Biologischer Ersatz

08. Februar 2018 09:39; Akt: 08.02.2018 10:22 Print

Macht ein Bio-Pestizid das Glyphosat überflüssig?

Der Verbot des Unkrautvernichters Glyphosat wird heiss diskutiert und Forscher suchen nach Alternativen. Jetzt gibt es einen ersten Kandidaten.

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Ein Bauer in den USA versprüht den Unkrautvernichter Glyphosat auf seinem Maisfeld. Das Mittel ist höchst umstritten. Unter anderem steht die Frage im Raum, ob es krebserregend ist oder nicht. Immer wieder kommt es wegen Glyphosat zu Protesten gegen die Hersteller, wie am 21. Mai 2016 in Basel. Trotz der offenen Fragen wurde die EU-Zulassung des Unkrautvernichters im Jahr 2017 verlängert. Ungeachtet dessen wird nach Alternativen gesucht: Als heisser Kandidat wird derzeit ein Bio-Herbizid gehandelt, das von Forschern aus wilden Disteln gewonnen wird. Konkret wird das Herbizid aus einem Nebenprodukt der Distelöl-Gewinnung – der sogenannten Pelargonsäure – gewonnen. Nach den zwei Jahre dauernden Versuchen erhielten die Forscher die Zulassung für ihr Produkt. Seither darf es auf Kartoffel-Äckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Frankreich, Italien und Österreich angewendet werden. Ob das Bio-Herbizid dem umstrittenen Glyphosat wirklich einmal den Rang ablaufen wird, ist offen. Denn anders als Glyphosat, das alle Teile der zu bekämpfenden Pflanzen zerstört, wirkt es nur auf die Blätter. Deshalb muss es deutlich häufiger angewendet werden und kostet entsprechend mehr. Ein Problem des Glyphosats: Es gerät über die damit behandelten Lebensmittel auch in den menschlichen Körper – und zwar immer mehr, wie US-Forscher herausfanden. Sie hatten die Urinproben von 100 Amerikanern aus dem Zeitraum 1993 bis 1996 und 2014 bis 2016 miteinander verglichen. Dabei zeigte sich, dass der Anteil von Glyphosat und eines seiner Stoffwechselprodukte deutlich gestiegen ist. Doch welche Produkte aus dem Bereich Obst und Gemüse sind besonders belastet? Auf den folgenden Bildern erfahren Sie, welche Frucht- und Gemüsesorten laut Studie am stärksten belastet sind. Schlusslicht des Rankings bildet Mais auf Platz 51. Das heisst: Von allen untersuchten Sorten war hier die Pestizid-Belastung am geringsten. Etwas schlechter schliesst die Avocado ab. Sie setzten die Forscher auf Platz 50. Auf Platz 49 taucht die Ananas auf, ... ... auf Platz 48 landete eine Vielzahl Kohlsorten. Auch Zwiebeln sollten nicht bedenkenlos konsumiert werden. Sie schafften es wegen ihrer Belastung auf Platz 47. Tiefkühl-Erbsen schafften es auf Platz 46. Doch es geht noch schlechter: In der Studie belegen Papayas den 45. Platz, ... ... Spargeln den 44. und ... ... Mangos den 43. Platz 42 geht an Auberginen. Platz 40: Kiwis. Melonen der Art Cantalouple landeten mit ihrer Pestizidbelastung auf Platz 39, ... ... Blumenkohle auf dem 38. und ... ... Grapefruits auf dem 37. Platz. Platz 36 beansprucht Broccoli für sich, ... ... Süsskartoffeln den 35. Pilze platzierten die Forscher auf dem 34. Rang. Für Wassermelonen gab es Platz 33, ... ... für Frühlingszwiebeln Platz 32. Bananen belegen in der Liste den 31., ... ... Zuckererbsen aus den USA den 30. und ... ... importierte grüne Bohnen den 29. Platz. Sommerkürbisse, zu denen auch Zucchetti zählen, belegen Rang 28, ... ... Orangen Rang 27 und ... ... Winterkürbisse den 26. Platz. Rüebli ordneten die Experten auf Platz 25 ein. Noch schlechter steht es um die Pestizidbelastung von Himbeeren. Sie befinden sich auf Platz 24. Mandarinen belegen Platz 23, ... ... Pflaumen landeten auf Platz 22. Anders als die aus anderen Ländern importierten grünen Bohnen (Platz 29) sortierten die Experten das aus den USA stammende Pendant auf Platz 21 ein. Auch bei Heidelbeeren hängt die Pestizidbelastung von der Herkunft der Beeren ab: Die aus dem Ausland stammenden belegen Platz 20. Werden Kohlblätter einzeln verkauft, rangieren sie auf Rang 19. Peperoncini landeten in der Erhebung auf dem 18. Platz. Die aus den USA stammenden Heidelbeeren schafften es auf Platz 17. Damit enthalten sie mehr Pestizide als importierte Blaubeeren (Platz 20). Während Zuckererbsen aus den USA in der Studie auf Platz 30 rangieren, befinden sich importierte Knackerbsen auf Platz 16. In ihnen fanden die amerikanischen Forscher demnach etwas mehr Pestizide. Kopfsalate belegen Platz 15, ... ... Cherrytomaten Platz 14 und ... ... Salatgurken Platz 13. Kartoffeln landeten in der Untersuchung auf Rang 12. Damit eröffnen sie das Feld der am stärksten belasteten Lebensmittel, von den Forschern auch «Dirty Dozen» («Dreckiges Dutzend») genannt. Ebenfalls alles andere als frei von Pestiziden sind Peperoni. Damit sicherten sie sich Rang 11. Auf Platz 10 sind Tomaten zu finden, ... ... auf Platz 9 Sellerie. Noch höher war die Belastung bei Trauben (Platz 8) und ... ... Kirschen (Platz 7). Noch schlimmer steht es um Birnen. Sie belegen Platz 6. Pfirsiche zählen bereits zu den Top 5 der am stärksten belasteten Früchte- und Gemüsesorten: Platz 5. Auch Äpfel sollten sorgsam ausgewählt werden. Sie schafften es im Ranking auf Platz 4. Ähnlich sieht es bei Nektarinen aus. Sie landeten auf Platz 3. Platz 2 gab es für Spinat. Am meisten Pestizidrückstände identifizierten die Experten bei Erdbeeren. Von den über 35'000 untersuchten waren 70 Prozent belastet.

