Rehe in Platznot

14. Dezember 2012 12:28; Akt: 14.12.2012 12:28 Print

Inzucht wegen Autobahnen

von Claudia Hoffmann - Strassen bilden Barrieren zwischen Wildtier-Gebieten. Dies kann zu Inzucht führen, wie Forscher jetzt mit einer genetischen Methode zeigen konnten.

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Muss sich mit Verwandten paaren. (Bild: Prisma)

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Der Lebensraum von Wildtieren wie Rehen wird oft durch Verkehrswege zerschnitten. So auch das Gebiet Suret im Aargau, das eine wichtige Passage für den Wildwechsel zwischen Jura und Mittelland ist. Hier verlaufen unter anderem die beiden eingezäunten Autobahnen A1 und T5. «Diese stellen ein grosses Hindernis für Rehe dar», fasst Rolf Holderegger von der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) das Ergebnis einer kürzlich publizierten Studie zusammen.

Unter anderem fanden die Forscher im schmalen Streifen zwischen den zwei Autobahnen nur nah verwandte Tiere. «Diese können sich offensichtlich nicht mit Rehen von ausserhalb paaren», sagt Holderegger. Deshalb kommt es zu Inzucht, was auf lange Sicht die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen könnte.

Für ihre Studie analysierten die Forschenden genetisches Material von 176 Tieren aus dem Suret-Gebiet. «Die Methode ist vergleichbar mit einem Vaterschaftstest», sagt Holderegger. Je ähnlicher bestimmte Gen-Abschnitte zweier Individuen sind, desto enger sind diese miteinander verwandt.

Damit sich die Rehe künftig mit Tieren aus anderen Gruppen paaren können, müssen sie sich wieder freier bewegen können. Deshalb sollen im Suret bis 2018 unter anderem zwei neue Grünbrücken für Grosswild über die Autobahnen gebaut werden. Allerdings lässt sich schwer vorhersagen, ob die Tiere diese Hilfen auch tatsächlich nutzen. Deshalb wollen die WSL-Forscher dies einige Jahre nach der Fertigstellung mit einer weiteren genetischen Studie überprüfen.