Fokus verändert

17. Dezember 2012 11:30; Akt: 17.12.2012 16:09 Print

Frisch gebackene Mütter lassen Gräuel-Bilder kalt

Haben Frauen gerade erst entbunden, stören sie belastende Bilder weniger, wie eine neue Studie zeigt. Die frischen Mütter sind ganz auf ihr Baby fokussiert.

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Frauen kurz nach der Entbindung lassen sich von belastenden Bildern weniger stressen als Frauen ohne Kinder. Dies berichtet ein internationales Forscherteam mit Zürcher Beteiligung. Das Senken der Stressantwort im Gehirn helfe der Mutter, die drastisch neue Rolle als Mutter zu bewältigen.

Die Forscher um Heather Rupp vom Kinsey Institute in Bloomington (US-Bundesstaat Indiana) zeigten je etwa 30 Frauen mit und ohne Baby belastende Bilder: verstümmelte Körper, eine Pistole, die auf den Betrachter zeigt oder einen Autounfall. Währenddessen massen sie die Gehirnaktivität der Testpersonen mit dem Kernspintomographen (fMRI) sowie die Stresshormone im Blut.

Die Frauen mit Babys fanden die Bilder deutlich weniger aufwühlend als die kinderlosen Frauen, was sich durch geringere Aktivität des Gefühlszentrum äusserte. Sie hatten auch tiefere Werte von Stresshormonen, wie die Forscher im Fachblatt «Social Cognitive & Affective Neuroscience» berichten.

Gaben die Forscher jedoch den kinderlosen Frauen ein Nasenspray mit dem Bindungshormon Oxytocin, das der Körper zum Beispiel beim Stillen oder beim Sex ausschüttet, so unterschieden sich ihre Reaktionen nicht mehr von jenen der Mütter.

Nur aufs Baby fokussiert

Frühere Studien hätten gezeigt, dass frischgebackene Mütter sensibler auf Bedrohungen ihres Babys reagieren, schreiben die Forscher in einer Mitteilung der Indiana University. Die aktuellen Resultate zeigten nun erstmals, dass andere Gefahren sie dafür recht kalt lassen.

Das Wohlfühlhormon Oxytocin spiele dabei eine Rolle, die im Detail aber noch ungeklärt sei. «Frühere Forschungsarbeiten haben gezeigt, dass Oxytocin den einzigartigen Geisteszustand von Müttern hervorbringt, sie beruhigt und ihr Interesse am Baby und seinem Wohlergehen erhöht», schreiben die Forscher.

An der Forschungsarbeit war auch Beate Ditzen vom Psychologischen Institut der Universität Zürich beteiligt. Sie erforscht die Wirkungen des auch «Kuschelhormon» genannten Oxytocins auf das Bindungsverhalten.

(sda)