Zum Thema
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Am Pflanzenschutzmittel Glyphosat scheiden sich die Geister: Einerseits bringt es den Herstellern Geld und erweist Landwirten gute Dienste, andererseits steht es im Verdacht, krebserregend und erbgutschädigend zu sein.

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Sollte Glyphosat verboten werden?

Trotz der Unsicherheiten und der Proteste von Glyphosat-Gegnern wurde die Zulassung des Unkrautvernichters im Jahr 2017 um weitere fünf Jahre verlängert.

Wildpflanze mit Potenzial

Ungeachtet dessen wird nach Alternativen gesucht: Als heisser Kandidat wird derzeit ein Bio-Herbizid gehandelt, das aus wilden Disteln gewonnen wird. Das berichtet die «Süddeutsche Zeitung».

Zu dem Einsatz der stacheligen Pflanze als umweltfreundlichere und gesündere Glyphosat-Alternative wird an der Nordküste Sardiniens geforscht. Auf fast 1000 Hektar wird sie dort unter freiem Himmel angebaut.

Geleitet werden die Untersuchungen von der Chemikerin Catia Bastioli. Sie steht den Firmen Novamont (Entwicklung und Produktion von Biokunststoffen) und Matrìca (Herstellung verschiedenster Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen) vor.

Vom Abfallprodukt zum Unkrautvertilger

Bastioli gilt als Vorkämpferin für den Umweltschutz. 2007 wurde sie für die Entwicklung eines kompostierbaren Kunststoffs namens Mater-Bi mit dem Europäischen Erfinderpreis ausgezeichnet. Das Bio-Herbizid, das Glyphosat ersetzen soll, ist ihr aktuellster Streich.

Auf die Idee kam sie bereits vor sieben Jahren, als sie und ihre Kollegen sich fragten, was sich wohl mit einem Nebenprodukt der Distelöl-Gewinnung – der sogenannten Pelargonsäure – Sinnvolles anstellen liesse.

«Von der Geranie ist die Säure als herbizider Wirkstoff bekannt, doch liess sie sich bislang nicht grossflächig zur Vernichtung unerwünschter Kräuter einsetzen», zitiert die deutsche Zeitung Bastioli.

Finanzielle Hürden

Bei der aus der Distel gewonnenen Säure ist das den Forschern aber gelungen: Nach den zwei Jahre dauernden Versuchen erhielt das Team um Bastioli die Zulassung für das neuartige Bio-Herbizid. Seither darf es auf Kartoffel-Äckern, im Wein- und Obstanbau und auf öffentlichen Grünflächen in Frankreich, Italien und Österreich angewendet werden.

