Ihre Story, Ihre Informationen, Ihr Hinweis?
feedback@20minuten.ch 
Erste Tiere freigesetzt
16. November 2012 06:00; Akt: 16.11.2012 12:40 Print
«Gentech-Insekten wären im Obstbau interessant»
von Claudia Hoffmann - Eine britische Firma hat Gentech-Mücken in der freien Natur getestet. Der Ökologe Wolfgang Nentwig von der Uni Bern zu Gefahren und Nutzen gentechnisch veränderter Insekten.

Vorläufig noch nicht in der Schweiz: Gentech-Insekt. (Bild: Keystone)
Herr Nentwig, tummeln sich bald Gentech-Insekten in der Schweiz?
Wolfgang Nentwig: Definitiv nicht in nächster Zeit! Die Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen ist bei uns streng geregelt. Eine Firma müsste sehr komplexe Auflagen erfüllen und wäre damit wohl jahrelang beschäftigt. Und: Bisher wurde kein einziger Antrag bei den Behörden gestellt.
Wolfgang Nentwig
ist seit 1988 ordentlicher Professor für Ökologie am Institut für Ökologie und Evolution der Universität Bern. Er studierte von 1974 bis 1979 Biologie an der Universität Marburg und promovierte 1981 über die Dynamik von Räuber-Beute-Systemen. 1985 habilitierte er sich in Zoologie.
Gab es bereits anderswo Freisetzungen?
Ja, aber nur sehr wenige. Die britische Firma Oxitec schreibt auf ihrer Website, dass sie gentechnisch veränderte Insekten bereits in Brasilien, Malaysia und auf den Cayman-Inseln freigesetzt hat. Also alles Länder, in denen die gesetzlichen Regelungen sehr schwammig sind. Das ist aus meiner Sicht unseriös, wenn man auf diesem Wege strenge Auflagen in anderen Ländern umgehen will. Oxitec hat unter anderem auf den Cayman-Inseln gentechnisch veränderte Gelbfieber-Mücken in die Umwelt entlassen, um das von dieser Mückenart übertragene Denguefieber zu bekämpfen.
Wie funktioniert das?
Bei den freigesetzten Mücken handelt es sich um sterile Männchen. Diese können sich zwar weiterhin mit normalen Weibchen paaren, aber ihre Nachkommen sind nicht lebensfähig. Dadurch schrumpft die Mücken-Population. Die Methode der sterilen Männchen ist nicht neu und wird auch bei anderen Insektenarten verwendet. Nur wurden die Männchen bisher nicht gentechnisch, sondern chemisch oder durch Bestrahlung sterilisiert. In Spanien beispielsweise werden sterile Fruchtfliegen millionenfach ausgesetzt, um den Schädling in Obstplantagen zu bekämpfen – mit Erfolg.
Welche Vorteile hat die gentechnische Methode gegenüber der konventionellen?
Mit der konventionellen Behandlung erreicht man keine hundertprozentige Sterilität. Das heisst, ein bis fünf Prozent der Männchen können trotzdem noch gesunde Nachkommen zeugen. Mit Gentechnik sollten hingegen sämtliche Männchen steril sein. Ausserdem will man so vermeiden, dass die Tiere durch die chemische Behandlung geschwächt sind und deshalb weniger lang überleben, sich also nicht mehr paaren können. Es gibt aber bisher keine öffentlich zugänglichen Daten, die belegen würden, dass die gentechnische Methode tatsächlich besser funktioniert.
Kritiker befürchten, dass Rückstände von Gentech-Insekten in der Nahrung gesundheitsschädlich sein könnten.
Ich halte das für sehr unwahrscheinlich. Selbst wenn Rückstände da wären, würden diese beim Verdauungsprozess vollständig abgebaut. Dass Gesundheitsprobleme aufgetreten sind, ist mir nicht bekannt.
Welchen Nutzen könnten Gentech-Insekten der Schweiz bringen?
Ein Einsatz in der Landwirtschaft wäre vielleicht interessant, zum Beispiel von sterilen männlichen Fruchtfliegen im Obstbau. Ich bin aber überzeugt, dass es hierzulande auch in Zukunft keine Anträge auf Freisetzungen geben wird. Die Schweiz ist im Gegensatz zur EU ein viel zu kleiner Markt. Gleichzeitig sind die gesetzlichen Hürden so gross, dass sich eine Investition für Firmen nicht lohnt.
Fragen und Antworten rund um die Kommentar-Funktion
«Warum dauert es manchmal so lange, bis mein Kommentar sichtbar wird?»
Unsere Leser kommentieren fleissig - durchschnittlich gehen Tag für Tag 4000 Meinungen zu allen möglichen Themen ein. Da die Verantwortung für alle Inhalte auf der Website bei der Redaktion liegt, werden die Beiträge vorab gesichtet. Das dauert manchmal eben einige Zeit.
«Gibt es eine Möglichkeit, dass mein Beitrag schneller veröffentlicht wird?»
Wer sich auf 20 Minuten Online einen Account zulegt und als eingeloggter User einen Beitrag schreibt oder auf einen Kommentar antwortet, der wird vorrangig behandelt. Hat ein eingeloggter User bereits viele Kommentare verfasst, die freigegeben wurden, so werden seine neuen Beiträge mit oberster Priorität behandelt.
«Warum wurde mein Kommentar gelöscht?»
Womöglich wurde der Beitrag in Dialekt verfasst. Damit alle deutschsprachigen Leser den Kommentar verstehen, ist Hochdeutsch bei uns Pflicht. Sofort gelöscht werden Beiträge, die Beleidigungen, Verleumdungen oder Diffamierungen enthalten. Auch Kommentare, die aufgrund mangelnder Orthografie quasi unlesbar sind, werden das Licht der Öffentlichkeit nie erblicken. (oku)
Haben Sie allgemeine Fragen zur Kommentarfunktion?
Schreiben Sie an feedback@20minuten.ch
Hinweis: Wir beantworten keine Fragen, die sich auf einzelne Kommentare beziehen.
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 72 Stunden, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.
-
Alle 45 Kommentare

Die Printausgabe von 20 Minuten gibts jetzt auch als ePaper.
Die 20 Minuten App Familie
Thank god it's Friday!
DIE Nightlife-Website für Partyverrückte aus aller Welt




















Achtung Gefahr!
Gentech-Insekten sind eine sehr grosse Gefahr. Stellt Euch vor, nach der Entwicklung von Gentech-Mücken kommen Menschen, die aus jeder Mücke gleich einen Elefanten machen - nicht auszudenken. Elefanten, die mit dem Rüssel stechen können und dabei Menschen tödlich verletzen.
Einflugverbot für EU-Insekten?
Bei uns sind die gesetzlichen Hürden zu hoch, als dass veränderte Insekten eingeführt werden könnten, wer kontrolliert dann all die Insekten, die täglich als Pendler über die EU-Aussengrenze in unser Land fliegt. He, aufwachen!
monsanto lässt grüssen...
Ökosystem, zum kapern Ahoy! ist doch pfusch und buisness diese offenen feldversuche. garantiert mir jemand dass das nicht ausser kontrolle gerät...