Versteckter Verbrauch

19. Februar 2012 16:27; Akt: 19.02.2012 17:47 Print

Für eine Tasse Kaffee brauchts 130 Liter Wasser

von Olaf Kunz - Eine neue Studie zeigt, wie viel Wasser wir tatsächlich verbrauchen. Die Zahlen sind verblüffend. Ein Experte von WWF Schweiz erklärt, welche Produkte am meisten Wasser schlucken.

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Die virtuelle Wasserbilanz nach Ländern im Zeitraum zwischen 1996 und 2005. Die Pfeile zeigen die grössten virtuellen Wasserexporte. Alle Angaben in Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Überraschend dabei ist, welche Produkte des Alltags am meisten zum globalen Wasserverbrauch beitragen. So zum Beispiel... ... ein saftiger Burger. Dieser benötigt für die Produktion insgesamt 2400 Liter Wasser. Das liegt insbesondere am Fleisch. Denn für 1 Kilo Rindfleisch werden rund 15500 Liter Wasser benötigt - für die Herstellung von Viehfutter, für Trinkwasser, Stallreinigung usw. Für ein Kilo Schweinefleisch müssen rund 5470 Liter Wasser aufgewendet werden. Ein Kilo Hühnerfleisch benötigt, bis es knackig braun auf dem Teller liegt, etwa 3800 Liter Wasser. Kleines Frühstücksei, grosser Wasserschlucker: Insgesamt 135 Liter Wasser stecken zumindest virtuell unter der Schale. Eine Scheibe Brot schlägt mit 40 Litern in der Wasserbilanz zu Buche. Und für bescheidene 10 Gramm Käse braucht es 50 Liter des kühlen Nass. In einer Tasse Kaffee stecken - berücksichtigt man den Wasserverbrauch in den Plantagen und für die Verarbeitung - etwa 130 Liter. Das entspricht einer Badewanne voll Wasser. Und wer denkt Bier ist Bier und Kaffee ist Kaffee, der täuscht. Denn für die Produktion von 0,25 Liter Gerstensaft braucht es rund 75 Liter Wasser. Besonders schlechte Bilanz in dieser Hinsicht haben auch Baumwoll-T-Shirts. Ein Shirt beinhaltet etwa 2000 Liter. In die Produktion eines Kilos Baumwollstoffs fliessen rund 11000 Liter Wasser. In einer Jeanshose stecken etwa 6000 Liter Wasser. Es sei denn, es handelt sich um Hotpants. Denn kürzer ist auch umweltfreundlicher. Ein Mikrochip braucht nach solchen Berechnungen übrigens 32 Liter Wasser, bis er denn Bits und Bytes verarbeiten kann.

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Der aktuelle direkte Wasserverbrauch in der Schweiz liegt bei 325 Liter pro Person und Tag. Das sind rund 118 Kubikmeter pro Jahr. So die offizielle Statistik des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfaches. Eine aktuelle Studie kommt indes zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Demnach liegt weltweit der Wasserverbrauch im Durchschnitt bei 1385 Kubikmetern pro Person und Jahr – etwa 8600 Badewannen voll. Herr und Frau Schweizer verbrauchen sogar noch mehr.

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Die Zahlen beruhen auf einer detaillierten Analyse des direkten und indirekten Wasserverbrauchs. Arjen Hoekstra und Mesfin Mekonnen von der Universität Twente in den Niederlanden legen ihrer Untersuchung den sogenannten «Wasserfussabdruck» zugrunde. Er gibt an, wie viel Süsswasser eine Person oder ein ganzes Land verbraucht. Dabei wird die gesamte Wassermenge, die der Mensch bei der Produktion industrieller Güter und landwirtschaftlicher Produkte sowie für den persönlichen Gebrauch benötigt, eingerechnet. Dieses Vorgehen ist keinesfalls neu. Allerdings war die Datenbasis bei früheren Studien nie so umfassend wie bei der aktuellen. Die Untersuchung betrachtet den Zeitraum von 1996 bis 2005. Daraus entstanden ist eine Art Weltkarte des Wasserverbrauchs der Menschheit.

