Anfällige Riesen

27. März 2014 19:09; Akt: 27.03.2014 20:41 Print

Inzucht und Stress haben Mammuts getötet

Warum starben die Mammuts aus? Fehlbildungen in ihrem Skelett deuten darauf hin, dass die Urzeit-Elefanten verletzlicher waren, als es ihr Aussehen vermuten lässt.

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Fehlbildungen geben Hinweise darauf, weshalb die Wollhaar-Mammuts ausgestorben sind. (Bild: Tracy O)

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Vor rund 10'000 Jahren verschwanden die Wollhaar-Mammuts (Mammuthus primigenius) aus Nordosteuropa. Über die Gründe rätseln Experten seit Jahren. Nun haben Forscher vom Rotterdamer Natural History Museum an mehreren Skeletten Fehlbildungen entdeckt, die Aufschluss über den Untergang der Urzeit-Elefanten geben könnten.
Das Team um Jelle Reumer hatte bei den Knochen von neun Tieren nach Halsrippen gesucht, jenen Knochen, die am Halswirbel ansetzen. Eine solche Fehlbildung deute auf Inzucht und schwierige Lebensbedingungen hin, berichten die Forscher im Fachjournal «PeerJ».

Verletzliche Urzeit-Riesen

Die Wirbel stammen aus dem Zeitalter des Jungpleistozäns, in dem sich Warm- und Eiszeiten abwechselten. Es begann vor rund 130'000 Jahren und endete vor etwa 11'800 Jahren. Sämtliche Knochen wurden an der Nordsee gefunden. Dort hätten einige der letzten Mammuts gelebt, sagte Reumer gemäss einer Mitteilung der Zeitschrift. «Also haben wir vermutet, dass etwas mit ihnen passiert sein musste.»
Tatsächlich deuteten ihre Ergebnisse auf schwerwiegende Probleme innerhalb dieser Population hin, heisst es weiter. So wiesen drei der neun analysierten Knochen Ansätze von Halsrippen auf. Das entspricht einer Quote von 33 Prozent. Bei den heute lebenden nächsten Verwandten der Mammuts – den Elefanten – fanden die Wissenschaftler nur bei 3,6 Prozent der untersuchten Tiere vergleichbare Anomalien.
Die grosse Verbreitung der Fehlbildungen bei den Mammuts führen die Forscher vor allem auf zwei Gründe zurück: Inzucht und schwierige Lebensbedingungen. So könnten Kälte und Hunger bei Embryos und Föten zur Bildung von Halsrippen führen. Diese Knochenverformung sei zwar meist harmlos, aber sie trete häufig in Zusammenhang mit Krankheiten und angeborenen Anomalien auf. «Diese Verletzlichkeit könnte schliesslich auch zum Aussterben der Wollhaarmammuts beigetragen haben», schreiben die Autoren.

(fee)