Ob die Innovation dem umstrittenen Glyphosat wirklich einmal den Rang ablaufen wird, ist offen. Es ist in zweifacher Hinsicht eine finanzielle Frage. Denn anders als Glyphosat, das systemisch wirkt und alle Teile der zu bekämpfenden Pflanzen zerstört, wirken Bio-Herbizide nur auf die Blätter. Deshalb müssen sie deutlich häufiger angewendet werden, was kostet.

Auch die ewigen Diskussionen über Glyphosat spielen eine Rolle, wie Bastioli sagt: «Solange Europa sich keine verlässlichen Regeln für den Umgang mit Glyphosat gibt, fallen Investitionen sehr schwer.»

(fee)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 08.02.2018 10:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bio heisst Leben

    Brennesselwasser kann fast alles. Die Neem-Pflanze aus Asien ist ein Wundermittel. Hat immer bestens funktioniert beim Indoor Anbau. Ist es wirklich wünschenswert, eine Bevölkerung aus vergifteten Zombies zu haben, einzig zum Nutzen der Petrochemie?

  • PS;L am 08.02.2018 10:03 Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert die Welt

    Schlussendlich setzt sich das Produkt durch, mit welchem am meisten Geld verdient werden kann. So funktioniert unsere Wirtschaft. Was interessiert die Verantwortlichen der Zustand unserer Erde in 100 Jahren?

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  • Manuel am 08.02.2018 10:19 Report Diesen Beitrag melden

    Endlich verbieten sonst Zahlung kürzen

    Die Bauern können hier tun und lassen was sie wollen. Sie güllen einen Tag vor Schnee obwohl es der Wetterbericht schon gesagt hat (Grundwasser) Man düngt auf den Feldern mit rieseigen Staubwolken auch kurz vor angesagten Regenfällen. Die können hektoliterweise Gift in die Felder kippen und ich als Hobbygärtner bekomme nur noch teuer und nicht wirkenden Ware. Umgehnd verbieten ansonsten Direktzahlungen streichen die sowieso seit Jahren gestichen werden sollten. Wer hat Grundeinkommen ausser den Bauern? Niemand. Weg mit dem alten Zopf.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • BiChaDe am 21.02.2018 21:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    paradox

    Rauchen verbieten, aber das Vergiften durch Chemikalien zu lassen... Kranke Welt...

  • Balz Li am 18.02.2018 08:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herstellen von Bio

    Es ist ein Unding wertvolles Acker und Weideland zu vergeuden um ein Pflanze zu ziehen die zur Herstellung eines Bio Pflanzenvernichter dient. Wenn ich mir vorstelle wieviele Pflanzen man braucht um ein Liter Öl zu erhalten und die Riesenmenge die gebraucht würde. Wann merkt ihr es endlich ihr werdet an der Nase herumgeführt und auf den Arm genommen.

  • Initiative am 09.02.2018 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie lange schauen wir zu?

    Die Bevölkerung will das nicht. Die Politik wurstelt und unsere Kinder und Tiere sind krank!

  • This am 09.02.2018 18:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geld regiert

    Es geht hier nicht nur um Glyphosat, sondern auch um das ganze Saatgut. Viele Landwirte (nicht Bauern) kaufen 'frisierte' Samen ein, welche mehr Ertrag liefern und resistenter (z. B. gegen Herbizide) sind. Diese Samen stammen zufälligerweise auch von solchen Firmen, welche auch die Herbizide herstellen, wie Monsato oder Syngenta. Somit ist das ganze ein Teufelskreis welcher von allen Seiten totgeschwiegen wird und niemand möchte entwas dagegen unternehmen da es zu viel Profit abwirft. Schon ca. 90%(!!) des Saatgutes auf unserer schönen Erde wird von solchen Firmen hergestellt..

    • BiChaDe am 21.02.2018 21:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @This

      Leider und dann schützen Ich diese Firmen auch noch mit miesen Verträgen...

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  • peter laufmann am 09.02.2018 06:36 Report Diesen Beitrag melden

    USA & Verantwortung Fehlanzeige

    Monsanto richtet die Welt zu grunde, im Wissen darüber und den Gewinnen der letzen Jahre im trockenen, verscherbelten die Amis Monsanto und betrieb somit Verantwortungs outsourcing nach D (Bayer)!