Gehirnwoche

11. März 2010 22:34; Akt: 16.03.2010 11:56 Print

Gedanken und  Gefühle sichtbar gemachtGedanken und Gefühle sichtbar gemacht

von Fee Riebling - Kaum ein anderes Forschungsgebiet hat in den letzten Jahren so grosse Fortschritte gemacht wie die Hirnforschung. In der Woche des Gehirns gewähren Wissenschaftler Einblick in die Neurowissenschaften.

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Dem Geheimnis des Gehirns auf der Spur.

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Die neusten Erkenntnisse der Hirnforschung verdanken die Wissenschaftler vor allem den ständig weiterentwickelten Technologien. Bis vor rund 100 Jahren mussten die Forscher noch mühsam – und mit unbestimmtem Ausgang – Löcher in die Schädel von Patienten bohren. Heute können sie dank modernster bildgebender Verfahren berührungsfrei auch in die tiefsten Regionen des Gehirns blicken.

Die Einführung der Magnetresonanztomographie (MRT) revolutionierte die Neurowissenschaften: «Früher konnten wir die Struktur des Hirns nur mit einem anatomischen Schnitt bei Verstorbenen untersuchen – und auf einmal war alles auf dem Computermonitor zu sehen», erinnert sich der Neurologe Marco Mumenthaler. Uwe Herwig von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich konkretisiert: «Dank der detaillierten Aufnahmen können wir sogar erkennen, in welchen Hirnregionen bestimmte Emotionen ablaufen.» Das MRT-Bild ähnelt auf den ersten Blick einer Röntgenaufnahme. Es entsteht jedoch völlig ohne schädliche Röntgenstrahlen.

Dank diesen Erkenntnissen lassen sich für viele Krankheiten die Diagnosen verfeinern und neue Therapieformen entwickeln. Zudem spannen verschiedenste wissenschaftliche Disziplinen wie Anatomie, Psychologie oder Verhaltensforschung zusammen, um noch genauer zu verstehen, wie wir Menschen ticken.

Spuren der Depression

Leidet die Seele, ist die Ursache nicht allein in der Psyche zu suchen. «Zwar ist eine Depression eine psychische Erkrankung, aber sie geht einher mit biochemischen, morphologischen und elektrophysiologischen Veränderungen im Gehirn», sagt Erich Seifritz, Professor für Psychiatrie an der Uni Zürich. Das Hirn ist ein komplexes Netzwerk, in dem eine Depression überall ihre Spuren hinterlässt. Ihre Krankheitsmechanismen besser identifizieren zu können, ist das Ziel von Seifritz. Eine Depression ist stressig für Körper, Gehirn und Psyche – und potenziell tödlich. Wird zu spät behandelt, kann sie chronische Schäden verursachen. Doch die Aussichten auf Heilung sind gut: «Das Hirn kann sich regenerieren, Medikamente und Psychotherapie unterstützen diesen Prozess.»
Dienstag, 16.3., 18.30 Uhr, Erich Seifritz, Klaas E. Stephan & Uwe Herwig: «Bildgebung in der Psychiatrie: Einsichten und Erkenntnisse», Hörsaal F180, Universität Zürich.

Völlig losgelöst

Immer wieder berichten Menschen, ihr Geist habe den Körper verlassen und sie hätten sich von aussen betrachtet. Das tönt zunächst esoterisch, der Verdacht fällt schnell auf erheblichen Drogenkonsum. Tatsächlich aber erleben rund zehn Prozent der Bevölkerung mindestes einmal eine derartige ausserkörperliche Erfahrung, kurz OBE (Out-of-Body-Experience). Bei Migräne- oder Epilepsiepatienten ist sie sogar relativ häufig.
Neurowissenschaftlern der ETH Lausanne ist es gelungen, auch bei Gesunden eine künstliche OBE hervorzurufen. Zwar sind die Empfindungen in der Laborsituation nicht so ausgeprägt wie bei einem natürlichen Erlebnis, dennoch gilt damit als
bewiesen, dass die körpergebundene Perspektive nicht selbstverständlich ist, sondern eine aktive Leistung unseres Gehirns darstellt.
Donerstag, 18.3., 18.30 Uhr: Olaf Blanke, Peter Brugger & Theodor Landis: «Virtuelle Welten», Hörsaal F180, Universität Zürich.

Stress macht sozial

Gehirnforschung macht nicht beim Individuum Halt, denn das Hirn steuert auch den Umgang mit Mitmenschen. Wie Stress auf das Verhalten wirkt, haben nun Forscher der Uni Freiburg (D) untersucht. Sie analysierten, wie Probanden nach einer Belastungssituation Verhandlungen führten. Fazit: Unter akutem Stress werden wir nicht etwa egoistischer, sondern wir vertrauen mehr und handeln sozialer. Dieses überraschende Ergebnis deutet Studienleiterin Bernadette von Dawans so: «Wenn ich bei der Arbeit Stress habe, nützt es wenig, wenn ich meine Kollegen anschreie oder fortlaufe.» Sich Hilfe zu holen, sei wesentlich sinnvoller und eine an unsere Zeit angepasstere Reaktion.
Donerstag, 18.3., 19.30 Uhr: Bernadette von Dawans: «Soziale Neurowissenschaften: Verändern Hormone unser Sozialverhalten?», Grosser Hörsaal des Zentrums für Lehre und Forschung, Unispital Basel.

www.brainbus.ch