Die weltweit grössten Wasserschlucker

Der globale Wasserfussabdruck betrug in absoluten Zahlen jährlich 9 087 Milliarden Kubikmeter - das ist rund 190 Mal so viel wie der Inhalt des Bodensees. Interessant dabei: «Die Agrarproduktion hat den grössten Anteil, sie ist für 92 Prozent des weltweiten Fussabdrucks verantwortlich», wie Hoekstra in der Fachzeitschrift «Proceedings» erklärt. Die industrielle Produktion trägt 4,4 Prozent bei, der häusliche Verbrauch lediglich 3,6 Prozent. Besonders viel Wasser benötigen China, Indien und die USA. Dort sind es 1207, 1182 und 1053 Milliarden Kubikmeter. Damit sind die drei Länder für 38 Prozent des globalen Fussabdrucks verantwortlich. Wie kommen die Zahlen zustande? Welche Produkte schlagen in der Wasserbilanz besonders schwer zu Buche? Und wie können Verbraucher helfen, Wasser zu sparen und einer globalen Wasserkrise vorzubeugen? Wir haben nachgefragt bei Stefan Inderbitzin, Kommunikationsbeauftragter Wasser bei WWF Schweiz.

Der direkte Wasserverbrauch in der Schweiz ist seit einigen Jahren rückläufig. Freut das den WWF?
Stefan Inderbitzin: Das ist eine gute Nachricht und freut uns. Allerdings müssen wir uns bewusst sein, dass wir nur ganz wenig Wasser direkt verbrauchen – das meiste verbrauchen wir indirekt und primär im Ausland, weil wir Produkte konsumieren und nutzen, bei deren Herstellung zum Teil viel Wasser verbraucht wurde. Das wird auch als virtuelles Wasser bezeichnet.

Was bedeutet virtuelles Wasser?
Mit dem Begriff wird das Wasser umschrieben, das in Produkten wie Lebensmitteln oder Kleidung steckt, die wir im Alltag konsumieren. Für eine einzige Tasse Kaffee braucht es fast eine Badewanne voll Wasser, weil Kaffeepflanzen sehr wasserintensiv sind. Jedes erzeugte Produkt hinterlässt also während der Herstellung einen unsichtbaren Wasserfussabdruck (siehe Infobox rechts). Die Spur des Wasserverbrauchs lässt sich so imaginär zurückverfolgen und die Menge aufaddieren.

Haben Sie ein Beispiel?
Bis ein Rind schlachtreif ist, dauert es drei Jahre. Es liefert dann 200 Kilo knochenloses Fleisch. In den drei Jahren bis zur Schlachtung frisst das Rind 1300 kg Getreide und 7200 kg Raufutter. Hinzu kommen 24 Kubikmeter Trinkwasser und 7 Kubikmeter Wasser für die Reinigung der Ställe und weiteres mehr. Rechnet man alles zusammen, stecken in einem einzigen Kilo Rindfleisch schlussendlich 15 500 Liter Wasser. Ein anderes Beispiel ist Baumwolle. Für die Herstellung von einem Kilo Baumwollstoff braucht es 11 000 Liter Wasser, was die Umwelt schädigt. Aufgrund des Baumwollanbaus ist beispielsweise in Usbekistan der Aralsee in den letzten 40 Jahren um 85 Prozent geschrumpft.

Wie hoch ist der tatsächliche Wasserverbrauch in der Schweiz, wenn man das versteckte Wasser mitberücksichtigt?
Zieht man alle Güter und Produkte, die verbraucht werden, in die Bilanz mit ein, liegt der Verbrauch bei einigen Tausend Litern Wasser pro Kopf und Tag. In Europa liegt die Schweiz damit etwa im Mittelfeld. Wenn man hingegen allein die importierten wasserintensiven Produkte betrachtet, gehört die Schweiz in Europa zu den Spitzenländern.

Was sind die Gründe dafür, dass der indirekte Wasserverbrauch hierzulande so hoch ist?
Wir importieren viele Produkte, die sehr wasserintensiv sind. Zum Beispiel Nüsse aus der Türkei. Andererseits exportieren wir wenige wasserintensive Produkte. Somit fällt die Bilanz sehr negativ aus.

Welche Produkte sind in dieser Hinsicht die wahren Übeltäter?
Vor allem Kakao, Kaffee und Zucker sind echte Schwergewichte. Allerdings muss man hier zugute halten, dass diese Produkte meist in Regionen hergestellt werden, in denen Wasser nicht unbedingt knapp ist. Anders sieht es aus bei Fleisch, Tomaten, Reis und Weizen. Oft werden sie in Gegenden hergestellt, in denen Wassermangel herrscht. Erdbeeren aus Spanien sind ein Paradebeispiel. Dort wird für die Bewässerung der Felder so viel Wasser abgezapft, dass ganze Flussdeltas auf Dauer auszutrocknen drohen.

