Rekordzahlen beim Tox-Zentrum

30. Juni 2014 17:54; Akt: 30.06.2014 17:54 Print

Giftige Raupe breitet sich in der Schweiz aus

Das Gift des Eichenprozessionsspinners kann tödlich sein. Elf Fälle von Vergiftungen durch die Raupe wurden dem Schweizer Tox-Zentrum dieses Jahr gemeldet – ein Rekord.

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Ein giftiges Tier erobert derzeit die Schweiz. Der Eichenprozessionsspinner ist eine Raupe mit Brennhaaren, die beim Kontakt mit Menschen heftige allergische Reaktionen auslösen können. Im schlimmsten Fall kann dies tödlich enden. Bis anhin sind beim Tox-Zentrum bereits elf Vergiftungsfälle gemeldet worden, das ist ein Rekord. «Und auch in der zweiten Jahreshälfte werden sich noch mehr Leute melden», sagt Direktor und Chefarzt Hugo Kupferschmidt. Aus Erfahrung wisse er, dass spätestens im August und September noch Fälle auftauchten.

Die Reaktionen auf den Kontakt mit den Raupenhärchen sind unterschiedlich. Die Empfindlichkeit der Person sei ausschlaggebend, sagt Ueli Meier, Kantonsforstingenieur beider Basel. «Die Symptome sind ähnlich wie nach einem Brennnesselstich, die Haut juckt und es können Ekzeme, Quasten und Pusteln entstehen.» Wichtig sei, sich nicht zu kratzen oder die betroffenen Stellen abzureiben, denn so drücke man das Gift noch weiter in die Haut und verteile es regelrecht. Meier rät, gründlich mit lauwarmem Wasser zu duschen, alle Kleider zu waschen oder den Abschnitt abzudecken. Auf jeden Fall solle man so schnell wie möglich zum Arzt gehen. «Reagiert jemand allergisch auf das Gift der Raupe, kann er sterben.»

Atemwege und Augen sind besonders empfindlich

Das Gemeine an der Raupe: Die giftigen Brennhaare sind mikroskopisch klein und von Auge nicht erkennbar. «Eine Berührung kann jedoch auch für die Atemwege gefährlich werden, das ist insbesondere für Asthmatiker problematisch», sagt Beat Wermelinger, Waldentomologe von der eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft. Die Augen sind ebenfalls extrem empfindlich, bei einer Berührung mit Raupenhaaren können Rötungen der Bindehaut, Lichtscheuheit und Schwellungen entstehen.

Wermelinger hat die Verbreitung des Eichenprozessionsspinners in den letzten Jahren beobachtet. «Die Raupe ist in verschiedenen Gebieten der Westschweiz heimisch, doch wird sie insbesondere nach heissen Jahren auch im Mittelland gefunden.» Die Raupe sei ein wärmeliebendes Tier und breite sich aufgrund der Wetterentwicklung auch hierzulande aus. Kantonsforstingenieur Meier sagt: «Die Voraussetzungen im letzten Jahr waren ideal.» Der lange warme Herbst sei für eine gute Entwicklung hilfreich gewesen und der milde Winter habe das Überleben der abgelegten Eier erleichtert.

«Härchen auch nach dem Tod der Raupe noch giftig»

Der Prozessionsspinner bevorzugt vor allem alleinstehende Eichen, die gut besonnt sind. «Solche Bäume stehen oft in Schwimmbädern, Parkanlagen und an Waldrändern, was für Besucher und Spaziergänger natürlich zum Problem werden kann», so Meier. Die Raupen bilden Netze, die wie Spinnenweben aussehen. Wer ein solches Gespinst entdecke, solle es auf keinen Fall anfassen, sondern die Gemeinde oder den Forstdienst informieren.

Obwohl das Tier nicht von selbst angreife, könne es zu gefährlichen Situationen kommen – vor allem für Kinder, die auf der Wiese tollten oder sich auf den Boden legten. Denn die Brennhaare der Raupe sind auch noch giftig, wenn sie lose im Gras liegen, – laut Wermelinger bis zu einem Jahr nach dem Ableben des Prozessionsspinners.

Dies ist der Grund, weshalb auch in der zweiten Jahreshälfte noch Meldungen beim Tox-Zentrum eingehen. Denn die Raupe wird nur noch wenige Wochen lang eine Raupe sein, dann verpuppt sie sich und schlüpft im August als Falter wieder. Doch die Härchen bleiben liegen und bleiben giftig.

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