahrerische Können nicht auf Grund der Unfallstatistik, sondern auf das was ich auf der Strasse erlebe und ich erlebe es anders. Den Rest überlasse ich der Phantasie eines jeden einzelnen.

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  • FH am 30.12.2017 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Definitonssache

    Wer hat eigentlich definiert das sicherer Autofahren dasselbe ist wie besser Autofahren?

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  • Andreas am 30.12.2017 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    In der Schweiz...

    ...reichen 100 Kilometer nicht um auf 60 km/h zu beschleunigen und man wartet vor dem Kreisel bis einer kommt den man vorbei lassen kann. Autos werden grundsätzlich mit defekten Blinkern verkauft.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Fabian am 02.01.2018 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gewisse Männer sicher Gefährlich

    aber ehm ja, auf der Strasse rumkriechend und sinnlos stoppen oder abbremsen mitten auf der Strasse weil sie erschrecken, gibt weniger Unfälle. Dafür haben wir den Strassenverkehr also gebaut damit ein paar Zicken die vor einem Regentropfen erschrecken den ganzen Verkehr lahmlegen; FORTSCHRITT. Sollen gefälligst die ÖV nehmen! Aber am Schluss sind DIES die besseren Autofahrer.....

  • m krueger am 01.01.2018 19:44 Report Diesen Beitrag melden

    sicherheit

    meiner meinung sollte jeder autolenker alle 3-4 jahre zu einen fahrsicherheitstraining inkl. seh und hörtest. so würde es sicher weniger unfälle geben und es würde auch weniger agressiv gefahren. diejenigen die kein auto habe müssen sich eines mieten. bei auffälligkeiten könne vom instrucktor eine nachschulung veranlasst werden. der vekehr ändert sich von jahr zu jahr und wenn jemand jahrelang nicht fährt kann er sich morgen in den verkehr stürzen.

  • Anita am 01.01.2018 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauen fahren viel Vorsichtiger

    Fahren mit übersetzter Geschwindigkeit verursachen die meisten schweren Unfälle!... Und wer fährt meist die übermotorisierten Autos?... Ganz einfach: die Männer....Auch Selbstüberschätzung ein Männer Problem.Das "Balzverhalten" im Strassenverkehr,...Klappenauspuffanlagen und Lärmverteilung.... etc Am meisten Leasingverträge von teuren Autos werden ebenfallsMännern abgeschlossen.

  • Frau Rätsel am 01.01.2018 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Gegenteil

    Meine Beobachtungen zeigen mir, dass Frauen häufiger das Telefon am Ohr haben während des Fahrens, meist gleich nach dem Losfahren, dass sie häufig zu langsam fahren und die Spur blockieren, dass Mann sie beim Autofahren genauso wenig versteht wie bei anderen Handlungen! Wie also kommt jemand dazu, zu sagen, dass Frauen besser Auto fahren? Das Gegenteil ist der Fall! Anderslautende Studien müssen von Frauen gemacht und gleichzeitig getürkt sein!

  • Felix Spengler am 01.01.2018 07:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Statistisch gesehen...

    Meine Frau fährt eindeutig besser. Sie hat klar weniger Lackreparaturen, mehr Farben an den Ecken und auch eine wesenlich höhere Toleranz für individuelle Karosserieformen.