Windkraft

09. Februar 2012 09:22; Akt: 09.02.2012 09:31 Print

Grüne Energie ist nichts für blaue WaleGrüne Energie ist nichts für blaue Wale

von Franziska Voegeli - Chilenische Umweltaktivisten wehren sich gegen einen Windpark auf der Insel Chiloé. Die Rotoren würden wichtige Weidegründe der grössten Tiere der Erde bedrohen.

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Der Lärm von Windkraftwerken könnte das Kommunikations-System der Blauwale beeinträchtigen. (Bild: Keystone)

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Alternativenergien sind gut für die Umwelt. Würde man meinen. Doch nicht immer, und nicht nur. Unter den 160 000 Einwohnern der chilenischen Insel Chiloé sorgt ein gigantisches Windkraftwerk, der Parque Eólico Chiloé, für Unruhe.

«Das wird unsere Ruhe beeinträchtigen», wird Gicella Saldivia in der «Time» zitiert. Saldivia führt mit ihrer Familie einen kleinen Bio-Bauernhof und ein Restaurant auf Chiloé und vertritt zudem die Kritiker des Energieparkes. Viele Ornitologen kommen auf die idyllische Pazifikinsel, um die Vögel am Mar Brava Strand zu beobachten.

Beeinträchtigung von Leben im Wasser?

Nun könnte die Energiefirma Ecopower dem Vogelparadies mit seinen Plänen einen Strich durch die Rechnung machen. Am Pazifikstrand sollen 56 Windkraft-Turbinen gebaut werden. Aus energietechnischer Sicht ein idealer Ort – auf dem wilden Meer, wie Mar Brava zu deutsch heisst, weht ein kräftiger Wind.

Bis 2025 soll der Energie-Output von Chile auf 30 000 Megawatt verdoppelt werden. Mit seiner 4000 Kilometer langen Küste hat das südamerikanische Land enormes Potenzial, die grüne Energie für sich zu nutzen. Mit dem 235-Millionen-Dollar-Projekt könnte auf Chiloé gemäss «National Geographic» dreimal mehr Energie produziert werden, als die Inselbewohner benötigen. Auf Kosten der Natur. Das geplante Windkraftwerk würde das Leben in der Luft wie im Wasser beeinträchtigen.

Der Strand an der Nordwestküste der Insel bietet Lebensraum für unzählige Vögel, darunter einheimische Möwen und Flamingos, wie auch für wiederkehrende Zugvögel. Gleichzeitig gilt die Gegend als einer der wichtigsten Blauwal-Weidegründe der südlichen Hemisphäre. Den Vögeln drohen die Rotationsblätter, den Fischen der Lärm.

Lärm bis zu 100 Dezibel

Auf eine Entfernung von einem Kilometer produzieren die Anlagen Lärm-Emissionen von etwa 50 Dezibel. Da manche Ecopower-Turbinen in einem Abstand von nur 10 Metern vom Wasser entfernt platziert werden sollen, könnte es laut Forschern für Meeresbewohner noch lauter werden. 100 Dezibel wären wohl keine Ausnahme. Das ist so laut, wie wenn man neben einem laufenden Rasenmäher steht. Dieser Pegel könnte das hochsensible Kommunikationssystem der Blauwale stören, glauben Biologen. Und das wiederum ihre Brut- und Futterroute gravierend beeinflussen.

Somit bringt die Alternativenergie den umweltbewussten Inselbewohnern alles andere als ein gutes Gewissen. Es ist nicht das erste Mal, dass Ökostrom in Patagonien Wellen schlägt. 2011 demonstrierten in der Hauptstadt Santiago de Chile Zehntausende gegen das gewaltige Staudammprojekt Hidro Aysén im chilenischen Teil des Gebietes.

Ecopower-CEO Julio Albarrán: Lärmeinwand ist «heuchlerisch»

Im Dezember soll Barbara Galletti, Präsidentin des Naturschutzzentrums Centro de Conservación Cetacea gemäss «Time» dem chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera einen Brief geschrieben haben, um den Bau des Ecopower-Windkraftwerks zu stoppen. Das Vorhaben wurde auch von Spezialisten für Meeressäugetiere unterstützt. Zumindest bis die Untersuchung über den Einfluss der Turbinen auf Wasser- und Landtiere abgeschlossen sei, solle das Gericht die Firma aufhalten. Allerdings hat diese nicht vor, sich kampflos zu ergeben: Der Lärmeinwand sei heuchlerisch, findet CEO Julio Albarrán. Konsequenterweise müssten alle Boote aus dem Ozean verbannt werden.