Glasklare Resultate

16. Juni 2014 22:24; Akt: 16.06.2014 23:16 Print

Gift in Europas Gewässern trübt den Badespass

Der Sprung in einen kühlen See oder Fluss ist für viele Menschen das Schönste an heissen Tagen. Doch manch einer dürfte sich das zweimal überlegen, wüsste er, worin er da badet.

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Damit der Badespass einem wie hier in der Rhone nicht verleidet, sollten in der Landwirtschaft weniger Chemikalien eingesetzt und Abwässer besser geklärt werden, fordern die Wissenschaftler. (Bild: Keystone)

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Chemische Substanzen belasten Europas Gewässer stärker als gedacht. Dies fanden deutsche, schweizerische und französische Forscher heraus. Die Belastung mit Chemikalien sei so hoch, dass die von den EU-Mitgliedsstaaten bis 2015 angepeilte Verbesserung der Wasserqualität wohl nicht erreicht werde, meinen die Experten.

«An der Wasserrahmenrichtlinie schrammen wir dicht vorbei», sagte der Co-Autor der Studie, Werner Brack vom Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) in einer Mitteilung. Hauptverursacher der Belastung in den untersuchten Flüssen sind demnach Landwirtschaft und städtische Kläranlagen. Die stärkste Belastung kommt der Studie zufolge von Pestiziden.

Ökologisches Risiko

In bedenklichen Konzentrationen wurden auch gefährliche Organozinnverbindungen, bromierte Flammschutzmittel und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe gefunden, die aus Verbrennungsprozessen stammen. Die Forscher — darunter ein Spezialist für die Modellierung von Gewässerökosystemen an der Wasserforschungsanstalt Eawag in Dübendorf — veröffentlichten ihre Studie in den «Proceedings oft he National Academy of Sciences».

Die Wissenschaftler analysierten Daten zu 223 Chemikalien aus den Einzugsgebieten von 91 Flüssen, darunter Rhein, Rhone und Ostalpen. Die Angaben stammten von mehr als 4000 Messstellen. Die chemische Belastung stellt für rund die Hälfte der Gewässer ein ökologisches Risiko dar. Bei rund 15 Prozent könnten sogar akut toxische Effekte auf Gewässerorganismen auftreten.

Dringender Handlungsbedarf

«Für die Praxis bedeutet das, dass sich auf allen Ebenen dringend etwas bewegen muss», sagte der Studienleiter Ralf B. Schäfer. Chemikalieneinträge in Gewässer müssten generell vermieden werden. In der Landwirtschaft sollten weniger Chemikalien eingesetzt und Abwässer besser geklärt werden.

Direkte Vergleiche zwischen den Ländern seien schwierig, erläuterte das Helmholtz-Zentrum in einer Mitteilung. Dass etwa Frankreichs Gewässerqualität in der Studie am schlechtesten dasteht, liege vermutlich daran, dass die Behörden dort über ein sehr engmaschiges Messnetz verfügten und viele Substanzen analysiert würden. In anderen Staaten würden Risiken durch unzureichende Überwachung nicht erkannt.

(fee/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pesche Müller am 17.06.2014 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gewässerschutz am Ende

    Der Gewässerschutz ist seit Jahren eine Farce. Die Branchen Chemie, Pharma und Landwirtschaft habe stets Vorrang mit Giftaustrag in Luft und Wasser.

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  • Yori Master am 17.06.2014 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch überlegen

    Abgesehen davon, was die Landwirtschaft, Industrie, Krankenhäuser etc. ins Abflussrohr spülen, überlegen wir doch einmal, was wir als einzelne Person tagtäglich ins Spülbecken zu Hause runter lassen: Seife, Shampoo, Rasierschaum, Urin, Kot, WC-Papier, Zahnpasta, Spülmittel, Waschmittel, Putzmittel, etc. etc. Die Schweiz alleine hat rund 8 Mio. Einwohner. Die Frage stellt sich nicht erst heute, wie viel unser Wasser an chemischen, giftigen Stoffen, Hormonen, Medikamenten, Nanostoffen etc. verträgt, das Problem ist schon seit Jahrzehnten akut. Fazit: Unser Wasser ist längst nicht mehr sauber.

