Körper-Reaktion

04. März 2013 17:32; Akt: 05.03.2013 09:55 Print

Hunger im Mutterleib führt zu Diabetes

Leidet eine Schwangere an Hunger, vererbt sie ihrem Kind ein hohes Riskio, dass es später zuckerkrank wird. Forscher erklären den Umstand damit, dass das Ungeborene auf Mangelernährung geeicht wird.

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Eigentlich gingen die Forscher um Stefan Thurner einer ganz anderen Frage nach, als ihnen in den Jahrgangsdaten von 325'000 österreichischen Diabetes-Patienten drei merkwürdige Ausschläge auffielen: Die Jahrgänge 1920/21, 1938 und 1946/47 waren besonders häufig an Diabetes erkrankt.

Nach langem Suchen fanden die Wissenschaftler von der Medizinischen Uni Wien die Lösung: Die Häufung von Diabetes bei gewissen Geburtsjahrgängen stimmt mit dem Auftreten von Hungersnöten überein. Eine Nahrungsmittelknappheit gab es in Österreich 1918 nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Monarchie, 1938 nach der Wirtschaftskrise, Arbeitslosigkeit und schlechten Ernten, sowie im Hungerwinter 1946/47, der weite Teile Europas betraf.

Wahrscheinlichkeit verdoppelt

Bei Menschen, die in oder kurz nach diesen Hungerjahren geboren wurden, fanden die Forscher ein stark erhöhtes Diabetes-Risiko im Alter, wie sie im Fachblatt «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) berichteten. Wer 1920/21 im damals ärmlichen Burgenland geboren wurde, hat eine mehr als doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, heute an Diabetes zu leiden, wie davor oder danach Geborene, erklärte Thurner der Nachrichtenagentur APA.

Langfristige Gesundheitsauswirkungen von Unterernährung konnten schon frühere Studien nachweisen, etwa in den Niederlanden 1944, in China 1959-1961 oder im nigerianischen Bürgerkrieg 1967-1970. Diese Studien würden aber nur auf Daten von ein paar Tausend Personen basieren, sagte Thurner.

Sparsame Körper

Aus diesen Studien haben Wissenschaftler die «Hypothese des sparsamen Phänotyps» entwickelt. Demnach passt sich der Stoffwechsel von Föten, deren Mutter mangelernährt ist, an den Nahrungsmangel an. Sind sie wider Erwarten später normaler Nahrung ausgesetzt, gerät ihr Insulinhaushalt aus dem Lot.

Sollten sich die Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Hunger und Diabetes verdichten, «müsste man dort, wo schwangere Frauen heute hungern, in den nächsten 30 bis 50 Jahren deutlich höhere Diabetes-Raten erwarten», betonte Thurner. Ärzte könnten aber auch vorbeugend bei Menschen, die in Hungerzeiten geboren wurden, früher mit der Behandlung der Diabetes beginnen.