Hilft es, wenn Verbraucher Ökoprodukte kaufen, um Wasser zu sparen?
Unbedingt. Regionale und saisonale Produkte sind importierten in aller Regel vorzuziehen, weil wir so nicht Wasser dort verschwenden, wo es wirklich knapp ist. Zumal wir bei diesen Produkten wegen den kürzeren Transportwegen auch weniger CO2 produzieren.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heiri Wassermann am 19.02.2012 18:10 Report Diesen Beitrag melden

    Und der Rücklauf?

    Nun, ich werde trotzdem ein paarmal pro Jahr nen Burger reinziehen. Aber es ist schon richtig, warum muss ich Erdbeeren im eiskalten Winter aus Spanien essen? Ich ess unsere eh lieber. Aber auch die Verbrauchen ja Wasser, oder? Halt Regenwasser, das niemand misst, aber weg ists. Nur gut, dass ich ab und zu auch mal Wasser lasse, und meiner Erfahung nach, je mehr, je mehr ich Wasser zu mir nehme. Ist dieser "Rücklauf" in den Wasser "footprints"eigentlich mit eingerechnet? Scheint doof, aber denken wir mal an die Kuhfürze und dem Klimaerwärmendem Methangas, das sah zunächst auch lächerlich aus..

  • S.w. am 20.02.2012 18:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alles Positiv sehen.

    Gut! Wenn die Pole schmelzen haben wir Wasse für die nächsten 10 Milionen Jahre;)

  • Fridolin am 19.02.2012 19:43 Report Diesen Beitrag melden

    Macht Gletscher zu Burger

    Das Eisvolumen allein der CH-Gletscher beträgt derzeit angeblich 65 Kubikkilometer. Geschmolzen ergäbe das etwa 58 Kubikkilometer Wasser. Das sind 58 Milliarden Liter. Ergäbe 3'741'953 Kilo Rindsfilet, 193'333'333 Liter Bier oder 24'166'667 saftige Burger. Fazit: Wenn wir dem Klima so richtig einheizen springen dabei viele leckere Sachen für uns raus.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Shimi am 21.02.2012 08:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Janu.. 

    2012 steht vor der Tür.. also.. Who Cares.. Ob wir nun mit oder ohne 130L für eine Tasse Kaffe untergehen... Bezweifle dass jemand während des Untergangs eine Tasse Kaffe macht ;-)

  • Ricardo Granda am 21.02.2012 07:11 Report Diesen Beitrag melden

    Das liebe Wasser

    Wen wir den Menschen als Beispiel nehmen, müsste man uns eigentlich abschaffen: Sagen wir, ein Mensch verbraucht 200 l Wasser am tag, er hat ein Gewicht von 75 kg und lebt 78 Jahre. Das macht 75920 l pro Kilogramm Fleisch (mit Knochen) :-).

  • Lukas A. am 20.02.2012 23:55 Report Diesen Beitrag melden

    wasser kann man nicht verbrauchen

    so ein schwachsinn. Wasser kann man nicht verbrauchen, es wird nur genutzt. Weltweit is immer gleich viel Wasser da, nicht mehr, nicht weniger. Es ist einfach in verschiedenen Formen vorhanden, mal sichtbar mal unsichtbar.

  • m. e. scherrer am 20.02.2012 20:03 Report Diesen Beitrag melden

    Unsinnige "Studie"

    haben denn diese gescheiten Leute auch berechnet wie viel Wasser für diese "Studie" versaut wurde? für Diejenigen die diesen Unsinn verfasst haben. für das Papier das mit diesem Unsinn bedruckt wurde, die Druckfarbe. Für die Energie die die Rechner verbraucht haben um diesen Unsinn zusammenzufassen und zu verbreiten. uvm.

  • Luke Fleischmann am 20.02.2012 19:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stellt euch mal vor

    für die ausführung der studie, das schreiben des berichts seitens wwf usw. wurden literweise kaffee, kiloweise fleisch und zig tausende liter wasser endgültig verbraucht. war es das wert? spass beiseite - solche artikel archiviere ich unter "humor. nicht"