  • Ronny Rooster am 17.06.2014 07:07 Report Diesen Beitrag melden

    Chemikalien sind uninteressant

    spielt doch keine Rolle, ist keine Radioaktivität also nicht schlimm ergo (Radioaktivität ist IMMER SEHR SEHR SCHLIMM "Ironie Ende"), kann man sich diesen Beitrag ersparen, es interessiert niemanden. Seit Jahrzehnten sind die chemischen Belastungen für die Umwelt in übergrenzwertigen Bereichen, aber es interessiert niemanden!!!! lieber über CS-137 im Bielersee berichten, wovon ich 2 Tonnen Erde essen muss bis ich überhaupt den Jahresgrenzwert für nicht strahlenexponierte Personen erreiche.....

Die neusten Leser-Kommentare

  • Yori Master am 17.06.2014 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Logisch überlegen

    Abgesehen davon, was die Landwirtschaft, Industrie, Krankenhäuser etc. ins Abflussrohr spülen, überlegen wir doch einmal, was wir als einzelne Person tagtäglich ins Spülbecken zu Hause runter lassen: Seife, Shampoo, Rasierschaum, Urin, Kot, WC-Papier, Zahnpasta, Spülmittel, Waschmittel, Putzmittel, etc. etc. Die Schweiz alleine hat rund 8 Mio. Einwohner. Die Frage stellt sich nicht erst heute, wie viel unser Wasser an chemischen, giftigen Stoffen, Hormonen, Medikamenten, Nanostoffen etc. verträgt, das Problem ist schon seit Jahrzehnten akut. Fazit: Unser Wasser ist längst nicht mehr sauber.

  • Zitrone am 17.06.2014 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    Mag's nicht mehr hören

    Haben die Medien nicht erst kürzlich gross getönt, dass das zu saubere Wasser den Fischen nicht bekommen?

    • Nightjar 68 am 17.06.2014 14:55 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht das Gleiche

      Die Nährstoffbelastung (als Düngerrückstände, Phosphate aus Waschmitteln etc.) ist zurückgegangen, auf ein natürliches Niveau. Damit können sich die ehemals (zu) hohen Fischbestände nicht mehr halten. Die Verschmutzung mit Pestiziden, Medikamentenrückständen etc. hat hingegen zugenommen, davon ist hier die Rede.

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  • Pesche Müller am 17.06.2014 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Gewässerschutz am Ende

    Der Gewässerschutz ist seit Jahren eine Farce. Die Branchen Chemie, Pharma und Landwirtschaft habe stets Vorrang mit Giftaustrag in Luft und Wasser.

    • lu am 17.06.2014 12:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      du hast recht

      genau und unsere heimischen Fischbestände gehen durch das auch zugrunde...

    • Phil am 17.06.2014 13:38 Report Diesen Beitrag melden

      Sie vergessen den ganzen Bausektor.....

      in welchem das Wärmedämmverbundsystem als Standartlösung für Fassadendämmungen gilt. Diese Schicht besteht gänzlich aus Polystyrol (bromiertes Flammschutzmittel inkl.) mit einem Kunststoffvergüteten Aussenputz welcher gegen Bewuchs mit grossen Mengen Bioziden versetzt wird, welche sich auswaschen und in die Gewässer gelangen. Die an Dämmfassaden angewendeten Stoffe sind in der Landwirtschaft schon lange nicht mehr zugelassen.

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  • Der Überlebende am 17.06.2014 10:01 Report Diesen Beitrag melden

    Survivor

    So schlimm kanns ja nicht sein. Dass "toxische Effekte auf Gewässerorganismen" auftreten, ist ja nicht weiter verwunderlich, da die den Stoffen 24/7 ausgesetzt sind. Aber schwimmen kann man da gut, die gewünschte Erfrischung bringts und man duscht dann ja auch wieder zuhause.

  • Koni am 17.06.2014 09:37 Report Diesen Beitrag melden

    Versteh ich nicht.

    Hiess es nicht vor einigen Tagen, dass unsere Seeen zu sauber wären und es weniger Fische habe?